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Dortmund Droids kämpfen um Roboter-EM

DORTMUND Hackentricks und Übersteiger gehören nicht zu ihrem Repertoire. Dafür hätte selbst der wieselflinke David Odonkor im Sprintduell keine Chance: Die Fußball-Roboter der „Dortmund Droids“ sind kleine, flinke Würfel, die ein großes Ziel haben. Sie wollen Europameister im Roboter-Fußball werden.

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Die Roboter der Dortmund Droids sind kleine, flinke Würfel mit 7,5 Zentimeter Kantenlänge, die ein großes Ziel haben: Sie wollen Europameister im Roboterfußball werden.

Diese Roboter eines thailändischen Teams nahmen 2006 bei der Roboter-WM in Bremen teil.

Digitale Dribbler: Die Dortmund Droids holten 2002 sogar die Vize-WM.

Genau wie ihre menschlichen Vorbilder müssen sie dazu in Österreich und der Schweiz - bei der „Euroby 2008“ - 15 andere Teams hinter sich lassen. Seit knapp zehn Jahren tüfteln Informatik-Studenten und Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund an ihren Droids. 2002 wurden sie Vize-Europameister der Federation of International Robot-Soccer Association (FIRA). Jetzt wollen sie den ersten Titel.

Gespielt wird vom 15. bis zum 17. Juni in Zürich und vom 19. bis zum 22. Juni in Linz. Die Droids sind das einzige Team aus Deutschland. Die anderen Mannschaften kommen etwa aus Slowenien, Großbritannien oder Kroatien. Um ihre Gegner zu bezwingen, brauchen die quadratischen Kicker kein Konditionstraining.

„Die Stärke eines Teams hängt davon ab, welche Elektronik in dem Roboter steckt und wie man ihn programmiert“, erklärt Teamleiter Norman Weiss, der momentan seine Doktorarbeit über Robosoccer schreibt. Von außen sehen die Fußballzwerge in der sogenannten MiroSot-Klasse alle ähnlich aus. 7,5 Zentimeter Kantenlänge, zwei große Räder und eine Antenne. „Wir spielen in der zweitkleinsten von acht Klassen. Dafür geht es hier am schnellsten zu“, sagt Weiss.

Mit zwei Kameras behält man den Überblick

Mit knapp sechs Metern pro Sekunde, also etwa 20 Stundenkilometern, rasen die Roboter über das Spielfeld. Dabei ist dieses nur 2,80 Meter breit und vier Meter lang. „Der Zuschauer verliert im Gewühl der 22 Akteure den Ball schon mal aus dem Auge.“

Nach dem Anpfiff - per Knopfdruck - behält nur der entsprechend programmierte Computer mit Hilfe von zwei Kameras oberhalb des Spielfeldes den Überblick. Die Programmierer greifen während des Spiels nicht ein. Die Kameras bestimmen die Position der einzelnen Spieler 120 Mal pro Sekunde. Kleiner Vorteil für das Dortmunder Team: „Wir haben an jedem Roboter eine Extra-Kamera. Für den Fall, dass die Sicht der Zentralkamera versperrt ist“, sagt der Teamchef.

Der Computer entscheidet blitzschnell und funkt seine Befehle an die Spieler: Ein Kicker wird zum Flügelflitzer, der mit dem orangefarbenen Golfball Richtung Tor rollt. Andere werden zu Ausputzern und spitzeln dem Gegner das Spielgerät vom Körper. „Wir haben keinen Star im Team. Alle Roboter sind baugleich und spielen jede Position“, sagt Weiss. Ausgewechselt wird, wenn der Akku leer ist.

Weil ein Roboter allein kein Spiel gewinnen kann, kommt es beim Robosoccer auf Teamwork und die bessere Taktik an. Vor dem Spiel und in der Halbzeit kümmert sich der dreiköpfige menschliche Trainerstab um die Einstellung der Droids. Während der insgesamt 15-minütigen Spielzeit sind die Würfel ansonsten auf sich allein gestellt. Ein Eingriff von der Seitenlinie führt zum Spielabbruch ­eine Rote Karte für das ganze Team. Ebenso wie grobe Fouls, etwa wenn ein Roboter absichtlich einen anderen rammt. Ein menschlicher Schiedsrichter achtet auf das Fair Play.

Die Slowakei spielt mit einem defensiven Bollwerk

Besonders hektisch wird es in der Halbzeit, wenn die Trainer den jeweils bis zu 2000 Euro teuren Bolz-Büchsen zu Leibe rücken: „Das ist wie bei einer Kabinenpredigt, nur das wir nicht schreien, sondern schrauben“, sagt Norman Weiss. Oder kurzerhand die Taktik umwerfen. Das kommt ganz auf den Gegner an. Die Slowakei etwa spielt mit einem defensiven Bollwerk. Wenig Gelegenheit für das Dortmunder Team, einen seiner „Versenker“ zu spielen - das ist der Begriff für das „Erkennen eines Freiraums mit anschließendem Lauf ins gegnerische Tor“.

Dass Roboterfußball weit mehr sei als ein Spiel für gelangweilte Informatik-Studenten, beteuert Norbert Jesse von der Fakultät Informatik. „Für die Entwicklung der Bildverarbeitung bringt uns diese Form der Robotik enorm viele Erkenntnisse.“ So profitieren Roboter und Computer, die das Bundeskriminalamt zur Gesichtserkennung von Verbrechern einsetzt, von dieser Art der spielerischen Wissenschaft, erklärt Jesse. „Und trockener Stoff lernt sich mit ein wenig Sportsgeist einfach leichter.“

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Die Roboter der Dortmund Droids sind kleine, flinke Würfel mit 7,5 Zentimeter Kantenlänge, die ein großes Ziel haben: Sie wollen Europameister im Roboterfußball werden.

Diese Roboter eines thailändischen Teams nahmen 2006 bei der Roboter-WM in Bremen teil.

Digitale Dribbler: Die Dortmund Droids holten 2002 sogar die Vize-WM.

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