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Im Schauspiel: „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“

Drei Schauspieler streiten: Wer ist der beste Hitler?

DORTMUND In der bissigen Komödie „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ zanken sich drei Schauspieler um die Frage, wie man Hitler spielen muss: Drei Theaterstile prallen aufeinander, und zwischen den Figuren explodieren die sprichwörtlichen Eitelkeiten.

Drei Schauspieler streiten: Wer ist der beste Hitler?

„Auch in den Kostümen lauern Gags“, sagt Dramaturg Matthias Seier. Die stilvoll übertriebenden Kleidungsstücke, entworfen von Mona Ulrich, tragen Alexa Sinelnikova (v.l.), Uwe Rohbeck und Ekkehrad Freye. Foto: Birgit Hupfeld

Drei Schauspieler warten auf den Beginn einer Fernsehsendung. Sie sollen interviewt werden, weil sie alle Hitler gespielt haben.

Doch die Zeit im Warteraum wird lang, niemand holt sie ab, also tun sie, was Schauspieler am liebsten tun (zumindest in dieser Komödie): Die anderen von der eigenen Großartigkeit überzeugen.

Also streiten sie: Wie kann, muss, darf und sollte man Hitler spielen? Welcher Schauspielstil ist der beste?

“Die Theaterlegende der alten Schule“

Da ist Franz Prächtel, gespielt von Uwe Rohbeck. „Eine Legende der alten Schule“, charakterisiert Dramaturg Matthias Seier die Figur. Für Prächtel, der an den deutschen Schauspieler Bruno Ganz und dessen Hitlerfigur in „Der Untergang“ angelehnt ist, zählen die klassischen Schauspieltugenden. Seier umschreibt es so: „Der Text ist heilig, die Musik der Sprache, die Stimme, das Wort, alles ganz naturalistisch.“ Und um Gottes Willen kein neumodischer Video-Firlefanz.

“Der Theaterhaudegen aus einer anderen Richtung“

Peter Soest dagegen, gespielt von Ekkehard Freye, sei zwar „auch ein alter Theaterhaudegen, aber aus einer anderen Richtung: Er will nicht einfach nur verführen, sondern dekonstruieren. Soest sagt über seine Hitlerdarstellung: ‚Ich habe in jeder Sekunde die Unmöglichkeit der Darstellung Hitlers sichtbar gemacht‘.“

Drei Schauspieler streiten: Wer ist der beste Hitler?

“Die Junge, die alles anders machen will“

Den beiden Schauspielurgesteinen gegenüber sitzt die 23-jährige Ulli Lerch, gespielt von Alexa Sinelnikova, die es bisher nur zum Goebbels gebracht hat. Seier: „Sie kommt frisch von der Schauspielschule, will alles neu machen, alles Alte wegsprengen. Sie will wild, nackt und laut sein.“

In einer Szene, sagt Seier, erzähle Lerch begeistert von eine Szene, in der sie ein Folteropfer spielt und nackt die Seiten aus dem Koran herausbeißt, während sich neben ihr jemand erbricht und Bin Laden einen Berg hinunterrennt und dazu Musik von Händel ertönt.

“Schnell, gut gebaut, intelligent und fein“

In dieser Konstellation liegt viel komisches Potenzial, und das nutze die Autorin Theresia Walser gekonnt aus, sagt Seier: „Es ist eine sehr schnelle, sehr gut gebaute, intelligente und feine Komödie übers Theater, über Machtspielchen und künstlerische Eitelkeiten.“

Regisseur Thorsten Bihegue sagt, er habe zusätzlich den Text hier und da noch zugespitzt und mit kleinen Eingriffen das inhaltliche Spektrum erweitert. So ist die Figur Ulli Lerch bei ihm eine Frau, anders als im Original, um die Machtspielchen zwischen den Geschlechtern hineinbringen zu können.

Einfach richtig lustig

Dennoch: Dies ist keines der Stücke, bei denen den Zuschauern das Lachen im Hals steckenbleiben soll. Im Gegenteil, sagt Seier: „Das ist unsere diesjährige Sommerkomödie. Zum Ende der Spielzeit wollten wir etwas machen, wo die Schauspieler richtig abgehen können.“ Sinelnikova, Freye und Rohbeck hätten die schauspielerische Klasse für eine Komödie: das Timing, die Präzision und das Gespür für die Pointe.

“Zwei Tipps für die Zuschauer“

Seiers Tipp: Achten Sie nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch darauf, was die Schauspieler tun, wenn sie gerade nicht sprechen. Die Blicke, die Mimiken, die kleinen Nuancen. Regisseur Bihegue ergänzt: „Bei drei Schauspielern geht es immer zwei gegen eine, und das wechselt ständig. Das ist sehr schön zu beobachten.“

Die Premiere am Freitag (25.5.) im Studio, Hiltrowall, ist bereits ausverkauft.

Karten gibt es noch für 1., 9. und 14.6. und 7. Juli.

Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr.

Karten kosten 15 Euro (Premiere 19 Euro), erhältlich im Opernhaus, Tel. 5 02 72 22, und auf der Seite des Dortmunder Schauspiels.

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