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Sitzmeditation oder: Leute, die auf Wände starren

Zazen soll den Geist beruhigen - wir haben getestet, ob es wirkt

Habinghorst Zazen bedeutet Sitzmeditation, eine Meditationstechnik des Zen-Buddhismus, die Körper und Geist zur Ruhe bringen soll. Unser Mitarbeiter Christian Püls hat es ausprobiert. Wie wirkt Zazen? Sein Erlebnisbericht endet ruhig - aber auch ein bisschen unentschlossen.

Zazen soll den Geist beruhigen - wir haben getestet, ob es wirkt

Kmitta Chandrakeerthi (v. l.), Fred Fröhlich, Elisabeth Rouvel und Thomas Lehmann stehen im Dojo um den Altar. Foto: Christan Püls

Was mache ich hier? Seit fünf Minuten starre ich auf eine weiß getünchte Wand. Mein Gehirn sucht Beschäftigung. Aus dem Augenwinkel sehe ich die Fußleiste in der Zimmerecke. Naturholz.

Ich verdränge die Fußleiste aus meinen Gedanken. Mein Blick ruht wieder auf der Wand. Aber wie soll das nun eine Story werden? Ich rufe mir die Worte von Fred Fröhlich ins Gedächtnis. Die letzten gesprochenen Worte, bevor diese Übung begann: „Versucht nicht, durch die Übung etwas zu erreichen. Versucht, nichts zu produzieren, nichts zu verändern, kein Ziel zu erreichen, nur die Übung anzunehmen.“ Also starre ich weiter an die Wand.

Empfehlung, die Atemzüge zu zählen

Fred Fröhlich hatte ebenfalls empfohlen, die Atemzüge zu zählen. Erst klappt das gar nicht. Dann komme ich bis 17, bevor mich ein hochdrehender Automotor rausreißt. Ich fange wieder bei eins an. Irgendwann lässt mich ein Schlag Fred Fröhlichs auf eine Klangschale aufhorchen. Worüber habe ich nur in den letzten zehn Minuten nachgedacht? Wir erheben uns und beginnen mit einer Gehmeditation. Ich brauche eine Weile, um den richtigen Rhythmus zu finden. Dann setzen wir uns wieder, lassen den Blick wieder auf der weißen Wand ruhen. Erneut versuche ich, an nichts zu denken und nichts zu erreichen.

Fred Fröhlich habe ich vor ein paar Monaten im Rahmen der Serie CAS-Sounds kennengelernt. Er lud mich ein, seinen Dojo (Übungsraum) zu besuchen, der in seiner Habinghorster Wohnung ist. Er musste mich gar nicht groß überreden. Als ehemaliger Taekwondo-Schüler (eine koreanische Kampfsportart) ist mir Fernöstliches nicht fremd.

Ein ausgedehntes Grußritual zu Beginn

Im Japanischen bedeutet Zazen Sitzmeditation. Auch im Taekwondo wird schon mal meditiert, um sich mental auf das Training vorzubereiten. Und, wie beim Betreten des Dojang (der Taekwondo-Trainingsstätte), gibt es auch im Dojo zunächst ein ausgedehntes Grußritual. Ich fühle mich sozusagen auf sicherem Gebiet. Doch dann sitze ich vor der weißen Wand. Mein Rücken beginnt zu schmerzen. Irgendwann beendet Fred Fröhlich die Übung. Es ist erlösend.

Als wir anschließend in der Küche des 47-Jährigen zusammen kommen, weiß ich gar nicht recht, wie ich mich gerade fühle. Weder sediert noch berauscht, weder erschöpft noch entspannt. Ich bin der einzige Novize in der Runde. Fred Fröhlich erklärt mir, dass man Zazen am Anfang belastend finden kann, dass sich ein „Fluchtreflex" einstellen kann. „Jeder Mensch hat sein Leben, hat Erlebnisse, die er nicht austauschen kann", sagt Fred Fröhlich, „im Sitzen erkennt man, dass man dem nicht entkommen kann."

„Man vertraut darauf, dass es einen verändert“

Ich schildere der Runde meine Eindrücke; wie mich der Verkehrslärm ablenkte. „Das Tiefe ist nicht irgendwo", erklärt mir Elisabeth Rouvel, „sondern da, wo ich sitze, im Lärm." Wohin bringt mich denn Zazen, frage ich. Fröhlich antwortet: „Wenn ich 25 Jahre Zazen mache, kann ich nicht unbedingt sagen, ich habe was erreicht. Aber man vertraut darauf, dass es einen verändert. Die innere Haltung überträgt sich auf den Alltag; man kommt im Alltag leichter zurecht - und fühlt, ob etwas angemessen ist oder nicht.“

Wieder im Auto angekommen, schalte ich das Smartphone ein, blicke auf die Uhr. Über drei Stunden habe ich dort zugebracht. Und weiß nicht mal wirklich, was ich in dieser Zeit getan habe. Aber vielleicht sollte ich Zazen einfach noch eine weitere Chance geben.

Ob ich es tatsächlich mache, weiß aber noch nicht.

Was ist Zazen?

  • Zazen ist japanisch für Sitzmeditation und bezeichnet eine Meditationstechnik im Zen-Buddhismus; sie ist aber bekenntnisfrei.
  • Der Legende nach geht Zazen einerseits auf Siddhartha Gautama zurück, der als buddhistischer Religionsgründer gilt. Andererseits auf Bodhidharma, einen indischen Meister.
  • Im Zazen sollen Körper und Geist zur Ruhe kommen. Der Meditierende soll sich nicht auf einen bestimmten Gedanken konzentrieren, sondern einfach ruhig sitzen. Das Kommen und Gehen von Gedanken zählt dabei durchaus zur Übung.
  • Fred Fröhlich betreibt keinen Verein, sondern bietet Zazen als Privatmann an. Gebühren fallen nicht an, eine Spende sei aber durchaus üblich. Er selbst nennt sich einen Laien mit Lehrerlaubnis.

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