Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Erst saufen, dann randalieren

DORTMUND Die Zahlen sind erschreckend: An jedem Wochenende wacht mindestens ein alkoholisierter Jugendlicher nach seinem Koma-Absturz in der Kinderklinik auf. Allein am letzten Wochenende gab's in drei Problem-Bezirken in Dortmund 101 Platzverweise für betrunkene, randalierende Jugendliche.

Erst saufen, dann randalieren

ARCHIV - Ein junges Mädchen liegt zwischen leeren Flaschen auf einer Bank, eine halbvolle Bierflasche hält sie noch in der Hand, aufgenommen in Schney im Landkreis Lichtenfels (Illustration, Archivfoto vom 26.03.2007, mit Zoomeffekt fotografiert). Immer mehr Jugendliche verabschieden sich regelmäßig für die Dauer eines Rauschs vom Alltag. Bier, Schnaps, Mixgetränke - das «Komasaufen» oder «Binge Drinking» geht durch alle Schichten. «Sie haben da genauso den Sohn des Arbeitslosengeld-II- Empfängers dabei wie die Tochter von Millionärshaushalten», sagte die Drogenbeauftragte Bätzing (SPD) am Montag (05.05.2008) bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2008 in Berlin. Foto: Marcus Führer dpa/lbn (zu dpa 4498) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Saufen ist unsexy. Von einem kriechenden, lallenden Partner fühlen sich Jugendliche abgestoßen. Saufen macht süchtig. Süchtig werden will aber keiner der Koma-Säufer, die in der Kinderklinik wach geworden sind. An jedem Wochenende mindestens einer. Viele sitzen später am Tisch von Kirsten Grabowsky, ihrer Hilfe im Jugendamt, die sie rausholen will aus der Falle Alkohol.

Ganz anders lesen sich die Realitäten aus den jüngsten Polizeiberichten: Gerade an Wochenenden kreisen die Flaschen in den Stadtteilen Brackel, Scharnhorst und Wickede, kommt es zu Ruhestörungen und Körperverletzungen. Bei Kontrollen zwischen Freitag, 16 Uhr, und Sonntagfrüh, 2 Uhr, sprach die Polizei 101 Platzverweise gegen Jugendliche aus. Elf mussten nach Hause gebracht werden. Drei Anzeigen gab‘s wegen Körperverletzung, eine Festnahme wegen Widerstandes.

Sogar zum Schlagstock greifen mussten die Beamten bei einem Einsatz in Mengede. Die Veranstalter des 31. TBV-Wochenendes, der Sportverein Mengede 09, hätte gerne auf die randalierenden „Gäste“ im Volksgarten verzichtet. Während mehrere tausend Besucher friedlich das Wochenende genossen, begann ein 22-Jähriger nachts, gegen 1.15 Uhr, völlig betrunken Gäste anzupöbeln.

Polizisten mit der Faust ins Gesicht geschlagen

Er weigerte sich nach dem Platzverweis durch die Polizei, das Gelände zu verlassen. Zwei Beamte fassten ihn am Arm, er riss sich los und schlug einem Polizisten (48) mit der Faust ins Gesicht. Noch am Boden erhielt der Beamte einen Fußtritt am Kopf. Die beiden Männer kämpften liegend miteinander. Erst nach dem Einsatz des Schlagstocks gelang es, den Betrunkenen zu fesseln.

Die Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen es: Nirgendwo in Deutschland werden so viele Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs in Krankenhäuser eingeliefert wie in NRW. Jedes vierte betroffene Kind kommt aus NRW: 2003 waren es 281 Mädchen, 2006 schon 409. Bei Jungen stieg die Zahl um 38 Prozent auf 383 stationäre Fälle. Bei Kirsten Grabowsky melden sich die, die etwas ändern wollen.

Beraten hat sie zuletzt 32 Jugendliche, von denen 20 aus alkoholkranken Familien stammen. Betroffen sind alle gesellschaftlichen Schichten, teils landen Jugendliche im lebensbedrohlichen Zustand in der Klinik und: Typisches Alter fürs erste Auffallen ist mit 14, 15 Jahren.

Hinweis: Ein ausführliches Interview mit Kerstin Grabowsky lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe der RN.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Blinde und Sehbehinderte in Dortmund

Selbstbewusstes Leben ist auch ohne Augenlicht möglich

Dortmund Mit Anfang 30 ist Manuela Kürpick komplett erblindet. Dennoch steht sie voll im Leben, ist berufstätig, reist gerne. Und versucht, dieses Selbstbewusstsein anderen Blinden und Sehbehinderten in Dortmund zu vermitteln.mehr...

Unfall mit zwei Verletzten in Lütgendortmund

Autofahrerin verwechselt Bremse und Gaspedal

LÜTGENDORTMUND Eine 69-jährige Dortmunderin hat am Freitagmittag einen Verkehrsunfall in Lütgendortmund verursacht. Zwei Menschen wurden verletzt. Die Autofahrerin hatte eigentlich bremsen wollen – trat aber aufs Gaspedal. mehr...

15-Jährige am Bahnhof in Hörde erstochen

Streit zwischen zwei Mädchen endet in Messerstecherei

Dortmund Auf dem Parkdeck am Bahnhof in Dortmund-Hörde ist am Freitagabend ein 15-jähriges Mädchen erstochen worden. Rettungskräfte hatten das Opfer vor Ort noch wiederbelebt, doch die Jugendliche starb im Krankenhaus. Die Polizei ermittelt nun wegen Mordes. mehr...

DORTMUND Der BVB hat die besten Fans der Welt. Keine Tribüne der Welt macht so viel Stimmung wie die Süd in Dortmund. Das betonen sie in der Stadt, im Verein, in der Fußballwelt gerne. Lange wollte das niemand anzweifeln. Doch die Stimmung, sagen viele, war selten so schlecht wie zuletzt.mehr...

Dortmund Sie wollten sich nicht anpassen an den NS-Staat. Aus den Dortmunder Edelweißpiraten wurde so eine Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus. Das bewegt auch heutige Jugendliche.mehr...

Dortmund Weniger Unfälle im Stadtgebiet als im Vorjahr, dafür machen die Autobahnen Sorgen. Die Polizei findet im aktuellen Verkehrsbericht Licht und Schatten. Eine wichtige Schattenseite: Die Zahl der verletzten Jugendlichen ist stark gestiegen.mehr...