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Halterner gehen immer noch gerne auf die Kegelbahn

Was zählt, ist der Spaß

HALTERN In den 70er-Jahren kam kaum eine Gaststätte ohne Kegelbahn aus. Kegeln war Trendsportart. Und gesellig obendrein. Aber wie steht´s um die Halterner Hobby-Abräumer in Zeiten von Smartphone und Streaming-Diensten? Wir haben einen munteren Kegelclub besucht.

Was zählt, ist der Spaß

Der Kegelclub „Die Unermüdlichen“ ist seit nunmehr 30 Jahren aktiv. So manche Bahn ließen die Halterner hinter sich – zwangsläufig. Foto: Foto:Ingrid Wielens

Alle vier Wochen treffen sie sich. Seit nunmehr dreißig Jahren. Am 16. Januar 1988 schoben „Die Unermüdlichen“ zum ersten Mal die Kugel auf die Bahn – damals noch in den Veltins-Stuben in Sythen. Die Gaststätte gibt es schon lange nicht mehr. Die Unermüdlichen schon. Weitere Lokale mit Kegelbahnen schlossen. Erst der Sythener Hof, dann das Lokal Drügen Kamp, der Schwan in Haltern, das Crocetta, der Jägerhof in Flaesheim. Nach etlichen Gaststätten-Wechseln frönt der Kegelclub nun seit knapp fünf Jahren in der „Großen Teichsmühle“ in Dülmen seinem Hobby.

Kegelbahnen in Haltern ausgebucht

Kegelbahnen sind rar geworden. „In Haltern haben wir am Wochenende keinen Platz bekommen“, sagt Frank Hessel. Die Gasthäuser, die noch über Kegelbahnen verfügen, sind gerade an den Wochenenden ausgebucht. In der Seestadt wird gerne gekegelt.

Besuch beim Kegelclub „13 gegen Willi“

Ein Stück Heimat auf der Kegelbahn

Dortmund In den 70er-Jahren kam kaum eine Gaststätte ohne Kegelbahn aus. Kegeln war die Trendsportart. Aber wie steht’s heute um die Hobby-Abräumer? In unserem Video geht‘s mit dem Dortmunder Kegelclub „13 gegen Willi“ in die Vollen.mehr...

Samstagabend, 19 Uhr: Der lange Tisch an der Kegelbahn, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat, füllt sich langsam. Frank Hessel zündet eine Kerze an. Jedes Mal. „Sie brennt für einen Kegelbruder, der 2011 verstorben ist“, erklärt Hessel. Er ist Gründungsmitglied und Kegelvater zugleich. „Wir sind aber ein ganz demokratischer Haufen“, meint er. Der Posten des Vorsitzenden werde jährlich reihum gewechselt. Jeder kommt mal dran.

30-jähriges Bestehen wird gefeiert

Das Jubiläumsjahr der Unermüdlichen soll 2018 natürlich gefeiert werden – unter anderem mit einer Radtour und anschließendem Brauhaus-Besuch sowie einem Kegelabend mit allen Ehemaligen, sagt der Kegelvater. Ursprünglich mit 17 Mitgliedern begonnen, sind jetzt noch 13 bei den Unermüdlichen aktiv. Immerhin acht der Gründungsmitglieder sind nach wie vor dabei. Der Club ist gemischt. Ehepaare, Eltern, Singles, Geschiedene. Im Laufe der Jahre hat eben auch hier das Leben seine Spuren hinterlassen. Die Schicksale wurden geteilt. Der Kegelclub blieb bestehen.

Zwischen 50 und 58

Neue Mitglieder zu finden – das war nie ein Problem. Irgendwie gesellte sich immer wieder jemand dazu. „Unser Jüngster“, scherzt Frank Hessel, „wird jetzt 50.“ Der Ehrenpräsident ist erst 58 Jahre alt. Irgendwo dazwischen – rein altersmäßig –liegt der Rest der Gruppe.

Frauen und Männer halten sich in etwa die Waage, sowohl zahlenmäßig als auch hinsichtlich keglerischer Fähigkeiten. Die Königspartie könne jeder kegeln, heißt es einmütig. „Ein bisschen an die Ehre“ geht es den Männern aber doch meistens beim „Kampf der Geschlechter“. Zum Schluss spielen sie gegen die Frauen – „und meistens sind die Frauen stärker“, räumen Frank Hessel und Albert Baringhorst ein. Man nimmt´s gelassen: „Es ist einfach schön, dass wir es erleben dürfen, so lange zusammen zu kegeln.“

Im alten Bahnhof Sythen fing alles an

Dabei kennen sich die meisten Mitglieder sogar schon seit der Grundschule. Als Jugendliche trafen sie sich später bei Willi Middendorf im alten Bahnhof Sythen. Jung und Alt kamen in der Kneipe an den Gleisen zusammen. Hessel: „Das war die einzige Möglichkeit in Sythen.“ Aus der Dorf-Clique wurde ein Sparclub. „Irgendwann waren wir dann zu alt für die Disco und haben den Kegelclub gegründet“, witzelt Albert Baringhorst. Der zweite Vorsitzende wohnt zwar inzwischen in Olfen. Alle vier Wochen aber fährt er zurück in die alte Heimat. Die alten Freunde wiedertreffen. Vier Stunden kegeln. Neue und alte Geschichten erzählen. Ein Bierchen trinken. Und Spaß haben. Baringhorst ist ein fröhlicher Mann. Überhaupt wird auf der Kegelbahn viel gelacht, wenn die Unermüdlichen zusammen sind. „Eigentlich ist das Kegeln Mittel zum Zweck“, gesteht Hessel. „Der Spaß und die Geselligkeit sind das Wichtigste.“ Und es ist ein Stück Heimat.

