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Ende nach 197.000 Kilometern - und vielen Erlebnissen

Tschüss, Fiesta!

Es ist WM und da fängt man einen Text doch am besten mit Fußball an – auch wenn es eigentlich ums Ende geht. Genauer: Ums Ende meines Autos. Noch genauer: Ums Ende meines Ford Fiesta, Baujahr 2004.

Lünen

24.06.2018
Ende nach 197.000 Kilometern - und vielen Erlebnissen

Kurz vorm Ende. Die 197.000 Kilometer sieht man ihm kaum an. © Fröhling

Zum Start aber erstmal Michael Ballack. Dem haftete nach seiner aktiven Karriere vor allem ein Label an: „Der Unvollendete“. Zehn Jahre und 98 Länderspiele mit der deutschen Nationalmannschaft, immer starke Leistungen. 2010 der Schock. Ein brutales Foul von Kevin Prince-Boateng in der englischen Premier League leitete das Ende ein. Die aktive Karriere war vorbei, der große Erfolg ausgeblieben. Kein großer Titel für Michael Ballack. Tragisch.

Und ungefähr so geht es jetzt auch meinem schwarzen Ford Fiesta, deswegen passt der Fußball-Einstieg auch. Ich würde jetzt gerne den Namen des Wagens nennen. Wer sein Auto lange fährt, der hat oft einen Namen für sein Auto. Hans. Oder Flipper. In der Schweiz ist wohl auch „Baby“ beliebt. Irgendwie hat sich bei mir und dem Fiesta aber nie ein Name aufgedrängt.

Böses Foul

Der Fiesta also hat mich die vergangenen 13 Jahre begleitet, länger sogar als Michael Ballack die deutsche Nationalmannschaft. Aber wie bei Ballack kam das Ende abrupt. Ein Bremsschaden war schließlich zu viel, böses Foul. Die Reparatur überstieg den Wert des Wagens. Zu Ende der Traum von den 200.000 Kilometern. Auch er bleibt unvollendet.

Wie Ballack ist der Fiesta in all den Jahren viel gelaufen, meist ohne zu murren und wenn doch, dann waren es immer nur Kleinigkeiten. Der Fiesta war mein erstes Auto und hatte erst 16.000 Kilometer gelaufen, als ich das erste Mal einstieg. 2005 war das. Jetzt sind es knapp 197.000 Kilometer. Und dabei wird es wohl bleiben.

Dass das Ende naht, war klar. Die Familie wächst nämlich bald. Und für die neuen Anforderungen ist der Fiesta einfach zu klein. Dass es jetzt so schnell ging, war trotzdem überraschend.

Alle zwei Wochen nach Belgien

Ungerecht eigentlich, wenn man bedenkt, dass ohne den Fiesta vielleicht überhaupt keine Familie da wäre. Ich habe ihn gekauft, da war ich gerade 18. Es war die Zeit, in der ich meiner jetzigen Frau näher gekommen bin. Mit dem Fiesta habe ich sie abgeholt, ins Café oder ins Kino. In ihm sind wir am Ende des Abends manchmal noch ein bisschen sitzen geblieben. Mit ihm bin ich später alle zwei Wochen die 350 Kilometer bis nach Belgien gefahren, als meine Frau dort ihr FSJ machte, ich aber in der Region blieb. Die Strecke kann ich noch heute auswendig.

Der Fiesta hat mich zum Studieren nach Marburg gebracht, zum Master nach Essen, außerdem ins Auslandssemester bis an die Pyrenäen, ans Meer und nach Spanien gebracht. In ihm sind wir nach Korsika gefahren, in die Berge, wo wir uns ein paar Monate auf einer Farm um Esel gekümmert haben. Die Straßen dort haben ihm so zugesetzt, dass er auf der Rückfahrt schon ab 60 Stundenkilometern stark nach rechts wegdriftete. Die Fahrt war lang. Angekommen sind wir trotzdem.

Tschüss, Fiesta!

Am Ende passten 13 Jahre in zwei kleine Tüten. Eine mit Sachen, die ich noch brauche. Eine mit Müll. Der Fiesta ist jetzt weg. Kilometerstand: 197.019. Und er wird wohl der Unvollendete bleiben. Beim Autohändler wartet für ihn keine Karriere im Fernsehen, kein Ausruhen auf den Millionen wie bei Michael Ballack. Der Fiesta ist alt, er ist kaputt. Ihn erwartet jetzt wohl die Schrottpresse. Tschüss!