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Freispruch trotz bestehender Schuld

Stieftochter konnte Missbrauch nicht lückenlos nachweisen

Dorsten Freispruch trotz bestehender Schuld: Auch solche Möglichkeiten eröffnet das Gesetz. In diesem Fall kam ein 46-Jähriger ungeschoren davon, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter am Landgericht Essen verantworten musste.

Stieftochter konnte Missbrauch nicht lückenlos nachweisen

Der Prozess in Essen endete mit einem Freispruch. Foto: Foto: Bernd Thissen / dpa

Mit einem ungewöhnlichen Freispruch ist in Essen der Missbrauchs-Prozess gegen einen Koch aus Hervest zu Ende gegangen.

In der Urteilsbegründung war am Freitag von einem „Freispruch trotz bestehender Schuld“ die Rede. Wörtlich sagte Richter Markus Dörlemann: „Wir haben keine Zweifel, dass etwas vorgefallen ist.“ Und direkt an die heute 20-jährige Studentin gewandt, die ihren Stiefvater angezeigt hatte: „Es spricht alles dagegen, dass Sie den Angeklagten falsch belastet haben.“ Der 46-Jährige könne zwar nicht verurteilt werden, er habe aber trotzdem „moralische Schuld“ auf sich geladen.

Prozess gegen Dorstener gestartet

Hat 46-Jähriger die Stieftochter missbraucht?

Dorsten/Essen Ein Koch aus Hervest steht bereits zum zweiten Mal unter Missbrauchsverdacht. Zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht hat der 46-jährige Angeklagte auch diesmal seine Unschuld beteuert.mehr...

Das Problem der Richter: Die einzelnen Vorwürfe hatten sich aus ihrer Sicht nicht genug konkretisieren lassen. Es habe Abweichungen zu früheren Aussagen und Unsicherheiten gegeben, so dass nicht sicher festgestellt werden könne, was genau vorgefallen sei. Die 20-Jährige habe es nicht geschafft, einzelne Punkte als absolut sicher darzustellen. Möglicherweise gebe es Bilder in ihrem Kopf, die sich im Laufe der Zeit verändert hätten.

Angeklagt waren acht Übergriffe

Wie berichtet, war schon 2010 wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Angeklagten ermittelt worden. Damals hatte sich seine Stieftochter einer Freundin anvertraut. Das Verfahren war jedoch eingestellt worden. Die neuen Vorwürfe waren 2016 erhoben worden. In der Anklage waren insgesamt acht Übergriffe aufgeführt. Am Ende war jedoch nicht einmal die Staatsanwältin überzeugt, die ebenfalls Freispruch gefordert hatte. „Es kann gut etwas gewesen sein“, sagte sie in ihrem Plädoyer. Als Außenstehender könne man jedoch nicht überzeugt werden, da es zu viele Unsicherheiten gebe.

Genau das hatte der Anwalt der 20-Jährigen nicht gelten lassen wollen. „Es ist ganz toll, an was sie sich noch erinnert“, sagte er den Richtern. Mindestens bei zwei der geschilderten Übergriffe gebe es auch genügend Details. Das sahen die Richter allerdings anders.

Der Angeklagte selbst hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Verteidiger Clemens Louis hatte auf den Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gepocht: „Wenn wir nicht sicher sagen können, was genau passiert ist, dann gilt die Unschuldsvermutung.“

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