So kam der Kegelclub „Die Unermüdlichen“ auf seinen Namen

Übrigens: Beim Spiel „Zahlen putzen“ kam der Club auf seinen Namen. Hessel: „Wir waren unermüdlich und hielten uns an einzelnen Bildern bis zu zwei Stunden auf.“ Dieser Kegelclub hat eben Durchhaltevermögen. In jeder Hinsicht.

Die Glanzzeiten des Kegelns sind lange vorbei? Nicht in Haltern. In den wenigen noch verbliebenen Gaststätten mit Kegelbahnen tummeln sich zahlreiche Clubs aller Altersstufen, die in ihrer Freizeit die schweren Kugeln über die Holzbahnen schieben. Aber im Angesicht des demografischen Wandels gibt es durchaus Nachwuchssorgen – ganz besonders bei den Vereinen, die Kegeln als Leistungssport betreiben. Fragen und Antworten zum Thema.

Wie ist die Entwicklung bei den Kegelclubs in Haltern?

In Haltern kann von mangelndem Interesse am Kegeln keine Rede sein. Wer hier am Wochenende auf die Bahn möchte, hat schlechte Karten.

- In Lippramsdorf wären imRestaurant Himmelmann statt der beiden vorhandenen Kegelbahnen am Wochenende auch sechs ausgebucht – so groß ist der Andrang. 50 bis 60 Clubs mit Mitgliedern im Alter zwischen 16 und 88 Jahren kegeln dort regelmäßig, die meisten im Vierwochentakt. Abends ist kein Termin mehr offen.

- So auch im Landgasthaus Zur Freiheit (eine Kegelbahn). Knapp 40 Clubs sind dort gemeldet, die Wartelisten für Kegeltermine sind lang.

- Volles Haus ebenfalls imRestaurant Weseler Tor in Haltern: Eine Kegelbahn steht dort rund 45 Clubs zur Verfügung. Die meisten Clubmitglieder sind zwischen 45 und 65 Jahre alt – „es gibt nicht soviel Nachwuchs“, stellt Inhaber Tomislav Cisic fest.

-Altersmäßig bunt gemischtes Keglerpublikum hat dagegen Bernd Kramer in Reismanns Kegelrestaurant. Gut 40 Clubs sind dort aktiv. Offene Termine gibt es noch dienstags und mittwochs.

- Im Restaurant Syrtaki-Zorbas (eine Bahn) sind die Wochenenden ebenfalls sehr gut besucht.

- „Ein Wochenende mehr“ müsste der Monat nach Auskunft von Peter Booken haben, um Kegelclubs noch freie Termine am Samstag oder Sonntag anbieten zu können. Von ursprünglich fünf Kegelbahnen in Sythen gibt es nur noch die eine im Lindenhof. Rund 30 Clubs nutzen sie.

Gibt es überhaupt einen Mitgliederschwund bei Keglern?

„Um das einordnen zu können, muss man zwischen dem Vereinssport Kegeln und dem Gesellschaftskegeln trennen“, wie Uwe Veltrup, Marketingreferent des Deutschen Kegel- und Bowlingbunds (DKB), meint. Sportkegler in Deutschland sind in 17 Landesverbänden (Baden-Würtemberg hat drei Verbände) organisiert, die sich wiederum in vier Disziplinsparten (je nach Bahntyp und Spielsystem) unterteilen. Sie alle sind unter dem Dach des DKB beheimatet. Bundesweit gab es 1992 noch 181.451 Sportkegler im DKB, 2017 waren es hingegen nur noch 78.066.

In Nordrhein-Westfalen sind die Kegelsportler im Westdeutschen Kegel- und Bowlingverband (WKV) organisiert. Aktuell hat der WKV 4075 Mitglieder, 1992 waren es 14.137. Wie viele aktive Kegelclubs es in NRW gibt, ist nicht statistisch erfasst, da Gesellschaftskegler nicht in Verbänden organisiert sind.

Warum haben die Kegelsportler so massiv Mitglieder verloren?

Laut DKB-Chef Uwe Oldenburg verliere man bei den Sportkeglern bundeweit pro Jahr zwischen drei bis fünf Prozent der Mitglieder. Die Ursachen dafür sind vielfältig, weiß Uwe Veltrup. „In den Städten ist heute das Freizeitangebot so vielfältig, das Freizeitverhalten weniger traditionell, so dass es Vereine mit oft konservativen Strukturen deutlich schwieriger haben, um bei jungen Leuten anzukommen“. Sportkegler und Gesellschaftskegler gleichermaßen litten zudem unter dem fortschreitenden Verlust von Kegelbahnen.

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