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Vier Tage Kirmes in Huckarde

Dortmunds ältester Jahrmarkt mit Live-Musik und Riesenrad

Huckarde Die Pingsthuekke ist mit über 500 Jahren einer der ältesten Jahrmärkte Dortmunds. Diesmal geht die Kirmes im Huckarder Ortskern mit einem neuen Programm an den Start.

Dortmunds ältester Jahrmarkt mit Live-Musik und Riesenrad

Karl-Heinz Villis liebt vor allem die Spotnicks. Mit seiner Band spielte er in Huckarde zuletzt 2016 vor der Alten Schmiede – am Freitagabend spielt er zum Auftakt der Pfingstkirmes. Foto: Peter Wulle

Wenn Karl-Heinz Villis am Freitagabend (18. 5.) so gegen 20 Uhr in die Saiten seiner Gitarre greift und die ersten Töne des Songs „Amapola“ von den Spotnicks ertönen, dann ist der offizielle Fassanstich erfolgt und die Party zur Eröffnung der Pfingstkirmes kann beginnen.

Auftakt mit Karl-Heinz Villis und seiner Band „Tommy & the Blue Boys“

„Wir wollen an diesem Abend mit den Leuten viel Spaß haben“, sagt der Netter Musiker und Gründer der Band Tommy & the Blue Boys. Gitarrist Karl-Heinz Villis huldigt dann nicht nur seiner Vorliebe für die in den 60er- und 70er-Jahren erfolgreichen Spotnicks um Bo Winberg, sondern hat mit der Band auch Songs von Buddy Holly über Eddy Cochran bis Marius Müller-Westernhagen und Tina Turner in dem rund dreistündigen Programm. Alles ist ausgerichtet auf einen hoffentlich lauen, sommerlichen Abend. „It never rains in Southern California“ von Albert Hammond heißt gleich der zweite Song.

Fassanstich mit Bezirksbürgermeister Harald Hudy

Live-Musik spielt während des Kirmes-Treibens in diesem Jahr eine große Rolle. Und noch etwas ist neu: Die Huckarder Pingsthuekke, einer der ältesten Jahrmärkte Dortmunds und dank der Pfingstprozession eine Kirmes, die den Bezug zur kirchlichen Tradition immer noch pflegt, findet diesmal von Freitag (18. 5.) bis Montag (21. 5.) in überarbeiteter Form statt. Die Kirmes beginnt also erstmals an einem Freitag. Und am Freitagsprogramm haben die Macher – Verwaltung, Gemeinde, Vereine und Gewerbeverein – besonders lange gefeilt. Am Eröffnungstag findet ab 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der St.-Urbanus-Kirche statt. Anschließend geht es unter musikalischer Begleitung des Trommlercorps St. Barbara zur Bühne im Kreuzungsbereich von Huckarder- und Rahmer Straße. An der Bühne, dieser zweiten Neuheit, mit der die Kirmes attraktiver werden soll, wird dann die Pingsthuekke von Bezirksbürgermeister Harald Hudy mit einem Fassanstich eröffnet. Der erste Tag des Volksfestes wird auch zum Familientag ausgerufen. Für die Fahrgeschäfte gilt die 2-für-1-Ermäßigung. Das Bühnenprogramm am Freitag beginnt eben um 20 Uhr mit der Coverband Tommy & the Blue Boys.

Von den Beatles mit Musikvirus infiziert

Der Gründer der Band, Karl-Heinz Villis, ist 66 und wurde als 12-Jähriger von den Beatles mit dem Musikvirus infiziert, der ihn seitdem nicht mehr loslässt – obwohl sein Vater ihm die „Hottentottenmusik“ aus England und den USA ziemlich madig machte. „Und seit ein Freund, der damals beim Bund war, mir eine Gitarre anbot, die ihm dort beim Entrümpeln in die Hände gefallen war, sind Gitarren und Gitarrensounds meine große Leidenschaft“, sagt Karl-Heinz Villis. Seine aktuelle Band Tommy & the Blue Boys gründete er 2004. Der damalige Sänger, der mit Vornamen Thomas hieß, ist zwar nicht mehr dabei, aber der Bassist Thomas Mika aus Frohlinde stieß wenig später dazu. „Da haben wir gesagt: dann können wir den Bandnamen auch so lassen“, sagt Villis.

