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Jugendhilfeplanerin Carolin Lork wertet den Familienbericht aus

CASTROP-RAUXEL Im Oktober und November 2007 verschickte die Stadt 3000 Fragebögen an Familien in Castrop-Rauxel. 42 Prozent der Bögen kamen beantwortet zurück. RN-Redakteur Christoph Witte sprach mit Jugendhilfeplanerin Carolin Lork über die Ergebnisse des umfangreichen Familienberichts.

Jugendhilfeplanerin Carolin Lork wertet den Familienbericht aus

Carolin Lork

Frau Lork, fühlen sich Familien in Castrop-Rauxel wohl? Lork: Wenn man Wohlfühlen im Sinne von Wohnzufriedenheit, Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld und dem persönlichen Sicherheitsempfinden definiert, dann auf jeden Fall. Was diese Fragen angeht, haben wir mehrheitlich positive Rückmeldungen erhalten. Natürlich muss man zwischen einigen Stadtteilen differenzieren.

Sie haben es angesprochen. Welcher Stadtteil stellt sich besonders positiv dar? Lork: Wie der Name schon sagt, steht Frohlinde äußerst froh dar. Während Deininghausen an letzter Stelle steht. Allerdings sind auch dort über die Hälfte der Menschen zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem leben. Das zeigt, dass die Kraft und das Geld, das in das Projekt Soziale Stadt gesteckt wurde, sich auszahlen.Das ist ja nicht wirklich überraschend. Gab es denn auch Ergebnisse, mit denen Sie nicht gerechnet haben?Lork: Die hohe Eigentumsquote von 58 Prozent ist schon erstaunlich. Lediglich bei Familien mit Migrationshintergrund sieht es etwas schwächer aus. Von ihnen wohnen 40 Prozent im Eigenheim. Diese Werte plus die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel im Falle eines Umzugs innerhalb Castrop-Rauxels umziehen würde, erklärt auch die hohe Wohnzufriedenheit in unserer Stadt.Kommen wir zum Negativen: Was sind die größten Sorgen der Familien?Lork: Es besteht ein sehr großer Bedarf an Hilfestellungen bei Erziehungs-, Bildungs- und Geldsorgen. Außerdem wünschen sich viele Bürger mehr Angebote für Jugendliche in der Stadt.Aus den Daten geht auch hervor, dass 42 Prozent der Befragten in den nächsten zwölf Monaten einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige benötigen und nur acht Prozent bislang eine Zusage haben …Lork: Diese Zahlen muss man aber relativieren. Zum Zeitpunkt der Befragung gab es noch die Diskussion über das Kibiz-Gesetz, und wir waren damals noch in Gesprächen mit Trägern. Zusagen für Betreuungsplätze konnten wir erst vor kurzem herausgeben. Da hat sich also etwas getan.Und wie ist es um die finanzielle Situation der Familien bestellt?Lork: Die könnte sicherlich besser sein, keine Frage. Wenn man sich das so genannte Äquivalenzeinkommen, also das Prokopfeinkommen in Familien anschaut, müssen wir feststellen, dass ein Drittel der Menschen in armen oder armutsnahen Verhältnissen leben. Urlaubsreisen sind zum Beispiel nur für die Wenigsten, für 18 Prozent zu stemmen. Wir stehen zwar immer noch besser dar als Herne oder Gladbeck, wo auch eine Befragung durchgeführt worden ist, aber das macht uns nicht zufriedener.Intention des Familienberichts war es ja, der Politik und Verwaltung Handlungsanweisungen mitzugeben, wie man die Familiensituation verbessern kann. Können Sie da schon konkrete Maßnahmen nennen?Lork: Nein, dafür ist es noch zu früh. Wir haben gerade die erste Phase „Daten für Taten“ abgeschlossen. Der Familienbericht liegt bislang nur in tabellarischer Form vor und muss noch ausgewertet werden. Nach den Sommerferien wird es dann Szenario-Workshops geben, in denen Personen aus der Politik, der Verwaltung und Externe wie Erziehungsberatungsstelle Perspektiven entwerfen. Erst dann kann es an die Umsetzung gehen.Hat sich die umfangreiche Erhebung denn gelohnt?Lork: Das muss sich erst noch herausstellen. Jetzt wissen wir erst einmal viel, müssen dieses Wissen aber auch umsetzen. Wenn Investitionen getätigt worden sind, dann könnte man irgendwann mal sicherlich eine Folge-Evaluation durchführen.

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