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„Lübeck ist wie nach Hause zu kommen“

Interview

Im Interview spricht Klaus Eldert Müller (51) über die Motive seines Weggangs aus Dortmunds Stadtkirche St. Reinoldi. Er hatte, wie er sagt, „schon länger das Gefühl, dass ich mal raus muss“.

DORTMUND

von Hannah Schmidt

, 03.07.2018
„Lübeck ist wie nach Hause zu kommen“

Er setzte sich für eine neue Orgel ein, nun erlebt er sie nicht mit: Klaus Müller geht nach Lübeck. © Dieter Menne

Viele finden es sehr traurig, dass Sie Reinoldi nach 13 Jahren verlassen. Wie ist es für Sie zu gehen?

Natürlich ist auch für mich vieles bedauerlich, aber mich woanders zu bewerben, war eine Entscheidung der persönlichen Lebensplanung. Ich wollte mich neu positionieren, mich neu fordern.

Ist der Zeitpunkt richtig, den Sie gewählt haben?

Es gibt keinen besseren. Hier in Reinoldi ist viel entstanden, es läuft jetzt gut hier, das Jubiläumsjahr war einfach toll: Wir hatten die h-Moll- Messe, haben die Matthäus- Passion in Kooperation mit dem Ballett aufgeführt, was schon immer mein Traum war. Da fragt man sich: Was soll da noch kommen? Der Bogen ist rund, jetzt ist alles bereit für etwas Neues, für jemanden, der neue Ideen mitbringt. Wenn man also gehen kann – dann in so einer Situation.

Das heißt, es war auch ein künstlerischer Entschluss?

Ja. Ich hatte schon länger das Gefühl, dass ich mal raus muss, dass ich Abstand brauche für Kreativität. Wir hatten deshalb Ende 2016 schon geplant, dass ich ein Sabbatical mache, rumreise, Kollegen besuche, Konzerte höre – aber im Jubiläumsjahr war das schier unmöglich. Und das Jahr war auch so toll, dass ich dieses Gefühl nicht mehr so stark hatte.

Wann haben Sie sich denn in Lübeck beworben?

Auch Ende 2016. Zuerst habe ich aber eine Absage bekommen, ich wurde nicht einmal eingeladen. Das fand ich ganz unmöglich, was muss man denn noch alles machen, um da eingeladen zu werden? (lacht) Tatsächlich hat dort aber wohl keiner der drei ersten Bewerber wirklich gepasst, sodass ich nach Pfingsten eine Nachricht bekam und mich doch vorstellen durfte, mit zwei anderen Bewerbern. Die Zusage kam dann im Oktober.

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Was reizt Sie gerade an Lübeck?

Es ist ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Ich komme ja eigentlich aus dem Norden, habe in Hamburg und Lübeck studiert, bin jetzt aber seit 20 Jahren im Ruhrgebiet – und das Wasser hat mir einfach gefehlt. Zudem ist Lübeck als Stadt wunderschön, und der Dom ist ein tolles Gebäude, in dem man sehr viel machen kann.

Beispielsweise?

Der Altar steht in der Mitte, so ergeben sich sehr viele Räume, die man musikalisch gut nutzen kann. Davon abgesehen müssen dort ganz viele Strukturen neu gesetzt werden. Wie der Chor hier beispielsweise aufgestellt ist und funktioniert – das muss ich da erst aufbauen.

Welchen Stellenwert hat die Kirchenmusik in Lübeck?

Schon einen anderen als hier. Dort gibt es vier große hanseatische Kirchen mit vier A-Stellen. Da ist ein ganz anderes Zusammenspiel mit Kollegen möglich, auf Augenhöhe, was ich sehr spannend finde. Hier in Dortmund ist man ja eher ein Einzelkämpfer. Zudem hatten Sie hier nie eine wirklich gute Orgel. Die neue kommt – aber nach Ihrem Weggang. Und das ist tatsächlich der einzige Wermutstropfen. Zehn Jahre lang habe ich daran gearbeitet, dass die neue Orgel kommt, was viel Arbeit und Kraft gekostet hat. Das ist wie ein Kind, das man groß zieht – und jetzt erlebe ich es icht mit. Aber alles zu haben, das geht auch nicht.

Der erste Teil der neuen Orgel soll im Frühjahr 2019 in Form einer Chororgel kommen, die Hauptorgel wird 2020 eingebaut. Der Vertrag mit dem Orgelbauer Mühleisen aus Leonberg ist rechtskräftig, insgesamt kostet das Projekt 2,3 Millionen Euro. In diesem Frühjahr gibt es in Reinoldi eine große Aktion, die das Vorhaben „neue Orgel“ vorstellt. Die alte Orgel ist schon seit langer Zeit „in einem beklagenswerten Zustand“, sagt Kreiskantor Meier-Barth.
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