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Wie Hoesch vor 150 Jahren nach Schwerte kam

Die Eisenbahn brachte die Stahlschmelze und damit viele Jobs

Schwerte Die Eisenbahn gab den Ausschlag. Vor 150 Jahren wurde der Grundstein für das Profilwerk an der Eisenindustriestraße gelegt. Historiker Dr. Andreas Acktun hat noch mehr herausgefunden.

Die Eisenbahn brachte die Stahlschmelze und damit viele Jobs

Viele Schlote qualmen auf dieser Ansicht aus dem Jahre 1888 über dem heutigen Hoesch-Werk. Foto: Repro: Dr. Andreas Acktun

Die Baugenehmigung wurde gar nicht abgewartet. Mit dem Einmauern einer Urkunde wurde vor 150 Jahren, am 2. April 1868, der Grundstein für das heutige Hoesch-Profilwerk an der Eisenindustriestraße gelegt. Es entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt, der in Hochzeiten – um 1880 und noch einmal um 1970 – jeweils 1600 Jobs bot.

Wo genau auf dem stadtteilgroßen Gelände die Grundsteinlegung gefeiert wurde, konnte der Historiker Dr. Andreas Acktun, der die Werksgeschichte erforscht, nicht herausfinden. „Auch auf den ältesten Zeichnungen war dazu nichts vermerkt“, berichtet er. Aber fest steht: Erst vier Tage später, am 6. April 1868, genehmigte der Magistrat die Errichtung des Puddelwerks, der damaligen Form der Stahlschmelze, in der Nähe der ein Jahr zuvor eröffneten Eisenbahn Hagen-Unna. Bauherr war die Firma Kissing & Schmöle, die 1745 in Menden am Fluss Hönne gegründet worden war. „Aufgrund der steigenden Produktion gab es Schwierigkeiten mit der Versorgung von Rohmaterialien und dem Versand von Fertigmaterialien, da Menden nur über schlechte Straßen mit Pferdefuhrwerken angefahren werden konnte“, weiß Dr. Acktun. Außerdem seien die Holzkohlen-Mengen für immer mehr Dampfmaschinen nicht mehr kostengünstig zu beschaffen gewesen.

Die Eisenbahn brachte die Lösung

Die Lösung für alle Transportprobleme sah die Geschäftsführung, als Pläne für eine Eisenbahn Köln-Minden über Schwerte bekannt wurden. Im Jahre 1865 – so erforschte Dr. Acktun – wurde beschlossen, an der Gleistrasse in Schwerte ein Zweigwerk zu gründen. Dadurch wurde es möglich, Steinkohle als Brennmaterial zu beschaffen.

1867 begann man mit dem Erwerb der Grundstücke und schon am 16. Dezember 1868 wurde die Produktion von „Stahl-Luppen“ aufgenommen. So hießen die Klumpen aus den Puddelöfen, die mit Dampfhämmern zu großen Blöcken geformt wurden. Daraus entstanden anschließend Walzdraht und Formeisen.

Ausbau und Umbau

Am 1. August 1872 wurde aus der Firma eine Aktiengesellschaft („Eisen-Industrie zu Menden und Schwerte AG“). Nachdem sich das neue Zweigwerk positiv entwickelt hatte, zog auch die Geschäftsführung 1874 nach Schwerte um. Der Stammbetrieb in Menden wurde 1885 wegen seiner Standortnachteile geschlossen, so Dr. Acktun. In der Ruhrstadt dagegen wurde ausgebaut: mit einer Drahtzieherei (1885), einer Drahtstiftefabrik zur Nagelherstellung (1888) und einem Siemens-Martin-Stahlwerk (1890).

Diese Anlagen blieben bestehen, bis sich die Geschäftsführung 1926 aufgrund der damaligen Marktentwicklungen entschied, sich auf warmgewalzte und blankgezogene Stahlprofile zu konzentrieren. Die heutige Hoesch Schwerter Profile GmbH ist also seit mehr als 90 Jahren ein reines Spezialprofilwerk. Dort arbeiten derzeit rund 400 Beschäftigte, im in die Firma Hoesch Schwerter Extruded Profiles eingebrachten Presswerk weitere rund 100. „Es ist viel automatisiert und mechanisiert“, sagt Dr. Acktun im Vergleich zur Vergangenheit. Beispielsweise ließen sich manche Maschinen, an denen früher einmal acht oder neun Leute standen, mittlerweile von zwei oder drei Mitarbeitern bedienen.


Dr. Andreas Acktun arbeitet weiterhin an der Geschichte des Schwerter Hoesch-Werks und sucht dafür Informationen, Dokumente und Bilder aus der Zeit vor 1945. Besonders interessiert ihn der Einsatz von Frauen und Kriegsgefangenen im 1. und 2. Weltkrieg sowie die Geschichte der betrieblichen Mitbestimmung (Betriebsrat) von 1917 bis 1960. Er ist erreichbar unter Tel. 106633 oder per E-Mail: Andreas.Acktun@hoesch-profile.com

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