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Forsche Behauptung nützt Angeklagtem nichts

Prozess Ahaus

Zwar stellte das Amtsgericht das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung nach einem Unfall in Ahaus gegen Geldstrafe ein. Voraus ging ein Streit um einen angeblich gesetzten Blinker.

Ahaus

von Elvira Meisel-Kemper

, 11.07.2018

Beim Einbiegen auf die B 70 in Ahaus hatte ein 44-jähriger Autofahrer aus Dortmund offensichtlich das herannahende, vorfahrtsberechtigte Auto einer jungen Frau übersehen. Unvermeidlich war dann der Unfall am 1. November 2017. Vor dem Amtsgericht Ahaus wurde deshalb jetzt Anklage erhoben wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Der Angeklagte gab vor Gericht an, dass die Frau den Blinker zum Abbiegen auf seine Straße gesetzt haben könnte. Nur so könne er sich erklären, dass er aufgrund dieser Zeichensetzung keine Gefährdung beider Verkehrsteilnehmer gesehen habe und auf die B 70 eingebogen sei.

„Die Annahme mit dem Blinker haben sie erst später geäußert. Davon stand nichts im Unfallbericht der Polizei am Unfallort“, wehrte der Richter diese Einschränkung ab. Als sich der Richter mit dem Staatsanwalt, dem Verteidiger und dem Angeklagten noch einmal die Unfallbilder angeschaut hatte, wurde klar, dass die vorfahrtsberechtigte Autofahrerin dem Angeklagten in die Fahrerseite gefahren ist.

Schlichtungsangebote

Auf Schlichtungsangebote der Geschädigten, um einen Prozess zu vermeiden, hatte der Angeklagte offensichtlich nicht reagiert. Genau das hielt ihm der Richter auch vor. „Ich dachte, das wäre dann ein Schuldeingeständnis“, begründete der Dortmunder sein Verhalten. 350 Euro hatte ihm die Gegenseite als Entschädigung angeboten. „Schuldfrei sind sie nicht“, hakte der Richter noch einmal nach.

Der Staatsanwalt schlug eine Geldstrafe in Höhe von 450 Euro vor, die der Hartz-IV-Empfänger in 50 Euro-Raten an den Kinderschutzbund Münster zahlen müsste. Nach der Beratung mit seinem Mandanten willigte der Angeklagte schließlich in dieses Angebot ein.

„Mein Mandant möchte in den sauren Apfel beißen“, gab der Verteidiger das Ergebnis der kurzen Beratung preis. Der Richter stellte daraufhin das Verfahren ein gegen die Zahlung von 450 Euro, so wie der Staatsanwalt es auch vorgeschlagen hatte.