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Elisabeth Schwane ist tot

Erle trauert um seine älteste Bürgerin

Erle Im Alter von 97 Jahren ist am Karfreitag Dr. Elisabeth Schwane, Erles älteste Bürgerin, verstorben. Die ehemalige Gymnasiallehrerin war in Erle eine bekannte und beliebte Persönlichkeit, die Geschichte als Zeitzeugin erlebt und vermittelt hat.

Erle trauert um seine älteste Bürgerin

Dr. Elisabeth Schwane im Jahr 2015 Foto: Petra Bosse

1939 legte sie bei den Ursulinen in Dorsten das Abitur ab. „Ich habe zwei Jahre gebettelt, um auf diese Schule zu kommen“, sagte Schwane in der Erinnerung. Dem Nationalsozialismus stand sie ablehnend gegenüber, musste sich sogar gegenüber einem NS-Parteigericht wegen ihrer Aussage „Die Nazis haben doch gar keine Kultur“ verantworten.

Doktortitel

Als in Erle eine Ortsgruppe des „Bundes deutscher Mädel“, eine NS-Jugendorganisation, aufgebaut werden sollte, zog sie ins Internat der Ursulinen nach Dorsten. 1940 begann sie mit dem Studium (Deutsch und Geschichte) in Münster und erwarb ihren Doktortitel 1944 in Marburg.

Während des Studiums musste Schwane zum Arbeitseinsatz nach Königsberg – als Deutschlehrerin für deutsche Umsiedler. Das Elend im jüdischen Ghetto in Lodz konnte sie mit eigenen Augen sehen. Diese Erfahrungen teilte sie bewusst mit Schülern, denen sie sich als Zeitzeugin zur Verfügung stellte.

Nach ihrer Arbeit als Lehrerin an einem Dortmunder Gymnasium kehrte sie nach Erle zurück. Bei der Gründung des Heimatvereins Erle (1988) gehörte sie zu den Frauen der ersten Stunde, war vier Jahre Schriftführerin. Ihr besonderes Interesse galt der Pflege des Plattdeutschen in Wort und Schrift, der Lokalgeschichte und Brauchtumspflege.

Von Schwane in Erler Platt verfasste Texte wurden auf Heimatabenden vorgetragen, auf CD aufgenommen und sind zu lesen im 2007 vom Heimatverein herausgegebenen Geschichtenbuch „Querbeet“. Die Plattdeutsch-AG mit Erler Schülerinnen und Schülern führte viele Märchen auf, die Schwane auf Platt übersetzt hatte.

„Schreckliche Situation“


Schwane wirkte auch mit bei der Herausgabe von Schriften des Heimatvereins. Ganz überwiegend ihr Werk ist das Buch „Erle 1945“ über das Kriegsende in Erle, das sie hautnah miterlebte. „Es war eine schreckliche Situation bei uns. Mein Elternhaus war voll von Soldaten und für mich gab es kaum einen Platz und ich musste immer erst fragen, wenn ich ins Haus wollte. Dennoch waren die Amis im großen und ganzen freundlicher als die Engländer“.

Schwane war eine engagierte und unverzichtbare Mitarbeiterin in der Fotogruppe des Heimatvereins, den „Koffieköppkes“, die Fotos aus den Jahren 1920 bis 1970 gesichtet, Personen und Orte identifiziert und katalogisiert hat. Vor allem geschätzt wurde Schwane aber als offener, humorvoller und hilfsbereiter Mensch.

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