Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Wagen des Arbeiter-Samariter-Bund erfüllt Wünsche

Wünschewagen für todkranke Menschen

Dortmund Sie erfüllen todkranken Menschen den letzten Wunsch im Leben: Der Arbeiter-Samariter-Bund fährt mit zwei Wagen durchs Land und bringt Sterbende noch einmal ans Meer, ins Fußballstadion oder ins Konzert.

Wünschewagen für todkranke Menschen

Edeltraud Müller, Sandra Müller, Annika Schulze-Aquack, Nazan Aynur, Oliver Buff vom ASB (v. l.) vor dem Wagen. Foto: Oliver Schaper

Der Wünschewagen heißt das vorbildliche Projekt, für das sich 130 ehrenamtliche Helfer aus dem ganzen Land engagieren, darunter auch aus Dortmund. Die meisten von ihnen tun dies neben ihrem Beruf und haben einschlägige Erfahrungen in Pflegeberufen gesammelt. Am Sonntag, 6. Mai, auf dem Stadtfest „Dortbunt“, stellt sich das Projekt vor. Der Wünschewagen steht dann auf dem Hansaplatz.

Donnerstagmorgen fuhr Edeltraud Müller mit einer 85 Jahre alten, schwerst kranken Krebspatientin aus dem Krankenhaus nur kurz in deren Wohnung. Müller dachte unterwegs, die alte Dame würde noch im Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariter-Bundes versterben. Der letzte Wunsch der todkranken Seniorin rührte Edeltraud Müller zu Herzen. Die alte Dame wollte noch ein letztes Mal nach Hause, Dinge regeln, ihr Portemonnaie holen, die Patientenverfügung, einen Pullover. „Wir kamen in einen vorbildlich geordneten Haushalt, den sie nun endgültig verließ. Solche Erlebnisse lehren mich Demut“, sagt Edeltraud Müller.

Noch einmal das Meer sehen

Zwei Wünschebusse des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sind täglich im ganzen Land unterwegs. Ihren Standort haben sie beim ASB Regionalverband Ruhr in Essen. Hospize, Palliativstationen, Kinderkrebsstationen, Angehörige und natürlich Betroffene selbst können einen Wünschebus anfordern.

„Die meisten Menschen wollen tatsächlich noch einmal das Meer sehen“, sagt Nazan Aynur, Leiterin des Projekts. So wie die bisher älteste Patientin. Der ASB fuhr die 102-Jährige nach Holland direkt an den Strand. „Das ist in Holland leichter möglich“, so Aynur. Dort stehen große Rollstühle mit Ballonreifen bereit und sogar Liegerollstühle.“

Wünschewagen für todkranke Menschen

Ein Blick in den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Foto: Oliver Schaper

In einem anderen Fall brachte der ASB eine Mutter Heiligabend zur Bescherung in den Kreis ihrer Familie zurück. Acht Tage später war sie tot. In dem Wagen des Samarariter-Bundes können Sterbenskranke, die nicht mehr sitzen können, transportiert werden. Mindestens zwei Begleiter fahren mit, ehrenamtliche Pflegefachkräfte, die sich um die medizinische Betreuung kümmern.

Einem 92 Jahre alten Piloten, der als Soldat im Kongo Einsätze geflogen war, erfüllten die Samariter den letzten Wunsch, noch einmal über das Ruhrgebiet zu fliegen. Nazan Aynur erzählt, dies sei aber nur möglich gewesen über die Freundschaft eines ASB-Mitglieds zu dem Besitzer einer einmotorigen Maschine. In einem anderen Fall brachte der Wünschewagen einen siebenjährigen, todkranken Jungen mit einem Luftröhrenschnitt zur Beerdigung seiner Schwester.

Projekt soll ausgeweitet werden

Es sind tiefwurzelnde Erlebnisse, die die freiwilligen Helfer des Wünschebus-Projektes aus ihrer Arbeit fürs eigene Leben mitnehmen. Ob sie Angst vor dem Tod habe? „Mal ja, mal nein“, sagt Edeltraud Müller ehrlich zu sich selbst.

Seit 2014 gibt es das Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Bis Ende des Jahres sollen Wünschewagen durch alle Bundesländer rollen. Die Idee dazu stammt aus den Niederlanden. Bisher führte der ASB 350 Fahrten durch in Nordrhein-Westfalen und erfüllte dabei auch viele Wünsche von sterbenden Dortmundern. Eines aber steht ganz klar fest, auch wenn etliche Fahrten schon nach Holland und in die Schweiz führten: „Wir gewähren keine Sterbehilfe“, sagt Nazan Aynur.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

„Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ im Schauspiel

Wer war der beste Hitler?

Dortmund Premiere im Schauspiel: Das Stück „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ verkaspert die Macken selbstverliebter Schauspieler und die deutsche Obsession mit Adolf Hitler.mehr...

BVB-Fanclubs spielten um „Brinkhoffs-Cup“

Viele Fans kamen zur „Südtribünenmeisterschaft“

Dortmund Die Mannschaften von 60 BVB-Fanclubs haben am Sonntag im Stadion Rote Erde um den „Brinkhoffs-Cup“ gespielt. Bei der sogenannten „Südtribünenmeisterschaft“ des Fan-Projekts des BVB traten Fußballfans an, die vielfältiger wohl kaum sein konnten. Nur in einer Sache waren sich dann doch alle einig.mehr...

hzSterben in Dortmund wird auch digital

Wie sich der Tod in Dortmund verändert hat

Dortmund Bis 2039 sterben in Dortmund laut Statistik durchschnittlich 6844 Menschen pro Jahr. Wer heute um die 50 ist, steht vor wichtigen Entscheidungen. Denn der Tod hat sich verändert. Der Tod passt nicht mehr in unseren Alltag – wird aber gleichzeitig viel persönlicher. Bis hin zum QR-Code auf dem Grabstein.mehr...

Deutsche Urauffühung von „Carmina Latina“ bei Klangvokal

Musikalische Reise in die südamerikanische Kolonialzeit

Dortmund Im Rahmen des Festivals „Klangvolkal“ fand am in der Maschinenhalle der Zeche Zollern eine deutsche Uraufführung statt. Mit dem Stück „Carmina Latina“ und Dirigent Leonardo García Alarcón ging es nach Lateinamerika zur Zeit, als die Spanier die „Neue Welt“ eroberten.mehr...

Integrationsbeauftrage in der JVA Dortmund

Integration ist im Haftalltag nicht immer einfach

Dortmund In der JVA treffen viele verschiedene Kulturen aufeinander. Da kann es auch mal zu Reibereien kommen. Das stellt den Arbeitsalltag der Bediensteten vor viele Herausforderungen, gerade in Sachen Integration. Aber es gibt Menschen, die da helfen.mehr...

Fahrdienst auf dem Hauptfriedhof

Friedhofs-Mobil muss wieder auf den Prüfstand

Dortmund Alle zwei Jahre muss die Stadt Dortmund das Geld für einen Senioren-Transportdienst auf dem Hauptfriedhof zusammenkratzen. Das Angebot ist so gut, dass es unbefristet weiterlaufen sollte.mehr...