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Kirstin Hater nimmt Senioren die Einsamkeit

Senioren

Arztbesuche, Einkäufe und die tägliche Post sind Aufgaben, die Senioren mit der Zeit schwerer fallen. Hier unterstützt Kirstin Hater sie und nimmt ihnen so auch ein wenig die Einsamkeit.

Kirchhellen

06.07.2018
Kirstin Hater nimmt Senioren die Einsamkeit

Kirstin Hater (r.) unterstützt Gertrud Breuer (l.) in ihrem Alltag. © Alina Meyer

Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem Kirstin Hater ihrem bisherigen Berufsleben endgültig ein Ende gesetzt und sich selbstständig gemacht hat. „Das ist nicht einfach, dafür muss man mutig sein“, sagt die 46-Jährige heute. Kirstin Hater hat Groß- und Außenhandelskauffrau gelernt und war über zwölf Jahre lang als Vorstandssekretärin bei der GLS Bank in Bochum tätig.

„Dann kam diese Sinneskrise, die jeder mal durchlebt. Ich hab mich gefragt, ob der Beruf das ist, was mich erfüllt oder ob es da nicht noch mehr gibt – und das gab es.“ Kirstin Hater war schon mal selbstständig mit einem Büroservice in Essen. Dort traf sie auf einen Kunden, der ihr Leben noch einmal gehörig auf den Kopf stellte. „Der Kunde fragte mich, ob ich ihm nicht bei seinen Abrechnungen und der Büroarbeit helfen kann. Seine Frau sei dement geworden und würde es nicht mehr schaffen“, sagt Kirstin Hater.

Für die Klienten wie eine Privatsekretärin

Die Kirchhellenerin überlegte nicht lang und nahm die neue Herausforderung an. Alle 14 Tage stattete sie dem Kunden einen Besuch ab und ging mit ihm die Post durch. Sie beglich im Auftrag des Kunden Rechnungen, beantwortete Briefe und reichte Rechnungen an die private Krankenversicherung ein. „Ich war sozusagen seine Privatsekretärin und habe gemerkt, dass mir das viel Spaß macht.“

Kirstin Hater nimmt Senioren die Einsamkeit

Auch wenn Gertrud Breuer fit ist und alleine ins Auto einsteigen kann, steht ihr Kirstin Hater unterstützend zur Seite. © Alina Meyer

Also machte Kirstin Hater Nägel mit Köpfen und ließ sich in 160 Stunden zur Seniorenassistentin nach dem Plöner Modell ausbilden. „Das war auch für mich ein großer Schritt, wieder zurück in die Selbstständigkeit zu gehen, aber es war das Richtige.“ Nach der Ausbildung folgte das Anerkennungsverfahren bei der Stadt Bottrop. „Das war für mich eine Herausforderung, weil ich drei Monate auf den Antrag warten musste. Da hing ich dann ein bisschen in der Schwebe und hab mich gefragt, ob und wie es denn nun weitergeht.

Doch es ging weiter. Bald war der Antrag genehmigt, und Kirstin Hater die erste Seniorenassistentin in Kirchhellen. Zwei weitere Seniorenassistenten gibt es noch in Bottrop. Seit März dieses Jahres ist Kirstin Hater selbstständig und betreut mittlerweile sechs Klienten. „Ich stehe mit meinem Kundenstamm noch ganz am Anfang und bin noch nicht ausgelastet. Das ändert sich hoffentlich bald. Ich möchte mich gerne hier am Ort etablieren.“

Netzwerkarbeit als Werbemittel

Dass Kirstin Hater sich selbstständig gemacht hat, hat sich in Kirchhellen schnell herumgesprochen. „Ich hatte schnell drei Bewerbungen auf dem Tisch von Leuten, die mir zuarbeiten wollten. Doch dafür habe ich momentan noch keine Kapazitäten.“ Die 46-Jährige leistet viel Netzwerkarbeit, um Senioren auf ihre Dienste aufmerksam zu machen.

Eine ihrer Klientinnen ist Gertrud Breuer. Die lebensfrohe 87-Jährige wird seit März von Kirstin Hater betreut. „Kirstin Hater unterstützt mich bei allem, was mir wichtig ist, auch bei der Planung meines 88. Geburtstags im September. Da haben wir gleich noch einen Termin“, erzählt Gertrud Breuer in ihrer Wohnung ganz aufgeregt. Kirstin Hater spricht mit den Mitarbeitern des Cafés, in dem gefeiert werden soll, lädt die Gäste ein und druckt die Liederhefte aus. Auch wenn sich die beiden erst seit wenigen Monaten kennen, wirken sie vertraut miteinander – wie Freundinnen.

Tochterersatz, Problemlöser und Gesellschafterin

„Selbstverständlich baut man immer auch eine enge Bindung zu den Klienten auf. Man muss sich gegenseitig vertrauen können, sonst funktioniert das Zusammenspiel nicht“, sagt die Kirchhellenerin. Auch wenn sich Kirstin Hater offiziell Seniorenassistentin nennen darf, weiß sie, dass mehr hinter dem Beruf steht: „Ich bin nicht nur die Privatsekretärin. Ich bin manchmal auch Tochterersatz, Problemlöser oder eine Gesellschafterin, die zugehört. Das gehört alles dazu und mit jedem neuen Klienten kommt eine neue Aufgabe auf mich zu.“

Bezahlt wird Kirstin Hater von dem Entlastungsgeld, das die zu Betreuenden ab Pflegegrad Eins mit dem „Antrag auf Entlastungsleistungen“ beantragen können. Als zweite Möglichkeit können ihre Dienste auch über die sogenannte Verhinderungspflege abgerechnet werden, die genau wie im ersten Fall bei der Kranken- und Pflegekasse eingereicht werden kann. Es muss aber nicht zwingend ein Pflegegrad vorliegen.

Nach Feierabend im Schrebergarten

Kirstin Hater hat keine festen Arbeitszeiten. Trotzdem ist irgendwann auch mal Feierabend. „Dann sitze ich am liebsten in meinem Schrebergarten und mache Garten- und Gemüsearbeit.

Die Seniorenassistentin Kirstin Hater ist unter der Handynummer 0173/718 96 97 zu erreichen. Weitere Informationen gibt es hier auf der Internetseite.