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Raesfeld soll zum Erlebnisort werden

Rucksack mit Hängematte und Pinseln

Raesfeld „Ich wollte aus dem Ort einen Lern- oder Erfahrungsort machen.“ Diese Idee treibt Dirk Nießing seit rund zwei Jahren um. Er erarbeitete ein Konzept, das er „mein Baby“ nennt. Jetzt macht der Nachwuchs erste Schritte.

Rucksack mit Hängematte und Pinseln

Dirk Nießing (l.) und Reinhard Nießing zeigen den Erlebnisrucksack, der Becherlupen, eine Hängematte und viel mehr enthält und ab Samstag in der Gastronomie „Freiheit 24“ am Schloss Raesfeld ausgeliehen werden kann. Foto: Foto: Berthold Fehmer

Raesfeld Erlebnis – das nachhaltige Kultur- und Naturprogramm für Raesfeld/Erle“ heißt das Ergebnis, das unter www.raesfeld-erlebnis.de angesehen werden kann und sich an Einheimische und Touristen richtet. „Kein Event-Konzept“ hat Nießing geplant, sondern will Werte, Nachhaltigkeit, Kultur, Natur und altes Wissen verknüpfen. „Wer hierher kommt, geht nicht dümmer nach Hause“, sagt Nießing.

Nießing hat sich dafür „Erlebnis-Bereiter“ im Ort gesucht. Die Gastronomie Nießing am Schloss, die Höfe Preen’s Hoff und Stegerhoff, die Akademie des Handwerks, Uschi und Walter Großewilde, Gut Böckenhoff, die Naturerlebnisschule, der Heimatverein Raesfeld sowie Uli Meyering zählen dazu. Sie nehmen Einheimische und Auswärtige „an die Hand“, damit sie etwas Besonderes erleben können.

Wie sieht das in der Praxis aus? Drei Erlebnis-Wege werden angeboten. „Auf eigene Faust“ sind Angebote, die man mit Familie und Freunden unmittelbar wahrnehmen könne, sagt Nießing. Das ist derzeit der bereits vorher bestehende 300 Meter lange Spargel-Lehrpfad vom Gut Böckenhoff bis zu Adelheids Spargelhaus in Erle. Neu ist die Familien-Expedition durch den Schlosswald mit dem Raesfeld-Erlebnis-Rucksack.

Rucksack

Den Rucksack, den Nießing konzipiert hat, kann man ab Samstag in der Gastronomie „Freiheit 24“ am Schloss für 10 Euro ausleihen. Darin enthalten ist eine Karte mit der Route, die Wegpunkte zeigt, an denen man Aufgaben erledigt oder Bewegungsspiele machen kann. Für Frühjahr, Sommer und den Herbst wird der Rucksack immer anders bestückt. „Damit es nie langweilig wird“, so Nießing. Wenn man den Rucksack untersucht, findet man Schlaufen und eine zusammengefaltete Hängematte: „Die kann man an Bäumen aufhängen, sich darauf legen und in die Baumkronen blicken“, so Nießing. Becherlupen kann man nutzen, um Insekten genau zu untersuchen. Und wofür sind die Pinsel? „Um die Insekten vorsichtig anzuheben“, sagt Nießing. Etwa drei Stunden dauert diese Tour.

Der zweite „Erlebnis-Weg“ trägt den Titel „Abgemacht“. Dabei handelt es sich um ein Jahresprogramm, für dessen Termine man sich als Einzelperson anmelden kann. „Vogel-Hochzeit“ heißt ein Angebot von Heimatverein und Naturerlebnisschule am 14. und 15. April (Samstag und Sonntag). Die Teilnehmer lernen am Samstag im Werkraum des Heimatvereins, wie man Nistkästen baut, wobei eine Landschaftsökologin und Ornithologin über die einheimischen Singvögel informiert. Am Sonntag geht es bereits um 6.30 Uhr in den Tiergarten zur Vogel-Exkursion, wo die Teilnehmer das Gezwitscher der Vögel aus nächster Nähe erleben können.

Unter dem Stichwort „Abgemacht“ gibt es viele weitere Angebote: Einen Weidenflechtkurs, Einführungen ins Spargelstechen, Märchenabende im Verlies des Sterndeuterturms oder unter der Erler Femeiche oder den Kurs „Auf Messers Schneide“, bei dem man in der Schmiede der Akademie des Handwerks die Schmiedekunst erlernen kann. „Bierlaune“ heißt ein Bierbrau-Kurs, der Kurs „Vom Feld ins Glas“ hingegen lehrt am Hof Stegerhoff, wie man Marmelade macht. „Alles neue Angebote“, betont Nießing.

Lagerfeuer-Liederabend

„Unter uns“ heißt der dritte Erlebnis-Weg, der sich an Gruppen richtet. Berufliche oder freizeitliche Gruppen können etwa beim Angebot „Rund ums Feuer“ lernen, wie man vom Funkenflug bis zum gebackenen Stockbrot kommt. Oder einen Lagerfeuer-Liederabend mit einem Gitarristen buchen.

„Bei den Gesprächen mit den Anbietern sind uns viele andere Ideen gekommen“, sagt Nießing, „die man jetzt antreiben und realisieren muss.“ Sein Ziel sei nicht, auf der Internetseite „alles abzubilden, was Raesfeld kann“, aber er möchte die Zahl der Partner weiter erhöhen. Bei der Umsetzung sollen „Weg-Begleiter“ helfen, die die Nachhaltigkeits-Idee ideell, finanziell oder aktiv unterstützen können. Nießing schwebt unter anderem ein niedriger Jahresbeitrag vor, der zu Rabatten bei den Angeboten berechtigen könnte. Eine „wertevolle Gemeinschaft von Akteuren“ will Nießing gründen. „Das soll hier eine Macher-Gemeinschaft sein.“

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