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Landwirte sollen das Wild beim Mähen nicht einkreisen

Gefahr für Rehkitze und Bodenbrüter

Raesfeld Rehkitze und Bodenbrüter leben derzeit in Gefahr. Denn wegen des schönen Wetters mähen viele Landwirte gerade ihre Wiesen. Doch mit einfachen Verhaltensregeln können Wild-Unfälle vermieden werden.

Gefahr für Rehkitze und Bodenbrüter

Der Raesfelder Landwirt Henrik Wilger mäht seine Wiese von innen nach außen. Um etwa Rehkitzen oder Bodenbrütern die Gelegenheit zu geben, zu flüchten, ist am Mähwerk auch noch ein laut piepsendes Gerät angebracht. Foto: Foto: Berthold Fehmer

Ludger Schulze Beiering hat vor einigen Jahren selbst erlebt, wie ein Rehkitz unter seinem Trecker starb. „Das ist nicht schön“, sagt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands Borken. „Man vergisst es nie wieder“, pflichtet die Raesfelder Lohnunternehmerin Maria Nagel bei.

Wild bleibt in Deckung

„Das Thema ist uns als Kreisverwaltung sehr wichtig“, sagte Landrat Kai Zwicker am Freitag auf dem Hof der Familie Nagel. Denn die Mähzeit im Mai und Juni sei gleichzeitig die Zeit, in der die Kitze zur Welt kommen. Beim Mähen seien heute „die Geschwindigkeit höher als früher und die Mähwerke größer“, so Zwicker. Bis zu zehn Meter Breite sei bei Mähwerken möglich, so Nagel. Wenn beim Mähen die Wiesen von außen nach innen gemäht würden, bleibe das Wild so lange wie möglich in der vermeintlich sicheren Deckung, sagt Zwicker. Bis es womöglich zu spät ist.

Kordula Blickmann, Leiterin des Fachbereichs Natur und Umwelt beim Kreis, sagt, dass man immer wieder Hinweise erhalte, dass Landwirte von außen nach innen mähten. Dies sei eine Ordnungswidrigkeit, für die man im vergangenen Jahr auch Geldbußen von bis zu 60 Euro verhängt habe. Mehr sei durchaus möglich. „Wir wollen aber informieren und nicht im Nachhinein bestrafen“.

Roland Schulte, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, bittet die Landwirte darum, vor dem Mähen ihre Jagdpächter zu informieren. So könnten diese dann die Wiesen absuchen und das Wild vergrämen, also von den Wiesen treiben. Maria Nagel, selbst Jägerin, kann das nur unterstützen. „Schließlich bezahlen wir ja auch unsere Pacht.“ Auch könne man Luftballons aufhängen oder Radios aufstellen, um das Wild „rauszudrängen“, so Schulte.

„Fangt an der Straße an!“

Maria Nagel kennt als Lohnunternehmerin die Möglichkeiten, beim Mähen Wildunfällen vorzubeugen. Von innen nach außen zu mähen sei eine Möglichkeit, allerdings nicht auf jeder Wiese. „An den Bundesstraßen sage ich den Fahrern immer: ,Fangt an der Straße an!’“ Wenn man von einer zur anderen Seite mähe, könne das Wild flüchten. Mit der Methode, von innen nach außen zu mähen, täten sich viele Landwirte schwer, sagt sie aus Erfahrung. Zudem habe ihr Unternehmen sechs „Pieper“ angeschafft, „die wir kostenlos verleihen“. Geräte, die beim Mähen ein hochfrequentes Piepsen von sich geben und so das Wild vertreiben.

Dies sei auch im eigenen Interesse der Landwirte, sagt Schulze Beiering. Einem Kollegen sei etwa ein Fuchs in die Silage geraten, ohne dass dies jemand bemerkt habe – der Kadaver habe die Silage vergiftet. Deshalb lautet sein Appell: „Wir müssen alle zusammenarbeiten, dann kann es gelingen.“ Die meisten seiner Berufskollegen seien für das Thema bereits sensibilisiert, aber es gebe immer Ausnahmen. „Da steckt kein böser Wille dahinter“, so Schulze Beiering, sondern Gewohnheit oder Unwissenheit.

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