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Kinderschutzbund kümmert sich um Flüchtlingskinder

Helfer lassen blutige Bilder verschwinden

Dortmund Mehr als 3000 Mal leistete der Kinderschutzbund 2017 Hilfe, Unterstützung und Vorsorge, darunter waren erschütternde Fälle. In diesem Jahr feiert der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Und auch sonst hat sich der Kinderschutzbund einiges vorgenommen.

Helfer lassen blutige Bilder verschwinden

Das Team vor dem „Bunten Haus“ des Kinderschutzbundes an der Lambachstraße in der Nordstadt. Foto: Susanne Riese

Auffallend still und zurückgezogen verhielt sich der neunjährige Ismael* in der Schule. Auf den Bildern aber, die der syrische Flüchtlingsjunge malte, waren andere Kinder zu sehen – und viel Blut. Lehrer vermittelten den Jungen an das Projekt „come@home“ beim Kinderschutzbund.

Mithilfe eines Dolmetschers fanden die Therapeuten heraus, was es mit den Greuel-Bildern auf sich hatte: Ismael war mit einem der völlig überladenen Boote nach Europa gekommen. Sie gerieten in höchste Seenot, der Kapitän riet allen, ihr Leben mit einem Gebet zu besiegeln. Das war der Moment, in dem die Mütter an Bord begannen, sich ihre Gesichter blutig zu kratzen aus Schmerz und Verzweiflung über ihre verlorenen Kinder.

Dolmetscher erklärt kulturelle Hintergründe

Die Überfahrt hat der Junge überlebt. Und dank „come@home“ und der kulturellen Kompetenz des Dolmetschers konnte Ismael auch die traumatischen Erinnerungen verarbeiten. Wie er schafften es 37 weitere Kinder, über das 2017 begonnene Projekt, sich wieder sicher zu fühlen und hier anzukommen. „Das war viel Pionierarbeit“, sagt Martina Furlan. Jetzt sucht die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes für das spendenbasierte Hilfs- und Therapie-Projekt dringend eine Anschlussfinanzierung. „Auch die Eltern haben das Angebot gut angenommen“, sagt Sozialarbeiterin Birgit Weber.

Auf jeden Fall weiterlaufen werden die Beratungen und Gruppenangebote. 3072 Kontakte zählt der Kinderschutzbund 2017 über das Zeitschenker-Projekt für Kinder psychisch kranker Eltern, Elternkurse, Kinder- und Jugendtelefon und die Eltern-Kind-Gruppen namens „Bärenstark“. Ein großer Teil davon wird ehrenamtlich begleitet. 12.000 Stunden schenkten die 150 Freiwilligen diesen Angeboten. Außerdem bewältigte der Verein 368 Beratungsanfragen, etwa ein Drittel davon betraf Kinder unter drei Jahren.

Viele Fälle von Kindeswohlgefährdung

Immer wieder haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es mit Fällen von Kindeswohlgefährdung zu tun. „Das betraf etwa ein Viertel der 216 Neuanmeldungen im letzten Jahr“, so Martina Furlan. In solchen Fällen sei eine intensive Zusammenarbeit mit Eltern, Jugendamt, Ärzten, Schule oder Kita nötig.

Der „Begleitete Umgang“ ist eine weitere Aufgabe, die der Kinderschutzbund seit 2011 erfüllt. Die Fälle, laut Arndt von der Wurp etwa 20 im Jahr, werden von den Familiengerichten zugewiesen: Väter oder Mütter treffen sich mit ihren getrennt lebenden Kindern im „Bunten Haus“. „Wir führend flankierende Gespräche, um Perspektiven zu entwickeln und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.“

Für dieses Jahr kündigte Geschäftsführerin Furlan zwei weitere Großprojekte an: den Bau einer zweiten Kita in Bodelschwingh und die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen im Herbst.


*Name von der Redaktion geändert

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