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Kinderklinik: Zahl der Notaufnahmen steigt

40 Neuaufnahmen und 40 Entlassungen pro Tag

Dortmund In Dortmund sind die Kinderarztpraxen so überfüllt, dass Eltern lieber gleich in die Kinderklinik fahren. Die Zahl der Notaufnahmen steigt daher ständig: In der Ambulanz zählen die Ärzte 1600 Fälle im Monat, aber nicht einmal jedes zweite Kind gehört dorthin.

40 Neuaufnahmen und 40 Entlassungen pro Tag

Wenn Eltern beim Kinderarzt keinen Termin bekommen, steuern sie die Kinderklinik an. Dies allerdings auch mit Bagatellfällen, und dann fehlt den Ärzten Zeit, sich um die wirklich schwer erkrankten Kinder zu kümmern. Foto: Stephan Schütze

Klinikdirektor Professor Dominik Schneider spricht von einem „verloren gegangenen Gefühl“, was bedrohlich ist für ein Kind und was nur harmlos. Die Familien seien kleiner geworden, deshalb fehle es an Erfahrungen. Oft sei auch keine Großmutter mehr da, die ihrer Tochter sagt, „das wird schon wieder mit dem Kind.“

Er sorgt sich, dass der Rettungsdienst der Feuerwehr zunehmend als Taxi missbraucht wird für den Transport von Kindern in die Notfallambulanz, die lediglich an einer Erkältung oder leichtem Fieber leiden. Dies könne dazu führen, dass Eltern auf den Kosten für den Notfalleinsatz sitzen bleiben, so Schneider. „Die Hälfte aller Kinder in der Notfallambulanz gehört dort nicht hin“, sagt er. „Wir können die Probleme der Kinderarztpraxen nicht über Ambulanzen lösen.“

„Eltern haben oft Angst“

Der Chefarzt betont, er sei weit davon entfernt, „Eltern-Bashing“ zu betreiben: „Wenn beide Eltern arbeiten, wird es schwierig, tagsüber zum Arzt zu gehen.“ Ein krankes Kind passe nicht in den Arbeitsalltag. Eltern hätten oft Angst, dem Chef zu sagen, sie müssten nun erneut zur Pflege ihres Kindes zu Hause bleiben. Dominik Schneider wünscht sich ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein für die besorgniserregende Tendenz, kranke Kinder „als große Belastung für das Öko-System Familie“ zu sehen.

Der Klinikdirektor macht eine ganze Verkettung von Umständen aus, die zu den Engpässen in Kinderarztpraxen und in der Notfallambulanz der Kinderklinik führen:

Mit 5500 Geburten im Jahr gibt es in Dortmund jetzt 1000 Geburten mehr als vor elf Jahren. Damals wurde Schneider Chefarzt in Dortmund. Die Infrastruktur zur Versorgung wuchs aber nicht mit. Dominik Schneider sorgt sich um die Nachbesetzung von Praxen, weil schlicht die Mediziner dafür fehlen, und sieht die sich zuspitzende Situation im eigenen Haus: Mit 1600 Fällen monatlich in der Notfallambulanz müssen die Ärzte der Kinderklinik knapp 50 Prozent mehr Kinder behandeln als vor einem Jahr.

40 Neuaufnahmen und 40 Entlassungen pro Tag

Die Zahl der Notaufnahmen steigt ständig. Aktuell hat die Kinderklinik 40 Neuaufnahmen und 40 Entlassungen pro Tag – ohne die Zahlen aus der benachbarten Kinderchirurgie. Und während der Kindernotarztwagen vor vier Jahren 500 Transporte fuhr, sind es jetzt über 900. Das 130-Betten-Haus ist voll belegt. Dazu nimmt die Zahl schwersterkrankter Kinder zu. Betroffen sind vor allem junge Patienten mit Tumorleiden. Die Dortmunder Kinderklinik, soeben für ihre Arbeit ausgezeichnet von der Gesellschaft Deutscher Kinderkrankenhäuser, ist überregionales Schwerpunktkrankenhaus für Tumorerkrankte. Die Zahl der betreuten Fälle beträgt mittlerweile 60 im Jahr.

Die zentrale Rufnummer für den Kinderärztlichen Notruf: Tel. 01805044100.

Die Kinderärztliche Notfallpraxis an der Humboldtstraße 52-54 ist geöffnet, wenn die Praxen von Kinderärzten geschlossen sind, Tel. 5029800.

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