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Fachkräftemangel in der Altenpflege

Caritas setzt auf albanische Altenpfleger

Ahaus Der Caritasverband holt junge Menschen aus Albanien nach Deutschland, um sie hier zu Altenpflegern auszubilden. Dabei gibt es Chancen und Risiken.

Caritas setzt auf albanische Altenpfleger

Eine Pflegekraft begleitet die Bewohnerin eines Altenheims. Foto: dpa / Oliver Berg

Fachkräftemangel in der Altenpflege – Der Caritasverband für die Dekanate Ahaus und Vreden hat eine Antwort auf dieses Problem gefunden. Er holt Auszubildende für den Beruf des Altenpflegers aus Albanien. Bernhard Herdering (Vorstandssprecher des Caritasverbandes) und Matthias Wittland (Fachbereichsleiter Seniorenheime, Pflege und Gesundheit) versprechen sich einiges von diesem Pilotprojekt.

Allein im Kreis Borken fehlen nach Berechnungen der Caritas bis zum Jahr 2032 über 4000 Pflegekräfte. Zu der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, 13.000 zusätzliche Pflegestellen zu schaffen, fällt Bernhard Herdering am Montag nur eine Frage ein: „Wo sollen die Leute denn herkommen?“ Aus Deutschland offenbar nicht. Allzu oft bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, mancherorts müssen Stationen in Heimen schließen, weil die Fachkräftequote nicht mehr erfüllt wird.

„Unser Ansatz kann es nicht sein, Altenpflege-Fachkräfte aus dem Ausland hierhin zu holen. Dann reißen wir dort Löcher“, erklärt Bernhard Herdering. Das Konzept des Caritasverbandes ist es, junge Menschen im Ausland für eine Ausbildung im Bereich Altenpflege in Deutschland zu begeistern.

Kontakt über eine Personal-Agentur

Dass es gerade Albanier sind, ist einem Kontakt mit einer Personalbeschaffungs-Agentur zu verdanken, die sich bei verschiedenen Caritas-Tagungen vorstellte. Bernhard Herdering: „Die Agentur hat Kontakte nach Albanien. Dort, in Pogradec, gibt es eine von deutschen Evangelikalen gegründete Institution, die seit Anfang der 90er-Jahre Entwicklungsarbeit leistet.“ Entstanden sei ein Bildungszentrum mit verschiedenen Schulformen.

Matthias Wittland: „Die Agentur spricht dort junge Leute auf den Pflegeberuf an. Danach machen sich die jungen Menschen ein dreiviertel Jahr mit dem Ansinnen vertraut.“ Wichtig sei, dass sie in dieser Zeit Deutsch lernen. Standard sei das Sprachniveau B2, das vorsieht, sich spontan und fließend zu verständigen und sich zu einem breiten Themenspektrum klar auszudrücken.

Bernhard Herdering und Matthias Wittland reisten im April dieses Jahres nach Albanien und führten mit 20 Bewerbern Gespräche, auch Schrift- und Leseproben gehörten dazu. Übrig blieben drei junge Frauen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, die am 1. Oktober im Caritas-Bildungszentrum in Wessum eine Altenpflege-Ausbildung starten. Zwei der drei angehenden Auszubildenden würden gerade ihr Abitur in Albanien ablegen. „Das ist vergleichbar mit einem guten Realschulabschluss“, sagt Bernhard Herdering.

Ziel ist ein dauerhaftes System

Das Trio erhält einen Ausbildungsvertrag für drei Jahre und reist Mitte September an. Der Caritasverband kümmert sich vorab um Wohnraum. „Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt aber selbst“, erklärt Bernhard Herdering. Wichtig sei, dass die Albanerinnen die „ganz normale“ Ausbildungsvergütung bekommen. Schließlich hätten sie nach den drei Jahren auch die Anerkennung als deutsche Pflegefachkraft.

„Wir selbst können jetzt diese jungen Leute ausbilden und auf den Stand bringen, den eine deutsche Fachkraft benötigt“, nennt Matthias Wittland einen Vorteil des Projektes, an dem der Caritasverband seit August 2017 feilt. Ziel sei die Etablierung eines dauerhaften Systems, „um die jungen Leute, die uns für den Job fehlen, hierüber zu kompensieren.“

Die Jugendarbeitslosigkeit in Albanien liegt bei 39,8 Prozent. Natürlich sei nicht nur die Aussicht auf einen Job ein Anreiz, auch Deutschland an sich sei es. Das werde schon daran deutlich, dass alle Bewerber den Sprachkurs auf eigene Kosten durchlaufen und vorbereitende Kurse zum Thema Pflege besuchen. Also alles bestens?

Aufenthaltserlaubnis hängt am Ausbildungsvertrag

Natürlich könne es an der ein oder anderen Stelle knirschen, antwortet Matthias Wittland. „Heimweh“, nennt Bernhard Herdering einen Grund. „Wegen der Sprache mache ich mir keine Sorgen, vielleicht noch wegen der Anforderungen in der Schule.“ Das Thema Glaube der Bewerber spielt für die beiden Caritas-Verantwortlichen nur eine Nebenrolle. Die jungen Frauen sind Muslimas, „aber offen und tolerant gegenüber anderen“, sagt Bernhard Herdering.

Bedeutsamer ist da schon, dass Albanien ein Nicht-EU-Land ist. „Mit einem Ausbildungsvertrag dürfen die jungen Frauen in Deutschland einreisen“, erklärt Matthias Wittland. Der Aufenthaltsstatus ende, wenn die Ausbildung abgebrochen oder beendet werde. „Gehen sie dann ein festes Arbeitsverhältnis ein, dürfen sie bleiben.“ Am liebsten natürlich beim Caritasverband Ahaus-Vreden.

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