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Wie entsteht Adipositas?

8 Gründe für Fettleibigkeit

Dortmund Fast jeder fünfte Deutsche ist fettleibig. Und die Zahlen der Adipositas-Erkrankungen steigen weiter. Welche Gründe zu der Krankheit führen, erklärt der Psychiater Hans Joachim Thimm.

Psychiater Hans Joachim Thimm, früherer Oberarzt der psychiatrischen Klinik des Landschaftsverbandes in Aplerbeck, erklärt die verschiedenen Gründe, die hinter Fettleibigkeit stehen können:

Verfügbarkeit: Es ist heute so einfach an Essen zu gelangen. Nahrungsmittel sind im Überfluss vorhanden. Zudem werden immer mehr hochkalorische und fettreiche Fertiggerichte zu geringen Preisen angeboten. Frisch zu kochen ist scheinbar umständlicher, dauert länger. An jeder Ecke locken Fast Food Restaurants.

Soziales Umfeld: Vielen Menschen wird übermäßiges Essen in der Familie und im sozialen Umfeld vorgelebt. Eltern meinen es gut, wenn sie ihren Kindern Süßigkeiten zwischendurch gestatten oder den Teller randvoll füllen. Auf diese Weise wird falsches Essen erlernt. Solche Gewohnheiten werden unbewusst gespeichert und sind später nicht mit einem ärztlichen Rat auszulöschen.

Entscheidungsunfähigkeit: Der Mangel, klare Entscheidungen zu treffen, verhindert oft das sinnvolle Essen. Wer abnehmen will, muss es wollen. Der klare Entschluss steht vor jeder Verhaltensänderung.

Mangelnde Bewegung: Bereits im Kindergarten- und Schulalter werden Kinder mit dem Auto dorthin gebracht. Der Alltag der Kinder ist verplant. Freies Spielen, sich draußen zu bewegen, scheint verpönt. Im Jugendlichen- und Erwachsenenalter nimmt der Bewegungsdrang bei vielen noch ab. Viel lieber nehmen wir das Auto und nicht das Fahrrad, um von A nach B zu gelangen.

Genetik: Adipositas wird in nahezu 60 Prozent der Fälle vererbt. Die Fähigkeit des Körpers, Nahrung zu verwerten und zu speichern und Energie zu regulieren, wird durch zahlreiche Gene, die vererbt werden, ermöglicht. Daher macht es wenig Sinn, Betroffenen Charakterschwäche oder einen mangelnden Willen zu unterstellen. Vielmehr müssen solche Menschen viel mehr Energie aufbringen, um ein für sie optimales Gewicht zu erreichen.

Emotionales Essen: Zahlreiche Menschen reagieren auf psychische Belastungen wie Stress, Traurigkeit aber auch auf Langeweile mit übermäßigem Essen. Sie wollen der Negativerfahrung etwas Positives entgegensetzen, um ihre innere Ausgeglichenheit wieder herzustellen. Auf Nahrungszufuhr reagiert unser internes Belohnungssystem mit der Ausschüttung von Dopamin. Dies führt zu Wohlbefinden.

Psychische Erkrankungen: Depressive Menschen neigen oft zu übermäßigem Essen. Darüber hinaus gibt es die klassischen Essstörungen. Binge Eating ist eine Erkrankung, die bei Betroffenen zu Fressanfällen führt und bei ihnen das Gefühl hinterlässt, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren.

Medikamente: Manche Antidepressiva aber auch Neuroleptika, die zur Behandlung von Psychosen oder übermäßiger Erregung eingesetzt werden, verhindern bei einigen Menschen das natürliche Sättigungsgefühl. Die Essensmengen werden gesteigert, weil der Appetit und Hunger nicht nachlassen.

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