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Kunstschlangen in Eving nicht mehr erwünscht

Diskussion um rätselhafte „Giftschlangen“ auf Grünem Platz

Eving Nach langer Debatte sind sich die Evinger Lokalpolitiker einig, dass die maroden Kunstschlangen auf dem Grünen Platz keine Daseinsberechtigung mehr haben. Doch einfach ist die Beseitigung der Reptilien nicht.

Diskussion um rätselhafte „Giftschlangen“ auf Grünem Platz

Nicht jeder mag sie, doch der anderthalbjährige Eymen findet offenbar Gefallen an den Kunstschlangen auf dem Grünen Platz in Eving. Foto: Michael Schuh

Es geht um Verkehrssicherheit und um die Attraktivitätssteigerung des Grünen Platzes; wichtige Punkte im Evinger Alltag also. Aber es geht auch um Kunst, was die Angelegenheit wiederum deutlich erschwert. Genauer gesagt geht es um die sogenannten Kunstschlangen, die sich über den Grünen Platz winden, aufgrund ihres Zustands derzeit aber mehr einer Blindschleiche denn einer Königskobra gleichen.

Deshalb waren sich die Evinger Lokalpolitiker in der Bezirksvertungs-Sitzung letztlich einig: Das arg in Mitleidenschaft gezogene Werk soll weg. Aber geht das überhaupt? Denn schließlich handelt es sich ja um Kunst. Und wer ist der mysteriöse Künstler?

Mit der Schönheit ist es nicht weit her

Im Zuge der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) kam auch die Evinger Mitte in den 1990er-Jahren in den Genuss einer Finanzspritze und somit einer Neugestaltung. Dazu gehörten besagte Stein-Schlangen, die den Grünen Platz verschönern sollten.

Das mag anfangs so gewesen sein, doch inzwischen ist es mit der Schönheit nicht mehr weit her: Zahlreiche Segmente des vielteiligen Werks sind dem Verfall preisgegeben, die darauf befindlichen Mosaike kaputt. Und wer den Platz nicht mit der gebotenen Achtsamkeit quert, kann leicht über eines der maroden Elemente stolpern.

Die Suche nach dem Künstler verlief im Sande

Also forderte die CDU-Fraktion in der BV die Verwaltung mit der gebotenen Höflichkeit auf, den Gestalter der Schlangen ausfindig zu machen und ihn – im Rahmen des Urheberschutzes – zu einer Instandsetzung zu veranlassen. Zudem sei eine Umsetzung des Kunstwerkes zu prüfen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht.

„Der Künstler konnte schon damals nicht ausfindig gemacht werden“, erinnerte Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) die BV-Mitglieder daran, dass eine frühere Suche nach dem Schlangen-Schöpfer bereits im Sande verlief. Mit dieser nüchternen Feststellung war die Diskussion aber keineswegs beendet – vielmehr kam sie nun so richtig in Schwung.

Parteiübergreifend Einigkeit herrschte zwar darüber, dass das Sicherheitsrisiko „marode Schlangen“ im öffentlichen Raum nicht länger hingenommen werden könne, das weitere Vorgehen war zunächst jedoch umstritten.

So äußerte die CDU-Fraktionsvorsitzende Michaela Uhlig die Meinung, die Stadt müsse das Kunstwerk instand setzen, falls der Urheber nicht ausfindig gemacht werden könne; die SPD-Fraktionschefin Gabriele Hammacher zog sogar in Erwägung, die Schlangen notfalls komplett entfernen zu lassen. Gegenstimmen? Fehlanzeige.

Kein Politikerherz schlägt für das Kunstwerk

Denn während anfangs noch von einer anschließenden „Einlagerung“ des Artefakts die Rede war, stellte sich nun heraus, dass kein einziges Politikerherz für das Kunstwerk schlug.

Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Petra Frommeyer (CDU) fand das Steingebilde „grottenhässlich“, Stens erkannte darin gar „eine Giftschlange“. Klaus Sichelschmidt, Fraktionsvorsitzender der Grünen, stellte deshalb die alles entscheidende Frage: „Wollen wir das Ding behalten?“

Nach dem bisherigen Diskussionsverlauf war es kaum verwunderlich, dass niemand großes Interesse am Verbleib der Kriechtiere hegte. Michaela Uhlig brachte es auf den Punkt: „Ich glaube, die Zielsetzung aller lautet: Es soll nicht unbedingt bleiben.“

Doch wie wird man ein Kunstwerk los, das keiner haben will? Denn nach einem Abriss könnte theoretisch ja der unbekannte Künstler plötzlich auf der Matte stehen, sein Urheberrecht geltend machen und die Hand aufhalten.

Der Schlangengerichtshof soll nicht eingeschaltet werden

Und selbst eine Instandsetzung berge laut Dagmar Wally Elfriede Prange (SPD) gewisse Gefahren in sich: „Da kann es passieren, dass entweder Beton drauf kommt oder ein Zaun drumrum gebaut wird.“ Aus ästhetischer Sicht beides keine zufriedenstellenden Lösungen.

Die sich hinziehende Debatte dauerte Detlef Münch (FBI) offenbar zu lange – er forderte eine zügige Entscheidung: „Oder sollen wir etwa noch den internationalen Schlangengerichtshof einschalten?“

Und tatsächlich einigte sich die Politik letztlich: Die CDU zog ihren Antrag zurück; stattdessen soll mit den Verantwortlichen der Stadt auf dem Grünen Platz umgehend Tacheles geredet werden. Das Ende der steinernen Reptilien scheint nahe.

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