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Nur Fachfirmen dürfen Bodenbeläge bearbeiten

Fußböden in LEG-Wohnungen enthalten Asbestfasern

Wulfen-Barkenberg 1045 Wohnungen hat die LEG in Wulfen-Barkenberg. Die Floor-Flex-Fußböden können die Gesundheit der Bewohner gefährden. Sie enthalten Asbestfasern.

Fußböden in LEG-Wohnungen enthalten Asbestfasern

Ein Schlauch führt über den Balkon in der ersten Etage an der Kampstraße 52 nach draußen zum Behälter, in dem die kontaminierten Stäube aus der Wohnung abgesaugt wurden. Foto: Foto: Wilhelm Zachraj

Rita und Wilhelm Zachraj haben 2012 ihre LEG-Wohnung an der Kampstraße 52 bezogen. Weil ihnen der Fußboden in der Küche nicht zusagte, verlegten sie Fliesen. Das hätten sie nicht machen dürfen. Denn die Fliesen wurden auf einem sogenannten Floor-Flex-Boden verklebt, nachdem der Untergrund angeraut worden war. Floor-Flex-Platten enthalten einen Asbestanteil, auch der Kleber, der die Platten am Boden festhält, ist asbestbelastet. Bei unsachgemäßer Bearbeitung des Bodens können Asbestfasern freigesetzt werden.

Warnung vom Umweltbundesamt

Das kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben, warnt das Umweltbundesamt. „Ein intakter Fußbodenbelag aus asbesthaltigen Floor-Flex-Platten stellt keine Gefahr für die Gesundheit dar. Ist der Belag jedoch stark abgenutzt und beginnt er zu zerbrechen, sollte er fachgerecht entfernt werden“, heißt es in einem Online-Ratgeber der Behörde.

„Das haben wir nicht gewusst“, sagten Rita und Wilhelm Zachraj auf unsere Umfrage. Die Eheleute sind geschockt. Dass Arbeiten an den Böden heikel sein können, hätten sie zufällig erfahren: „In der ersten April-Woche war ein Spezialunternehmen in der leer stehenden Wohnung über uns zu Gange. Die Arbeitsutensilien haben uns stutzig gemacht und wir fragten deshalb bei den Bauarbeitern nach“, so Rita Zachraj. Ein Schlauch, der vom Balkon in der ersten Etage nach draußen in einen Behälter am Fahrzeug der Firma geführt wurde, diente dabei als Sammler für die Staubpartikel, die beim Abklopfen des Bodens freigesetzt wurden. „Die Mitarbeiter selbst trugen Sicherheitsanzüge“, sagte Rita Zachraj. Außerdem sei eine Plastikhaube als Schleuse vor der Eingangstür angebracht worden.

Zusätzlich feucht gewischt

Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Arbeiten an diesen Böden dringend, nur Firmen zu beauftragen, „die über die erforderlichen personellen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen verfügen und eine entsprechende Zulassung der zuständigen Behörde besitzen“. LEG-Pressesprecher Mischa Lenz sagte auf unsere Anfrage: „Bei Mieterwechseln werden die Böden grundsätzlich überprüft und bei Beschädigungen sachgerecht ausgetauscht“, so Lenz.

Beim Entfernen der Platten und des Klebers würden Industriestaubsauger verwendet, die zu einer Absaugung der Asbestfasern führen. „Die bearbeiteten Bereiche wurden nach Bearbeitung zusätzlich feucht gewischt. Weiterhin erfolgte auch eine Lüftung der betroffenen Räume nach der Durchführung der Arbeiten“, sagte der Unternehmenssprecher.

Zwischen 1950 und 1980

Floor-Flex-Platten wurden zwischen 1950 und 1980 sehr häufig als Bodenbelag verwendet. „Aufgrund ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten waren sie in dieser Zeit in Mode. Optisch sind sie für Nichtfachleute nur schwer von Linoleum oder heute gängigen PVC-Böden zu unterscheiden“, so Mischa Lenz. „Selbstverständlich informieren wir all unsere Mieter über den richtigen Umgang mit Floor-Flex, so in unserem Mieterhandbuch, das jeder unserer Mieter erhält.“ Alle Mieter würden darin „ausführlich über Art und Risiken asbesthaltiger Bodenbeläge informiert“. „Mieterhandbuch?“ Rita und Wilhelm Zachraj haben davon noch nie etwas gehört, sagten sie. Rita Zachraj, die LEG-Mieterbeirätin ist, hörte sich vergangene Woche unter Nachbarn um, ob diese ein Handbuch erhalten haben. „Haben sie nicht“, sagte sie auf unsere Anfrage.

