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Blaues Wunder in der Manege

Legden Niclas traut der Sache nicht. Der Reifen, auf dem er steht, ist gerade einmal so breit wie sein Daumen, wackelt beträchtlich und schwebt zu allem Überfluss auch noch in der Luft. Und da soll er jetzt einen Arm ausstrecken?

Blaues Wunder in der Manege

<p>Wer hätte das vor zwei Tagen gedacht? Hoch zur blauen Kuppel des Zirkuszelts schweben die Artisten. MLZ Fotos Lüttich-Gür</p>

Jessica, die Zirkuslehrerin. drängt den Neunjährigen nicht. Sie wartet sie, hält den Reifen fest und lächelt ins Publikum - so, als ob das Zögern des Jungen zur Nummer gehört. Plötzlich lösen sich Niklas Finger der rechten Hand, die sich gerade noch krampfartig um das Metall gekrallt haben. Langsam tasten sie zitternd durch das Nichts und verharren kurz, um genauso schnell wieder zurück zu schnellen in den sicheren Griff. Geschafft. Jessica lässt den Ring nach unten schweben. Niclas steigt ab und strahlt.

Noch nicht fertig. "Jetzt verbeugen", weist ihn die junge Frau an und macht selbst einen tiefen Knicks. Das Publikum - Niclas' Mitschüler - jubelt. Dass der Reifen nur einen knappen halben Meter hoch kam - wenig später wird er sich mehr als zwei Meter hoch über alle Köpfe erheben - stört niemanden.

Seit Anfang der Woche haben die 274 Brigidengrundschüler ihre Klassenräume gegen das blaue Zirkuszelt eingetauscht und gehen bei Jessica und den übrigen Mitgliedern des Familienbetriebs in die Schule: Manege statt Mathe, Dressur statt Grammatik. Nein, Lehrer sind die Mitglieder der Casselli-Familie nicht. Und sind sie doch: "Seit sieben Generationen geben wir unser Wissen an die Jüngeren", so Zirkusdirektor Aloys. Seit zehn Jahren auch an Schulkinder. Was die dabei lernen können? Ein Blick zu Niclas gibt die Antwort: Der Junge strahlt immer noch. "Selbstbewusstsein und die Erfahrung, dass man mehr kann als man selbst glaubt." sy-

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