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Als die Deutsche Mark nach Olfen kam

Währungsreform 1948

Ein Geschichtsheft über die Währungsreform von 1948 hat Bernhard Wilms zum Jubiläum eben jener Reform geschrieben.. Hört sich erstmal trocken an. Doch, dass das Thema durchaus Spaß macht, zeigt Wilms bei einem Hausbesuch.

Olfen

von Sabine Geschwinder

, 15.06.2018
Als die Deutsche Mark nach Olfen kam

Bernhard Wilms vom Heimatverein Olfen hat ein Geschichtsheft über die Währungsreform im Jahr 1948 erstellt. Dafür hat er viel Material gesammelt. © Sabine Geschwinder

Eine kleine Preisfrage: „Kennen Sie den Umrechnungskurs von Mark in Euro?“, will Bernhard Wilms von der Reporterin wissen. Sie verneint. „Kennen Sie den etwa?“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Natürlich“, sagt Bernhard Wilms. „1,95583“. Er muss dafür auf kein Blatt Papier schauen. Beim Thema Geld und Währung ist die Leidenschaft von Bernhard Wilms entfacht. Wieso ihn das Thema so interessiert? Der 83-Jährige hat eine Banklehre absolviert, dann Bankbetriebslehre studiert und künftige Bänker an den Berufsbildenden Schulen in Lüdinghausen unterrichtet. Deshalb weiß er auch die Sache mit dem Umrechnungskurs. „Das musste ich wissen“, sagt Wilms.

Spaß an Geldgeschichte

Nun hat das Mitglied des Olfener Heimatvereins ein Geschichtsheft herausgebracht, das ab kommender Woche im Heimathaus in Olfen erhältlich sein soll. Es ist im Arbeitskreis Heimatgeschichte des Heimatvereins entstanden und ist der Geldreform von 1948 gewidmet. Denn jene Geldreform, als die Reichsmark von der Deutschen Mark abgelöst wurde, jährt sich am 20. Juni zum 70. Mal.

Es geht allerdings nicht nur um diese eine Währungsreform. Wilms stellt in seiner Arbeit auch Grundsätzliches vor: Welche Aufgabe Geld hat zum Beispiel oder wie der Vertrag von Maastricht den Weg zum Euro bereitet hat. Dieser Schwenk macht auch gleich klar: Zwar ist der Aufhänger die Geldreform aus dem Jahr 1948, doch auch die Zeit davor, während des Ersten Weltkriegs zum Beispiel, und die Zeit danach – mit dem Euro – haben Einzug in seine Arbeit gefunden. „Es ist gedacht für diejenigen, die sich über Geld und Währung informieren und humorvoll mehr darüber lernen möchten“, sagt Wilms.

Der Olfener Bezug

Das Projekt liegt ihm am Herzen. „Das ist mein letztes Werk“, sagt der bald 84-Jährige. Das Material dafür hat er aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Er hat mit Zeitzeugen gesprochen, war in der Bundesbank in Frankfurt und hat aus privaten Quellen gesammelt.

Und was ist mit dem Olfener Bezug? Der kommt bei den Zeitzeugen und Aufzeichnungen aus dem Archiv ins Spiel. So zitiert er zum Beispiel den Olfener Pfarrer August Dirking, der über den Preisverfall während des Ersten Weltkriegs zu berichten weiß. In der Chronik der Pfarrgemeinde St. Vitus sind dessen Aufzeichnungen festgehalten: So schreibt Dirking über die Kriegsfolgen im Jahr 1915, also ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs:

„Für die Nahrungsmittel waren Höchstpreise festgesetzt.“ So kosteten 500 Gramm Butter demnach bis zu 25 Mark, ein Ei kostete 50 bis 80 Pfennig. Bernhard Wilms ordnet die Zahlen ein: „Vorher kostete ein Ei nur 2 Pfennig“, weiß er zu berichten.

Noch größer ist der Verfall zu Zeiten der Inflation und während des Zweiten Weltkriegs, als immer mehr Geld gedruckt und die Währung immer wertloser wird.

Als die Deutsche Mark nach Olfen kam

Ganz schön viel Geld liegt bei Bernhard Wilms rum. Jedenfalls theoretisch. Denn selbst die Milliarde Reichsmark war am Ende nicht mehr viel wert. © Sabine Geschwinder

Geldausgabe in Olfen

Doch zurück zum Hauptthema: Reichsmark, Rentenmark und Alliierte Militärmark werden im Juni 1948 von der Deutschen Mark abgelöst. Jeder Einwohner erhält direkt 60 Deutsche Mark. 40 davon direkt, 20 weitere Mark erst später. Ausgegeben wurde das Geld von Beamten der jeweiligen Gemeinde. So war es auch in Olfen. „Da das vorhandene Personal der Verwaltung nicht ausreichte, wurden zusätzliche ortsansässige Lehrer verpflichtet“, erinnern sich drei Zeitzeugen, die für die Geldausgabe in Olfen im Jahr 1948 verantwortlich waren. Bernhard Wilms hat vor 20 Jahren mit ihnen darüber gesprochen. Inzwischen sind alle drei verstorben. Ihre Namen: Wilhelm Kablitz, Wilhelm Holtmann und Josef Bruxkämper.

Kablitz und Bruxkämper waren Angestellte der Stadt Olfen. Bruxkämper hatte später auch den Posten des Kämmerers der Stadt inne. Holtmann war zur damaligen Zeit Lehramtswärter in Olfen, also Referendar. An einem Samstag, 19. Juni 1948, erhielt das Olfener Amt den Zeitzeugen zufolge von der zuständigen britischen Militärregierung die Information darüber, dass die neue Währung einen Tag später in Olfen ausgegeben werden würde.

Die Verantwortlichen für die Ausgabe trafen sich am Sonntag eine Stunde vor Beginn der Ausgabe im Amtshaus zu einer Besprechung, „gleichzeitig bildeten sich lange Schlangen vor dem Amtshaus“, erinnern sich die Zeitzeugen. Die Olfener Bürger erhielten ihre 40 Deutschen Mark. Doch trotz Schlangen: Es blieb friedlich. Dabei hätte man sich auch Aufruhr vorstellen können: Der damals tätige Polizeimeister Wannach „durfte an diesem Tag eine Pistole tragen, genehmigt durch die britische Militärregierung wegen eines eventuellen Überfalls“, schilderten die Zeitzeugen. „Stolz wie ein General marschierte er mit strenger Amtsmiene [...] durch die Flure der Verwaltung.“

Amüsante Geschichte

Und wie war das noch gleich mit dem Humor, den Bernhard Wilms versprochen hatte: „Ein ganz Frommer [...] deponierte am Tage der Währungsreform ein Kuvert ohne Absender mit 10 Hundertreichsmarkscheinen hinter der Kommunionbank in der Vituskirche“, steht in dem Zeitzeugenbericht. Der damalige Pfarrer quittierte den Fund freudlos: „Der liebe Gott hält es mit den Sparkassen, Reichsmark nimmt er auch nicht mehr an“, rief er demnach  – und so beförderte er das Geld in den Papierkorb.