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Siedler in Oespel wehren sich gegen Mehrfamilienhäuser

Bürger-Protest gegen „Riesenklötze“ in Eigenheim-Siedlungen

OESPEL Viele Siedler in Oespel sind aufgewühlt: Zwei alte Siedlungshäuser sollen abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Dagegen wehren sie sich nun.

Bürger-Protest gegen „Riesenklötze“ in Eigenheim-Siedlungen

Willi Oetting (l.) und Gerhard Hötzel befürchten viele Probleme durch den Bau des Mehrfamilienhauses im Sämanweg. Foto: Beate Dönnewald

Was in absehbarer Zukunft vor ihrer Haustür passieren soll, stößt vielen Siedlern in Oespel übel auf: Da, wo jetzt noch zwei alte Siedlungshäuschen stehen, sollen schon bald Mehrfamilienhäuser mit fünf beziehungsweise sechs Eigentumswohnungen gebaut werden.

Über die Bauvorhaben im Brinksitzer- und Sämanweg informierten zwei Vertreter der Siedlergemeinschaft Oespel 2, Willi Oetting und Gerhard Hötzel, die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund in ihrer Mai-Sitzung. Und die zeigten sich gegenüber den Bauvorhaben genauso ablehnend wie die Anwohner. „So ein Riesenklotz dort ist nicht okay. Der Siedlungscharakter muss erhalten bleiben“, sagte etwa Hans Jürgen Schröder (CDU). Heiner Garbe (AfD) ergänzte: „Das ist problematisch und nicht vorstellbar.“ Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) versprach den Siedlern, dass man sich um das Thema kümmern werde und gab ihnen noch einen Tipp mit auf den Weg: „Der Druck der Öffentlichkeit ist nicht schadhaft.“

Das sind die Sorgen der Siedler

Die Sorgen und Befürchtungen der Siedler gehen aber noch weiter. Gerhard Hötzel hat viele Einzelgespräche mit seinen Nachbarn geführt und alle Argumente in seinem Schreiben an die Bezirksvertretung zusammengefasst:

  • Wenn diese Häuser genehmigt werden, darf jedes der 35 Einfamilienhäuser in der Siedlung (Siedlergemeinschaft 2) zu einem Mehrfamilienhaus umgewandelt werden;
  • die Bewohnerzahl stiege in diesem Fall von 70 auf 350, genauso würde sich die Zahl der Autos erhöhen;
  • die Vorgärten würden verschwinden;
  • zusätzliche Parkplätze in der erforderlichen Zahl gibt es nicht, wo wird dann geparkt?
  • den zusätzlichen Verkehr könnte die Siedlung aufgrund der schmalen Straßen nicht verkraften (Zahl der Autos, zusätzlicher Zustellverkehr durch Paketwagen ...);
  • durch die zusätzliche Versiegelung der Fläche und des höheren Abwasseraufkommens sind größere Hochwasserschäden zu erwarten. Würden die Versicherungsunternehmen diese Risiken noch übernehmen?

„Hier werden einfach viele neue Probleme geschaffen“, meint Willi Oetting. Der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Oespel 2 befürchtet zudem, dass zukünftig Feuerwehr und Krankenwagen die Durchfahrt der ohnehin schmalen Straßen erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Man wolle die Bauprojekte mit allen Mitteln, auch juristischen, verhindern, so Willi Oetting. Die nächsten Schritte sollen nun eine Unterschriftensammlung sowie ein Ortstermin mit der Bezirksvertretung und Dezernent Ludger Wilde sein. Außerdem, so Gerhard Hötzel, wolle man versuchen, eine Erhaltungssatzung für die beiden Siedlungsbereiche aus den Jahren 1936 und 1949 zu erwirken.

Auch viele Mitglieder der Siedlergemeinschaft Oespel 1 seien strikt gegen die beiden Mehrfamilienhäuser, weiß Dieter Pahmeier. „Das ganze Siedlungsbild geht kaputt, wenn die Siedlungen mit Großwohnanlagen zugepflastert werden“, meint der Bezirksvertreter, der auch Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Oespel 1 ist. Er verspricht: „Wir werden die SG Oespel 2 auf jeden Fall unterstützen.“ Nur den Klageweg könne „Oespel 1“ nicht mitgehen: „Weil wir kein eingetragener Verein sind.“

Das sagt die Stadt

Laut Stadtsprecher Michael Meinders wurde das Bauvorhaben für den Brinksitzerweg bereits am 28. April 2018 genehmigt. „Für den Bauantrag Sämanweg steht ein rechtskräftiger Bescheid noch aus“, teilte er auf Anfrage mit. Warum die Stadt zumindest schon einem der beiden Vorhaben grünes Licht gegeben hat, erklärt Meinders so: „Die Zulässigkeit von Vorhaben im vorliegenden Siedlungsgebiet richtet sich nach Paragraf 34 Bau-Gesetzbuch. Vorhaben sind demnach zulässig, sofern sie sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung einfügen.“

Zur Beurteilung der Einfügung gebe es klare Regeln, die sich im Wesentlichen aus der ständigen Rechtsprechung entwickelt hätten, so Meinders. „Erfüllt ein Bauvorhaben die einschlägigen Bewertungskriterien, besteht ein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung.“ Dabei sei zu berücksichtigen, dass sich ein Bauvorhaben weder unterordnen noch zwingend in den Details anpassen müsse, so Meinders. Die Bauvorhaben würden an öffentlichen Straßen liegen und seien hinreichend erschlossen. „Lediglich Bauvorhaben, die sich nicht einfügen oder rücksichtslos (nach Rechtsprechung) sind, können oder müssen abgelehnt werden. Eine ordnungsgemäße Prüfung der planungsrechtlichen Zulassungsmerkmale ist in bauordnungsrechtlichen Verfahren obligatorisch“, so Michael Meinders.

Das sagt der Bauträger

Bauträger Wolfgang Froese kann die ganze Aufregung der Siedler überhaupt nicht nachvollziehen. „Hier wird niemandem wehgetan“, sagte er gestern gegenüber dieser Redaktion. So manches Doppelhaus in den Siedlungen sei größer als seine beiden geplanten Mehrfamilienhäuser. Auch das Argument der „explodierenden“ Anwohner- und Autozahlen lässt er nicht gelten. Das neue Wohnangebot würde sich gezielt an Senioren richten, die ihre eigenen Häuser nicht mehr alleine bewirtschaften können. „Deshalb werden beide Häuser einen Aufzug bekommen. So können die Senioren in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.“ Froese geht davon aus, dass nur ältere Alleinstehende in seine Häuser einziehen werden. „Doppelhäuser mit Familien haben da deutlich mehr Bewohner.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands Wohneigentum Dortmund, Anwalt Holger Schiller, wollte sich am Dienstag nicht zu dem Fall äußern.

Man sei im Austausch mit dem Landesverband, um zu prüfen, ob und wie der Kreisverband die Siedler unterstützen kann.

Ein Datum für den geplanten Ortstermin mit der BV gebe es noch nicht, so Bezirksverwaltungsstellenleiterin Birgit Durrei.

Formulare für die Unterschriftensammlung können bei Gerhard Hötzel unter Tel. 53 22 40 61 angefordert werden oder per E-Mail: gerhard_hoetzel@web.de

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