Ein Feuerwerk zum Abschluss - wie bei den Stones

Zu seinem Idol Bo Winberg von der schwedischen Instrumentalgruppe Spotnicks („If you could read my mind“) verbindet ihn bis heute eine enge Freundschaft. „Wir haben uns in den Siebzigern kennengelernt und ich war damals sein Deutschland-Manager. Unter anderem hab ich seine Auftritte im Musikclub Bonanza in Nette vermittelt“, erzählt Villis. Damit nicht genug: Vor einigen Jahren hat er Bo Winberg auch mit dem US-Gitarristen Albert Lee, der unter anderem mit Eric Clapton spielte, zusammengebracht. Beide verstanden sich gut und Villis gelang es, dass sie 2015 zusammen live im Fritz-Henßler-Haus spielten. Jetzt aber freut er sich auf das Kirmes-Konzert am Freitag und sagt: „Gegen 23 Uhr gibt‘s zum Abschluss – wie bei den Rolling Stones – ein Feuerwerk.“

Das Feuerwerk verspricht ein erhabener Moment zu werden. Dazu wird die Kirmesmusik verstummen, und die historische Glocke von St. Urbanus wird geschlagen – wie sonst nur zu besonderen Anlässen. Gottesdienst, Fassanstich, Party mit Live-Musik, Karussell-Rabatt und ein Feuerwerk mit Glockenklang – der neue Kirmestag soll offensichtlich etwas Besonderes werden.

Riesenrad dreht sich auf dem Marktplatz

Am Samstag (19. 5.) eröffnet die Kirmes um 14 Uhr und endet um 24 Uhr. Auch diese späte Uhrzeit ist neu. Mit der Gruppe Sunflames beginnt das Programm auf der Bühne um 19 Uhr. Auf Sunflames folgen Susan Kent & Friends.

Auch am Pfingstsonntag (20. 5.) startet die Kirmes um 14 Uhr und schließt um 24 Uhr. Auf der Bühne spielt ab 19 Uhr „Binyo“. Im Anschluss präsentiert die Band Second Hand Rock-Coversongs. Am Pfingstmontag (21. 5.) gelten die Öffnungszeiten 14 bis 22 Uhr. Ab 19 Uhr spielt auf der Bühne die Gruppe Wild@Heart.

Keine Kirmes ohne Fahrgeschäfte. Auf dem engen Marktplatz finden drei Platz. Neben dem bekannten Autoscooter und dem Kessel-Tanz gehört auch ein Riesenrad dazu. Das Kettenkarussell dreht im Bereich der Huckarder Straße / Am Dieckhof seine Runden, und auf der Marienstraße wartet das Fahrgeschäft Jump-Street. Kindgerechte Fahrgeschäfte sind das Märchenkarussell sowie die vergnügliche Berg- und Talfahrt in der Kinderschleife.

Pfandgeldpflicht für Gläser und Flaschen hat sich bewährt

Die bereits früher eingeführte Pfandgeldpflicht für Gläser und Glasflaschen, so teilt die Stadtverwaltung mit, hat sich bewährt, weil der Glasbruch sowie das Wegwerfen von Gläsern und Glasflaschen erheblich reduziert wurde.

Bei vielen Traditions-Jahrmärkten lässt sich die Entstehungsgeschichte auf kirchliche Wurzeln zurückführen. Oft kamen die Schausteller aus Anlass der Kirchweihfeste zusammen. Bei der Huckarder Pingsthuekke war es wohl das Patronatsfest des St. Urbanus, der 25. Mai, das zur Jahrmarkttradition führte.

Nach Informationen von Pfarrer Michael Ortwald nutzte das Essener Kloster den Tag, um Gericht zu halten. Dabei ging es nicht um Prozesse, sondern eher um die Abrechnung mit den Bauern, die das Land des Klosters bewirtschafteten. Dazu mussten alle Bauern aus Huckarde und Dorstfeld anreisen. Und wo so viele Leute zusammenkamen, war auch das fahrende Volk meist nicht weit. So entstand eine Kirmes, die irgendwann mit der Pfingst-Prozession verknüpft wurde.

Diese Verbindung hat bis heute überlebt. Die katholischen Gläubigen werden am Kirmes-Montag (21. 5.) ab 10 Uhr eine Prozession mit einer Figur des Heiligen Urbanus aus dem 14. Jahrhundert durch Huckarde starten. An vier Stationen wird gebetet und gesungen.

Am Freitag (18. Mai) wird der Wochenmarkt verlegt und findet im folgenden Bereich statt: Varziner Straße (ab Einmündung Urbanus- bis hin zur Huckarder Straße), im Kreuzungsbereich der Huckarder und Rahmer Straße sowie in der Altfriedstraße (ausgehend von der Huckarder Straße bis hin zur Einmündung Am Jungbrunnen).

Die Sperrung für den gesamten Festbereich wird am Dienstag (22. Mai) um 14 Uhr wieder aufgehoben. Der Wochenmarkt an diesem Tag fällt aus.

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