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Dortmunder verfilmt Geschichte eines Freiheitskämpfers

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Dortmund Regisseur Marvin Litwak aus Dortmund erzählt in seinem Film „Pawo“ die Geschichte eines tibetischen Freiheitskämpfers und feiert damit international Erfolge. Seine Inspiration war ein brennender Mann.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Marvin Litwak zeigt „Pawo“ bis zum 2. Mai (Mittwoch) im Sweet Sixteen. Foto: Stephan Schütze

Ein junger Tibeter flieht aus seiner Heimat, um sich vor chinesischen Besatzern zu retten. Im indischen Exil lebt er in Freiheit. Trotzdem zündet er sich an und nimmt sich so das Leben. Genauso ist es im Jahr 2012 passiert. Der Regisseur Marvin Litwak hat einen Film draus gemacht, „Pawo“. Der Streifen läuft seit Freitag im Sweet Sixteen. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Wie lange waren Sie schon nicht mehr zu Hause in Dortmund?

Vom ersten Recherchetrip bis zum Kinostart sind sechs Jahre vergangen. Darunter war ich allein fünf Mal in Indien für Recherchen, Castings, Testdrehs und die eigentliche Aufzeichnung. Im April 2016 haben wir Weltpremiere gefeiert. Dann ging der Film weltweit auf Festivaltour, war in Australien, England und mehrfach in den USA zu sehen. Sogar in Pakistan ist er gelaufen. Jetzt ist er hier das erste Mal ins Kino gekommen.

Worum geht es in „Pawo“?

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt die Heldenreise eines jungen Tibeters, der vor den chinesischen Besatzern im Land ins Exil nach Indien flüchtet. Dort hat er endlich die Möglichkeit, in Freiheit zu leben. Trotzdem entscheidet er sich dafür, sich mit Benzin zu überschütten, anzuzünden und sich so das Leben zu nehmen. Die Geschichte beruht auf der Tatsache, dass sich mehr als 150 Tibeter in Tibet und in Indien, aus Protest gegen ihre Besatzer, selbst verbrannt haben. Pawo heißt auf Deutsch „Held“.

Was hat Sie dazu bewogen, das Thema aufzugreifen?

Natürlich war der politische Hintergrund die treibende Kraft für das Projekt. Sie hat mich dazu bewogen, das umzusetzen, was ich im Studium gelernt habe, und ein anderes Medium zu bedienen. Klar, es gibt sehr viele Dokumentationen über Tibet. Ich denke jedoch, dass ein szenisch-fiktionaler Film die Zuschauer noch ganz anders greifen kann.

Inwiefern?

Die Zuschauer nehmen die Perspektive der Hauptfigur ein, können nachempfinden, was sie erlebt, und erleben selbst ihre Entwicklung mit. Sie werden nicht nur mit Fakten konfrontiert. Fakten sind für die Zuschauer irgendwann nur noch Zahlen. Dabei hat jeder dieser Menschen eine eigene Geschichte.

Wie sind Sie auf die Geschichte Ihrer Hauptfigur gestoßen?

Der Film ist die Geschichte von Jamphel Yeshi, der im Jahr 2012 über den Jantar Mantar, den Protestplatz in Delhi, gerannt ist und dabei in Flammen stand. Das Foto ging um die Welt. Yeshi war 26 Jahre alt, ich war damals 25, erschrocken und fasziniert zugleich. Ich habe mich gefragt, warum ich das Glück habe, in meiner Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Dortmund zu leben, und jemand anders, der fast genauso alt ist wie ich, sich auf der anderen Seite der Welt verbrennen muss, um sein Land zu befreien.

Ziemlich harte Kost für einen Film. Warum hat er trotzdem so viel Erfolg?

Es gibt immer noch eine große Gemeinschaft von Tibetern, die auf der ganzen Welt verstreut ist, und auch eine große Gruppe von Tibet-Unterstützern in Deutschland, für die der Konflikt ein relevantes Thema ist. In Tibet dürfen die Landsleute nicht ihre eigene Sprache sprechen. Es ist verboten, dem Dalai Lama zu huldigen. Wir erleben dort den Verlust einer ganzen Kultur. Davor rennen die Menschen weg.

Sie haben zuvor unter anderem Kurzfilme und Musikvideos produziert. „Pawo“ ist ihr erster Spielfilm. Wie groß war die Angst, dass Ihr Projekt scheitern könnte?

Sehr groß. Die meisten anderen Nachwuchsregisseure suchen sich etwas, das sie hier in Deutschland umsetzen können, mit wenigen Darstellern, eventuell als Kammerspiel. Jeder, dem wir erzählt haben, dass wir nach Indien fahren und dort drehen, hat gesagt, wir hätten sie nicht alle. Wir waren ein kleines Team, wollten mit Laien arbeiten und hatten kaum Budget. Vom Drehort in Indien ganz zu schweigen. Außerdem haben wir in einer fremden Sprache gedreht, auf Tibetisch. Aber wir haben uns da irgendwie durchgekämpft.

Wie froh sind Sie, jetzt wieder zu Hause zu sein?

Ich bin froh, dass der Film jetzt erstmal in den Kinos ist. So findet das Projekt seinen Abschluss. Aber mein Herz hat schon ein bisschen Fernweh. Wir haben alles in diesen Film gesteckt, unser ganzes Geld, unsere ganze Zeit, unser ganzes Blut. Jetzt merke ich, dass all das allmählich abfällt und Kapazitäten wieder frei werden in meinem Kopf. Was ich als nächstes mache, weiß ich noch nicht. Ich würde gern wieder nach Asien fahren, sei es, um dort Urlaub zu machen oder ein Thema zu suchen.

Am Freitag hatte der Film seine Premiere im Sweet Sixteen.

Das war ein Heimspiel. Unsere Produktionsfirma und das Sweet Sixteen sind im Depot ja quasi Nachbarn. Hier ist unsere kreative Heimat. Wir haben den Film Freunden und Kollegen gezeigt. Die Dortmunder Filmindustrie ist zwar klein. Es gibt aber trotzdem noch Menschen, die nicht nach Berlin oder Köln abgehauen sind und an die Stadt glauben.

Glauben Sie an Dortmund?

Definitiv. Hier hat sich so viel getan. Wir haben einen großen Kameraverleih und müssen nicht mehr nach Köln fahren, um die Ausrüstung ranzuschaffen. Für das Ruhrgebiet ist Dortmund ein großartiges Filmzentrum geworden. Mit „Pawo“ haben wir außerdem einen Film gemacht, der im internationalen Vergleich einen ganz anderen Look hat.

Wollen Sie international bedeutsame Themen jetzt vermehrt nach Dortmund holen?

Ich bin niemand, der sich festlegt. Es gibt aber politische Themen, die ich gern angehen würde und aus denen ein Projekt entstehen könnte. Wir machen das, wozu wir uns hingezogen fühlen. Der Zugang muss einfach da sein.

Marvin Litwak (31) stammt aus Hagen und lebt seit 2010 in Dortmund. Er studierte Film und Regie an der Ruhrakademie in Schwerte. Mit Kameramann Amin Oussar gründete er 2014 die Produktionsfirma „Das Department“.

„Pawo“ ist Litwaks erster Spielfilm. 80.000 Euro hat er gekostet, knapp 7000 Euro konnten die Filmemacher mit einer Crowdfunding-Kampagne sammeln.

Der Film läuft bis zum 2. Mai (Mittwoch) im Sweet Sixteen. Karten für Erwachsene kosten 7, ermäßigt 6 Euro, für Kinder bis einschließlich 12 Jahre 4 Euro.

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