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Josef Bellerich bekommt Auszeichnung des Landes NRW für sein ehrenamtliches Engagement

Verdienstorden

Josef Bellerich aus Heek (86) bekam am Montag den Verdienstorden des Landes NRW verliehen. Ein Aspekt beschäftige ihn dabei vor der Verleihung besonders.

Heek/Düsseldorf

von Till Meyer

, 02.07.2018
Josef Bellerich bekommt Auszeichnung des Landes NRW für sein ehrenamtliches Engagement

Josef Bellerich (r.), hier mit Karl-Heinz Dydak, bekam am Montag feierlich den Verdienstorden des Landes NRW verliehen. © Ronny von Wangenheim

Menschen ehrenamtlich helfen, die dringend Hilfe benötigen. Etwas, das Josef Bellerich voller Überzeugung tut. Und das bereits seit vielen Jahrzehnten. „Es ist schön, den Menschen, die Hilfe benötigen, etwas zu geben, denn man bekommt so viel zurück“, sagt der 86-Jährige.

Und vor gut drei Jahren erweiterte Bellerich, zunächst in Zusammenarbeit mit seinem Bruder, sein ohnehin schon großes ehrenamtliches Arbeitsspektrum. Das jüngste Projekt: eine Fahrradwerkstatt für den Arbeitskreis „Flüchtlingshilfe Heek“. Die Kernaufgaben: defekte Fahrräder reparieren und gespendete Fahrräder wiederherrichten – ehrenamtlich und für Flüchtlinge. Diese können den Service für einen symbolisch kleinen Preis nutzen.

Die Gemeinde habe ihn, so Bellerich, 2015 angesprochen und angefragt, ob er sich dieses Engagement vorstellen könne. Hintergrund: Bellerich ist gelernter Landmaschinenmechaniker und besitzt darum das entsprechende technische Wissen, um auch Räder wieder schnell herrichten zu können. „Da mussten wir nicht lange überlegen. Die Idee war einfach super“, so Bellerich.

Fahrradwerkstatt in der heimischen Garage

In den Anfängen hätte sie, so der 86-Jährige, die Reparaturen noch in der heimischen Garage durchgeführt. „Zu Beginn waren es ja noch recht weniger Räder.“ Das hat sich mittlerweile geändert. „Jetzt nutzen wir einen Gemeinderaum als Werkstatt.“ Jeden Mittwoch, von 15 bis 18 Uhr, hat die Werkstatt geöffnet. „An Arbeitsstunden kann man aber sicherlich das Doppelte rechnen“, so Bellerich. Die für die Werkstatt notwendigen Utensilien habe er aus eigener Tasche angeschafft.

Und auch wenn Josef Bellerich mittlerweile die Leitung aus gesundheitlichen Gründen an Karl-Heinz Dydak abgegeben hat, das Schrauben an den Rädern lässt ihn nicht los. „Technische Dinge mache ich nach wie vor.“

Das Fahrradprojekt ist aber nur die Spitze dessen, wofür Bellerich nun den Verdienstorden des Landes NRW verliehen bekam. So engagierte sich der heute 86-Jährige von 1970 bis 1980 aktiv bei der Kolpingsfamilie Heek, arbeitet seit vielen Jahren in der ambulanten Hospizgruppe Heiliges Kreuz Heek und führte für den Flüchtlingskreis Heek zahlreiche Fahrdienste durch.

Überraschendes Zeichen der Anerkennung

Die Auszeichnung selbst, so berichtet Bellerich im Gespräch mit unserer Redaktion, sei für ihn völlig überraschend gekommen. „Ich habe davon selbst erst vor drei Wochen erfahren. Aber das ist natürlich eine tolle Sache.“

Der Verdienstorden wird an ehrenamtlich aktive Bürger verliehen, die außerordentliche Verdienste für die Allgemeinheit erworben haben. So steht es auf der Internetseite der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Dabei ist der Orden ein Zeichen der Anerkennung. Zugleich ist die Anzahl der Landesordensträgerinnen und -träger auf 2500 lebende Personen begrenzt. Verliehen wird der Verdienstorden durch den Ministerpräsidenten in einer Feierstunde.

Josef Bellerich bekam seinen Orden im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf vom amtierenden Ministerpräsidenten Armin Laschet überreicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion vor der Übergabe sagte der 86-Jährige: „Die Vorfreude ist riesig, aber noch weiß ich gar nicht, was genau ich bei der Preisverleihung sagen soll.“

Lächeln reicht als Belohnung

Ohnehin habe er, so betont Bellerich, nie auf dieses Ziel hingearbeitet. „Ich möchte doch einfach nur etwas helfen. Wenn ich dann sehe, dass die Menschen, denen ich helfen konnte, lächeln, bin ich glücklich.“ Er könne sich, sagt Bellerich, zudem sehr gut in die Lage der Flüchtlinge hineinversetzten und mitfühlen.

Denn: „Ich weiß, wie es ist, fliehen zu müssen. 1945 bin ich mit meiner Mutter und meinen vier Geschwistern aus der Provinz Posen nach Mecklenburg-Vorpommern geflohen“, berichtet Bellerich. Später sei er dann als 15-Jähriger alleine weiter nach Nordkirchen gezogen. „Ich war damals ja auch über jede Hilfe dankbar. Ich gebe jetzt also praktisch nur etwas zurück“, so der 86-Jährige.