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Stadt sieht keinen Grund für ein Halteverbot

Weiter Parkplatzärger

Falschparker, Dauerparker – die Stadt hat die Parksituation in der Straße „Am Kalkbruch“ in Krankenhausnähe seit Monaten im Auge.Die Anlieger sind weiter genervt.

Ahaus

von Christian Boedding

, 25.06.2018
Stadt sieht keinen Grund für ein Halteverbot

Ab dem Kreisverkehr Wüllener Straße wird rechtsseitig in der Straße Am Kalkbruch geparkt. © Christian Boedding

Melanie Mathmann ist angesichts der Parksituation vor ihrer Haustür, an der Straße Am Kalkbruch, das Lachen längst vergangen. Seit Monaten zeigt sich an dieser Straße das Dilemma fehlender Parkplätze am St.-Marien-Krankenhaus (Münsterland Zeitung berichtete). Doch über eines muss Melanie Mathmann auch heute noch, fünf Monate nach unserem Artikel über die Parkplatznot, schmunzeln. Sie hatte damals Bürgermeisterin Karola Voß auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Die Bürgermeisterin sollte sich die Verkehrssituation doch bitteschön mit eigenen Augen ansehen. Melanie Mathmann: „Das hat sie kurz darauf auch gemacht. Aber zum Termin morgens kam sie etwas später. Sie konnte keinen Parkplatz finden.“

„Nichts geändert“

So wie der Bürgermeisterin geht es vielen Autofahrern. Doch nicht immer ist Parkplatzknappheit der Grund dafür. Seit das Krankenhaus im Herbst 2017 die Parkgebühren anhob, sieht Melanie Mathmann eine Verlagerung des Parkens in die Wohngebiete hinein – so wie am Montagmorgen. Vom Kreisverkehr Wüllener Straße bis zur Einmündung Scharfland steht rechtsseitig Auto an Auto.

Stadt sieht keinen Grund für ein Halteverbot

Viele Parkplätze am St.-Marien-Krankenhaus sind Gebührenpflichtig, deshalb parken Krankenhausbesucher zum Beispiel in der Straße Am Kalkbruch. © Bernd Schlusemann

Daran habe sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. „Auch nicht nach dem Termin mit der Bürgermeisterin. Die stehen mit den Wagen manchmal fast in unserer Einfahrt“, sagt die Anliegerin. Die Stadt habe ihr gesagt, dass dagegen nichts unternommen werden könne. Die Straße sei breit genug, es könne dort geparkt werden. Eine Entscheidung, die Melanie Mathmann nicht nachvollziehen kann. Nicht zuletzt deswegen, weil der Gehweg auf der Seite des Gartencenters Hilgert als Ausweichstrecke vom Gegenverkehr genutzt werde. „Das ist eine absolute Gefahrenquelle. Irgendwann knallt‘s hier richtig.“

Schilder aufgestellt

Klaus Ikemann vom Gartencenter Hilgert ließ Ende Januar Schilder auf seinem Kundenparkplatz montieren. „Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt!“ ist darauf zu lesen. Eine Reaktion auf die vom Krankenhaus verteuerten Parkgebühren. „Nach der Anhebung hatten wir hier eine deutlich angespanntere Situation.“ Klaus Ikemann ließ die Schilder so auffällig montieren, dass man sie als Autofahrer normalerweise sehen muss.

Seitdem habe sich die Lage „leicht verbessert“, sagt er. Feststellbar sei das daran, dass es kaum noch Autofahrer gebe, die ihren Wagen für den Krankenhaus-Besuch fast einen halben Tag auf einem seiner über 120 Kundenparkplätze abstellen. Aber: „Es gibt immer noch Leute, die ihren Wagen bei uns parken und ein, zwei Stunden im Krankenhaus bleiben.“ Spreche er Autofahrer auf ihr Verhalten an, dann bekomme er Standardantworten als Ausrede, berichtet Klaus Ikemann. „Der eine sagt, dass er die Schilder nicht gesehen hat. Der andere sagt, dass er doch nur ganz kurz im Krankenhaus war.“ Eine Ausnahme war vor Kurzem eine ältere Dame. „Sie musste zur Aquagymnastik und hat uns vorher freundlich gefragt, ob sie den Wagen für eine Stunde bei uns abstellen darf.“

Ein Gespräch mit dem Ordnungsamt brachte dem Gartencenter-Chef nicht viel. „Ein Mitarbeiter der Stadt sagte mir, dass man die Situation im Auge behalten werde.“ Tatsächlich abschleppen ließ Klaus Ikemann bislang kein Fahrzeug.

Stellungnahmen

Das sagt die Stadt zur Parksituation am Krankenhaus: „Die gesamte Parksituation am Krankenhaus wurde mit der Krankenhausverwaltung in einem Erörterungstermin besprochen“, teilt auf Anfrage Anna Reehuis vom Büro der Bürgermeisterin schriftlich mit. „Die Parksituation am Krankenhaus und der Straße Am Kalkbruch wird regelmäßig überwacht. Auch die Polizei hat die Örtlichkeit mehrfach überprüft. Bei sämtlichen Überprüfungen konnten keine Situationen festgestellt werden, die eine Anordnung einer Haltverbotsstrecke rechtfertigen würden.“ In Abstimmung mit der Polizei sei auf die Anordnung eines Haltverbotes verzichtet worden. „Die Einrichtung einer Haltverbotsstrecke würde lediglich zu einem weiteren Verdrängungsprozess der parkenden Fahrzeuge in die dahinterliegenden Wohngebiete führen. Einzelne, falsch parkende Fahrzeuge werden gebührenpflichtig verwarnt.“

Das sagt das Krankenhaus zur Parksituation: „Momentan halten wir nach erfolgter Prüfung bis zu 360 Parkplätze mehr vor, als die Bauordnung des Landes vorsieht.“ Das teilt Tobias Rodig, Leiter Öffentlichkeitsarbeit beim Klinikum Westmünsterland mit.

„Gleichzeitig ist die Krankenhausgeschäftsführung aber willens, die Anzahl der Stellplätze auf dem Campus sinnvoll weiterzuentwickeln.“ Kurzfristige Lösungen seien nicht umsetzbar, da die Parkraumentwicklung in enger Abstimmung mit der zukünftigen baulichen Weiterentwicklung des Krankenhauses insgesamt und der damit verbunden Planung der Verkehrswegeführung und der Rettungswege erfolgen müsse. Pressesprecher Tobias Rodig: „In diesem Zusammenhang befinden wir uns im engen Austausch mit der Stadt.“