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Interview: Jubeljahre am WLT

CASTROP-RAUXEL 75 Jahre Westfälisches Landestheater, 25 Jahre mit Tankred Schleinschock als Regisseur und zum Jubiläum eine Revue über 100 Jahre deutsche Musik- und Gesellschaftsgeschichte. RN-Redakteur Christoph Witte sprach mit Tankred Schleinschock (49) über die Jubeljahre.

Interview: Jubeljahre am WLT

Klavierspieler, Conferencier und Sänger: zum Doppeljubiläum füllt Tankred Schleinschock mehrere Rollen aus.

Herr Schleinschock beschenken Sie sich mit der Revue „Let‘s have a party“ selbst? Schleinschock: Nein, ich kann ja nicht nur meine Lieblinge der vergangenen 25 Jahre auswählen, das würde ja nur mich und nicht das Publikum interessieren. Ich wollte mit der Revue 100 Jahre deutsche Geschichte zeigen. Außerdem reisen wir ja auch mit dem Stück und in anderen Städten ist mein Jubiläum völlig irrelevant.

Da erwartet die Zuschauer sicher ein Hammerprogramm... Schleinschock: Es ist schon ne ganze Menge. Rund 40 Nummern studieren wir gerade ein. Zweieinhalb Stunden wird die Show dauern. Das ist vor allem auch hinter Bühne mit einem riesigem Aufwand verbunden. Die Darsteller müssen in zig Rollen schlüpfen und sich ganz schnell umziehen.

Welche Jahrzehnte haben es Ihnen denn besonders angetan? Schleinschock: Die 20-er und die 60-er. In den 20-er gab es großartige Chansons und Lieder, die nehmen in der Show einen größeren Raum ein. Außerdem gibt es kaum noch Menschen, die die Goldenen 20-er so richtig miterlebt haben. Da kommt halt auch das Nostalgiemoment zum Tragen.

Und was fasziniert Sie an den 60-ern?Schleinschock: Das ist ja das Aufbruchjahrzehnt schlechthin, die Easy-Rider-Generation. Mit der sexuellen und politischen Befreiung vom sehr konservativen Adenauer-Staat. Da gab es noch Tabus, über die wir heute die Köpfe schütteln.

Also ist die Revue auch eine politische Zeitreise?! Schleinschock: Sie ist auf jeden Fall auch kritisch. Ich zeige schon den harten Bruch zwischen dem Nationalsozialismus und dem Wirtschaftswunder der 50-er. Mit bildreichen Kontrasten kann man sehr gut Befindlichkeiten ausdrücken. Es soll natürlich Spaß machen. Den Zeigefinger erheben wir sicherlich nicht. Wir wollen nicht belehren, aber gegen Nachdenklichkeit habe ich nix einzuwenden. Im Gegenteil.

Kommen wir von der deutschen Geschichte zur WLT-Geschichte: Wie hat die sich in Ihrer Zeit entwickelt? Schleinschock: Es hat sich viel zum Negativen, aber auch zum Positiven getan. Negativ finde ich, dass wir heute viel weniger Geld für die Kultur über haben. Als ich anfing, gab es 15 bis 20 festangestellte Schauspieler. Heute haben wir fünf. Man hatte viel mehr Möglichkeiten. Damals konnten wir einerseits mehr Stücke gleichzeitig einstudieren. Meistens ein großes, ein kleines und ein Kinderstück.

Und was ist das Positive? Schleinschock: Positiv ist, dass sich trotz wechselnder Ensembles eine gewisse Kontinuität eingestellt hat. Man kann seine prägende Handschrift anwenden. Das WLT muss sich vor allem in den musikalischen Inszenierungen gegenüber keinem Theater verstecken. Und wenn ich an den Chor „Seven for Heaven“ denke, den ich gecastet habe, dann macht mich das auch stolz. Viele der Mädels studieren jetzt sogar Gesang. Es macht Spaße, wenn man sieht, dass die auch deinetwegen ihren Beruf gewählt haben.

Wem sind Sie denn zu besonderem Dank verpflichtet? Schleinschock: Das sind drei Menschen. Herbert Hauck, der mich als Intendant damals verpflichtet hat und mir zum Jubiläum eine Karte aus Spanien, wo er lebt, geschrieben hat. Dann Markus Kopf: Der mich vor 25 Jahren mit einem Brecht-Stück zum 50-Jährigen des WLT empfohlen hatte. Und drittens: Rainer Iversen, der damals Regisseur hier war und mein erstes Stück inszeniert hatte.

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