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Bahnweichen werden in Schwerte zusammengebaut

Bei Eisenbahnschwellen ist noch Handarbeit gefragt

Schwerte Hohe Kräne, mächtige Schwellenstapel. Am verlassenen Ende der alten Ladestraße am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße in Schwerte tut sich was. Die Bahn verrät, was sie dort vorhat.

Bei Eisenbahnschwellen ist noch Handarbeit gefragt

Beim Weichenbau auf dem Platz am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße ist noch Handarbeit gefragt. Die Teile werden aus Witten geliefert. Foto: Reinhard Schmitz

Die Armmuskeln der Männer in den orangenen Latzhosen sind gespannt. Volle Körperkraft verlangen ihre gut einen Meter hohen Steckschlüssel, mit denen sie daumendicke Stahlschrauben tiefer und tiefer in Eisenbahnschwellen aus Beton eindrehen. Sicheren Halt müssen die später den Schienen geben, über die ICE-Züge, S-Bahnen oder Gütertransporte rollen werden. Und zwar an den besonders beanspruchten Stellen im Streckennetz der Republik, wo Weichen das Wechseln von einem Gleis aufs andere ermöglichen.

Weichenbauplatz am Bahnhof Schwerte

Weil für viele Baustellen ein erhöhter Bedarf an Weichen besteht, hat die Deutsche Bahn am Ende der Margot-Röttger-Straße einen Montageplatz für die Schienen-Abzweigungen angelegt.
Beim Weichenbau am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße ist auch noch Handarbeit gefragt.
Im Doppelpack schleppt ein Zwei-Wege-Kran die schweren Betonschwellen zum Einbau heran.
Handarbeit ist das Eindrehen der Gleisschrauben auf den Betonschwellen.
An den Haken von zwei großen Mobilkränen schweben die fertig montierten Weichenelemente zum Versand auf bereitgestellte Flachwagen.
Verwunschen wirkt am Rande des Weichenbauplatzes die alte Wellblechbude der früheren Gleiswaage der Bahn.
Vom DB-Weichenwerk in Witten werden die Bauteile angeliefert.
Die fertig montierten Weichen werden auf bereitgestellte Flachwagen verladen.
Auf Flachwagen holt die Deutsche Bahn die fertig montierten Weichen vom Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße ab.
In Handarbeit werden die Gleisschrauben in die Betonschwellen eingedreht, nachdem die Schiene aufgelegt und an die richtige Position gebracht ist.
Weichen lässt die Deutsche Bahn auf einem Freiluft-Bauplatz am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße montieren, weil der Bedarf derzeit sehr groß ist. Die Einzelteile werden aus Witten angeliefert.

Zu beobachten ist der Zusammenbau der Weichen am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße – unter freiem Himmel. Hinter der alten Güterhalle, direkt neben der Ziegelmauer zum Hoesch-Werk, hat die Bahn seit Jahresbeginn ein Stück der alten Ladestraße als Montageplatz reaktiviert. „Die DB Netz AG hat in den kommenden zwei Jahren einen überdurchschnittlich hohen Bedarf an komplett montierten Weichen, zum Beispiel für den Umbau der Strecke Hannover-Würzburg“, erklärt ein Bahnsprecher (Düsseldorf). Deswegen würden in Schwerte Bauteile, die im DB-eigenen Weichenwerk in Witten vorgefertigt werden, auf Originalschwellen montiert.

Bagger schleppt Bahnschwellen heran

In Reih´ und Glied und in exakten Abständen ausgelegt sind die Schwellen auf dem Untergrund, der mit feinem Schotter planiert worden ist. Jeweils im Doppelpack schleppt ein gelber Zwei-Wege-Bagger die Schwergewichte heran. Sogenannte Langschwellen, auf denen im Abzweigungsbereich gleich beide Schienen ruhen, bringen gut und gerne an die 500 Kilogramm auf die Waage. Je nach Einsatzzweck werden aber auch Schwellen aus Holz, Stahl oder sogar Plastik verarbeitet – letztere vorwiegend für den Bereich von Brücken.

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Alles muss passen, wenn die Schienenstücke aufgelegt werden. Farbmarkierungen am Eisen geben ganz genau die Stellen vor, wo später die dicken Schrauben in die Schwellen eingedreht werden müssen. In großen Holzkisten liegen weitere Bauteile wie die Elektroantriebe bereit, mit denen später die Weichenzungen gestellt werden. Alles muss vorschriftsmäßig zusammengebaut werden. Sonst gäbe es später keine Abnahme.

Weichen auf Flachwagen verladen

Die Weichen, die im Hintergrund auf einen Güterzug verladen werden, haben diese Prüfung offensichtlich schon erfolgreich überstanden. Zwei mächtige Autokrane einer Privatfirma hieven die fertigen Segmente auf bereitstehende Flachwagen. Ist einer voll, hupt die gelbe Bauzuglok und schiebt den nächsten in den Schwenkbereich des Teleskop-Auslegers. Offensichtlich ist diese Fuhre für den Raum Bremen bestimmt. Das verraten jedenfalls die Aufschriften auf den Transportzetteln, die wie eh und je in kleinen Gitterkästen an der Waggonwand eingeklemmt sind.

Für diesen Transport reichen normale, vierachsige Flachwaggons. Für besonders breite Weichen verfügt die Bahn aber auch über Spezialkonstruktionen, wie ein Bahnsprecher berichtet. Nach dem Verladen lasse sich dort der Boden um 15 Grad schräg stellen, so dass die Weichenteile nicht mehr so weit zur Seite herausragen: „Dann kann man fast überall an Signalen und Masten vorbeifahren.“ Und unter der elektrischen Oberleitung passe der Transport natürlich auch noch gut hindurch.

Weichenumbau geht schneller

Dass die Weichen schließlich in komplett montiertem Zustand und genau zum benötigten Termin an ihrer Einbaustelle eintreffen, hat für die Bahn gleich mehrere Vorteile. Die Sperrpausen für den Weichenumbau könnten minimiert werden und das Nachbargleis sei schneller wieder befahrbar, berichtet der Bahnsprecher. Außerdem seien vor Ort keine Vormontageplätze neben dem Gleis mehr nötig.

Der Weichenbau an der Margot-Röttger-Rath-Straße ist von der Bahn nur als vorübergehende Lösung gedacht. Irgendwie steht er aber auch in der Tradition des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerkes in Schwerte-Ost. Dessen letzte Mitarbeiter waren nach der Schließung im Jahre 1987 von der damaligen Bundesbahn ins Weichenwerk Witten versetzt worden.

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