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Lüner kommen mit viel Kondition zu ersten Fahrstunden

Führerschein durch Handauflegen

Lünen Justin Krätzig und Lena Wohlleben haben über 40 Stunden Hand an ein Auto angelegt – und deshalb bald einen Führerschein.

Führerschein durch Handauflegen

Schon ein bisschen müde wirken hier die Teilnehmer; unter ihnen die späteren Sieger Justin Kätzig (2.v.l.) und Lena Wohlleben. (2.v.r.). Foto: Fahrschule

Bisher haben Justin Krätzig und Lena Wohlleben keinen Führerschein. Denn der kostet. Als sie dann von der Fahrschule Europa den Aufruf zu diesem Wettbewerb sehen, sind der 19-Jährige und die 20-Jährige ohne groß zu überlegen dabei. Zu verlockend der erste Preis: 1500 Euro von der Fahrschule.

Das bringt einen Führerschein zumindest in Reichweite. Die Aufgabe: So lange wie es geht, mit der Hand ans Auto packen. Ohne Pause wohlgemerkt.

Über 100 Bewerbungen

Klingt ein bisschen verrückt, kam aber an: „Über 100 Bewerbungen gingen ein“, erzählt Öner Aytekin von der Fahrschule, 20 wählte er aus, 17 Kandidaten zwischen 17 und 26 Jahren traten an und liefen an diesem Samstag Ende März in Lünen-Süd in der Fahrschul-Filiale auf.

An diesem Samstagmorgen um 10 Uhr sind auch Justus Krätzig und Lena Wohlleben dabei. Niemand hat da geahnt, wie lange sie dort stehen würden: Es wird bis Montagmorgen gegen 7 Uhr dauern. Wie man sich auf einen solchen Marathon ohne Essen und Toilette vorbereitet?

Lena lacht im Nachhinein über die Frage. „Gar nicht. Am Abend vorher habe ich noch gegrillt.“ Hat sie morgens noch was gegessen? „Ja, holländischen Pudding, Schoko mit Vanille.“ Musste sie nicht aufs Klo? „Nein“.

Selbst als alles zu Ende war, ist nicht sie die erste, die zur Toilette geht, sondern Justin Krätzig.

Duo bis zum Schluss

Der 19-Jährige ist der letzte, der mit ihr noch immer an diesem Montagmorgen am Auto steht. Niemand will weichen, so kurz vor dem Ziel. Der 19-Jährige aus Brambauer beginnt im August eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel. Geld für einen Führerschein hat er bisher nicht. Und es hätte wohl auch noch ein bisschen gedauert, „obwohl ich immer mal was zurückgelegt habe“.

Hat er zwischendurch mal daran gedacht, aufzuhören? „Ja, öfter“ gibt er am Freitag bei der Preisverleihung zu. Aber immer wieder, wenn einer aufgibt (die Erste nach fünf Stunden), ist er wieder motiviert. Nur Lena, die geht nicht.

Nachrichten von Freunden und „gute Musik mit ordentlich Wums“ halten ihn wach. „Und ich bin immer ein paar Schritte vor und zurück gegangen“. Später ist das kaum mehr möglich, nach 30 Stunden werden die Bedingungen härter, Anlehnen ist zum Beispiel nicht mehr erlaubt. „Ich hatte so mit 15 Stunden gerechnet“, erzählt Öner Aytekin, der abgesehen von „zwei, drei Stunden Schlaf und ein paar Fahrstunden“ immer dabei war.

150 Milliliter Wasser und Zwieback

Justins Vorbereitung – 150 Milliliter Wasser in kleinen Schlucken und drei Zwiebacke über die Tage verteilt – erweist sich als gut. Und so stehen sie weiter mit Ball und Hand am Auto. Am Ende ist Justin drei Kilo leichter. Unterdessen verselbstständigt sich die Werbeaktion, die im Netz zu verfolgen ist: Aus den ursprünglich vier Sponsoren sind – angestachelt vom Durchhaltevermögen der jungen Leute – so viele geworden, dass Aytekin am Freitag die genaue Zahl gar nicht nenen kann. Irgendwann legt das Autohaus Trompeter stolze 950 Euro drauf.

Verhandlungen führen zum Ende

Irgendwann entschließen sich Justin und Lena, zu verhandeln. Sie können nicht mehr, aber Aufgeben kurz vor dem Ziel ist auch keine Option. Schließlich einigen sich die beiden: Die 950 Euro werden zum zweiten Preis erklärt (ursprünglich ein Friseurgutschein) und die Fahrschule legt weitere 500 Euro drauf. Die 50 Euro Differenz zum ersten Preis werden geteilt. Alle zählen bis drei, und der Spuk ist vorbei. Die Fahrschule beginnt nächste Woche.

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