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Varus-Ausstellung

Landschaftsverband ließ Skelette analysieren

HALTERN Ihren Übermut bezahlten 24 Germanen mit dem Leben. Die Römer verscharrten die kampfeslustigen Eindringlinge im Töpferviertel. 2000 Jahre später nahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Skelett-Teile unter die Lupe.

Landschaftsverband ließ Skelette analysieren

Andreas Weisgerber, Dr. Wolfgang Kirsch und Dr. Rudolf Aßkamp erörtern die Bedeutung der menschlichen Überreste aus dem römischen Töpferofen.

Am Mittwoch stellten LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, Museumsdirektor Dr. Rudolf Aßkamp und Archäologe Andreas Weisgerber die wissenschaftliche Auswertung vor. Eine in München durchgeführte Strontium-Isotopen-Analyse ergab, dass es sich tatsächlich um germanische Krieger im Alter zwischen 20 und 50 Jahre handelt. Die meisten stammten aus der näheren Region, vier hatten hingegen eine weite Reise hinter sich. Sie stammten, wie die Untersuchung des Zahnschmelzes ergab, aus Böhmen oder aus dem Schwarzwald.

Darauf deuten winzige Getreidespuren hin, die sich in den Zähnen ablagerten. „Die Leichen wurden nach dem misslungenen Überfall auf das Halterner Römerlager im Winter 9/10 nach Christus ohne erkennbare Sorgfalt hastig in einen der zehn Töpferöfen geworfen und verscharrt“, erklärte Dr. Rudolf Aßkamp. Die zeitliche Einordnung des Fundes sei zwar nicht ganz sicher, aber die Indizien deuteten darauf hin, dass die Römer nach dem erfolglosen Überraschungsangriff die Leichen respektlos ohne Grabbeigaben entsorgt hätten.

Beim Bau des Römermuseums Anfang der 90er Jahre hatten Archäologen das Töpferviertel unter dem heutigen Parkplatz entdeckt. In einem befanden sich die Skelett-Teile. Der Landschaftsverband lagerte sie zunächst in seinem Münsteraner Depot ein; erst im Herbst 2008 entschloss er sich zur wissenschaftlichen Untersuchung. Sie wird nun in der kommenden Varus-Ausstellung „Imperium“ ab dem 16. Mai in der Seestadthalle präsentiert. Die Analyse lässt noch einen anderen Schluss zu: Bisher ist der 9 nach Christus endende so genannte Haltern-Horizont in der Wissenschaft die Eichmark für alle römischen Funde der augusteischen Zeit in Deutschland. „Wir können jetzt davon ausgehen, dass die Römer das Lager viel später als direkt nach der Varusschlacht aufgegeben haben. Vermutlich erst 16 nach Christus unter Kaiser Tiberius.“

Die alten Knochenreste könnten außerdem dazu beitragen, das bislang ungelöste Rätsel um den Standort des römischen Lagers Aliso zu lösen. „Es gibt keinen 100- prozentigen Beweis, aber Aliso könnte Haltern sein“, sagte Dr. Rudolf Aßkamp. Um den Standort des bei Tacitus erwähnten Lagers, in das sich die Römer auch noch nach der Niederlage in der Varus-Schlacht zurückgezogen hatten, ranken sich seit Jahrzehnten viele Theorien.

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