LEG-Mieterhandbuch

Am Freitag habe zudem eine Versammlung aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der LEG in Dortmund stattgefunden. „Alle dort anwesenden Mieter haben klar gesagt, dass sie kein Mieterhandbuch ausgehändigt bekommen haben.“ Das LEG-Mieterhandbuch (Ausgabe 2016, online nachlesbar unter www.leg-wohnen.de/LEG_Mieterhandbuch) enthält im Kapitel 6 „Sicher und gesund Wohnen“ auf Seite 35 den Hinweis auf die Floor-Flex-Böden und ihre Inhaltsstoffe.

„Die Gefahr einer Asbestfaserfreisetzung ist eher gering. Floor-Flex-Bodenplatten müssen laut Asbestrichtlinie NRW nicht generell ausgetauscht werden“, heißt es darin. Aber auch: „Führen Sie keine Arbeiten an dem Boden durch, die diesen beschädigen, zum Beispiel abschleifen, bohren, sägen, trennen, schneiden usw. Insbesondere dürfen Sie die Floor-Flex-Platten nicht entfernen.“ „In unserer Siedlung haben doch alle auf eigene Faust etwas an ihren Böden gemacht“, sagte Rita Zachraj nach ihrer Umfrage unter ihren Mit-Mietern in Barkenberg. Wer allerdings als Mieter Hand an die Böden legt, sollte vorher seinen Mietvertrag lesen.

Mietverträge der LEG

Die Mietverträge der LEG führen unter Paragraf 10 nämlich auf, welche Maßnahmen der ausdrücklichen Zustimmung der LEG bedürfen. Darunter fallen auch unter Punkt 1.6. das Verkleben von Teppichböden, das Anbringen von Fliesen oder Laminatböden. Wilhelm Zachraj hat nach den Arbeiten an den Böden in der ersten Etage seines Wohnhauses die Abteilung Arbeitsschutz der Bezirksregierung Münster in Herten informiert, weil er unsachgemäßen Umgang mit dem aufgestemmten Floor-Flex-Böden vermutet. Er macht das zum Beispiel an der Sicherheitsschleuse fest, die nicht vollständig am Türrahmen der Wohnung angebracht war, an einer Seite klaffte eine Lücke. Zachraj hat Fotos gemacht, die das dokumentieren. Die Arbeitsschützer in Herten wollen im Laufe der Woche ihre Ermittlungsergebnisse vorlegen.

Zum Hintergrund: Die LEG geht davon aus, dass im Wohnungsbestand Barkenberg aufgrund der Baujahre der Häuser in allen Wohnungen entsprechende Floor-Flex-Bodenplatten verlegt worden sind. Eine sogenannte schwimmende Verlegung neuer Böden auf dem bestehenden Untergrund sei kein Problem, meint die LEG.

Die Bodenplatten sind in der Regel quadratisch, 25 mal 25 Zentimeter groß. Ihr Asbestgehalt liegt zwischen 5 und 20 Prozent. Hinzukommt die Beimischung von Asbest in den Bitumen-Klebstoffen, heißt es im Bauratgeber Hauffe. Der Mieterverein Berlin macht darauf aufmerksam, dass Mieter einen Auskunftsanspruch haben. „Besteht der Verdacht, dass asbesthaltige Bauteile, die meist zwischen 1950 und 1980 verbaut wurden, haben Mieter gegen den Vermieter einen Anspruch auf Auskunft, ob sich tatsächlich Asbest in der Wohnung befindet.“

Ein Anspruch auf eine Sanierung bestehe unstreitig bei beschädigten Asbestmaterialien, informiert der Berliner Mieterverein weiter. Seien mehrere Räume betroffen, kann der Mieter nicht in der Wohnung bleiben. „Er hat für die Dauer der Sanierung Anspruch auf Erstattung der Kosten für eine Ersatzwohnung“, so der Mieterverein Berlin.

Das Umweltbundesamt warnt Heimwerker. Asbest im privaten Umfeld werde immer dann gefährlich, „wenn Fasern freigesetzt werden und eingeatmet werden können“. Dies könne bei verbauten Produkten dann passieren, wenn sie bei Renovierungen entfernt werden oder besonderen Beanspruchungen ausgesetzt

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