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Grabungen mit Blick in den Kaninchen-Bau

Archäologen auf Spurensuche in Nienborg

Die archäologischen Ausgrabungen hinter der Weberei Cramer an der Eper Straße haben begonnen. Etliche Fundstücke sind dabei zu Tage gekommen.

Nienborg

von Rupert Joemann

, 13.06.2018
Grabungen mit Blick in den Kaninchen-Bau

Den Markierungszettel des Pfostens eines alten Speichers kontrolliert Tamara Diekmann. © Rupert Joemann

Von Weitem sieht die Fläche aus, als hätte der Wind wahllos Zettel durch die Gegend geweht. In Wirklichkeit sind es in Plastikfolien verstaute Papierstücke, die mit jeweils einem Nagel im Boden befestigt sind. So markieren Christopher Hentzelt und Tamara Diekmann Stellen, die sie später genauer untersuchen wollen. In dieser Woche haben die archäologischen Ausgrabungen hinter der Weberei Cramer an der Eper Straße begonnen.

In kleinen Pappschachteln haben Christopher Hentzelt, Archäologe und Grabungstechniker, sowie Tamara Diekmann, Dokumentatorin und Technikerin Geologietechnik, die ersten Fundstücke, kleine Eisenkeramik-Fragmente, verstaut.

Siedlungsfunde

„Die gehen in die LWL-Restaurationswerkstätten und werden dann in einer Datenbank ausgewertet“, erklärt Hentzelt den nächsten Schritt. Eine genaue zeitliche Einordnung ist vor Ort nicht möglich. Jedoch schätzt der Archäologe die Fundstücke ganz grob auf die Zeit um 800 vor Christus bis zur Zeitenwende. Letztlich erwarten die Verantwortlichen weitere Siedlungsfunde.

Bevor Hentzelt und Diekmann nach Stücken aus der Vergangenheit suchen können, hat ein Bagger zunächst die Erde in einem ersten Grabungsfeld abgetragen. Zunächst den Mutterboden, dann den Zwischenboden. Der ist zwar ähnlich wie der Mutterboden, jedoch nicht so humushaltig. Der Baggerfahrer versucht, möglichst genau die Kante zwischen Zwischenboden und der darunter liegenden Sandschicht freizulegen. Dort werden dann durch Verfärbungen eventuelle Fundstellen sichtbar, die mit Nägeln und Zetteln markiert werden.

Mit moderner Technik

Die Fachleute übertragen die Fundorte mit moderner Technik als zentimetergenaue GPS-Punkte in ein Computerprogramm. „So können wir einen vollständigen Grabungsplan erstellen“, sagt Christopher Hentzelt.

Entdeckt haben die beiden schon einen Pfostenspeicher. An vier, jeweils rund zwei Meter im Rechteck auseinanderliegenden Stellen sind große, dunkle Flächen zu sehen. „Die Anordnung zeigt, dass das nicht natürlichen Ursprungs ist“, sagt Tamara Diekmann. Die Speicher wurden auf Pfosten über dem Boden erhöht gebaut. „Als Schutz vor Nagetieren und Bodenfeuchtigkeit“, erklärt Diekmann.

Hoffnung auf viele Funde

Die verfärbten Flächen werden durch einen Querschnitt halbiert. Auf einer der Querschnittsseiten tragen sie mit Schaufel oder Kelle den Sand ab. Dabei hoffen sie auf möglichst viele Fundstücke. Ob sie noch Holzreste des Speichers finden, ist eher unwahrscheinlich. Durch den trockenen Sand, der auf der Fläche liegt, ist das Holz über die mehr als zwei Jahrtausende verwittert.

Im vorderen Grabungsbereich zeichnet sich im Sand eine lang gezogene, dunkle Fläche ab. „Das ist ein kleiner Tiergang“, sagt Christopher Hentzelt. Möglicherweise der eines Kaninchens. Auch den wollen sie sich anschauen. Schließlich können in dem vom Tier in den Gang hereingetragenen Mutterboden auch noch Scherben zu finden sein.