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Grundschule Ergste nach Sperrung wieder geöffnet

Schulbetrieb mit Brandwachen

Ergste Der Schulbetrieb in Ergste wurde gestern wieder aufgenommen. Die Stadt droht der Stahlbaufirma, die nicht rechtzeitig fertig wurde Schadensersatz an. Dabei hat sie sich selbst in die Terminfalle getrieben.

Schulbetrieb mit Brandwachen

Die Schwerter Feuerwehr nutzte den außergewöhnlichen Einsatz in der Schule für ein Transparent mit Eigenwerbung. Foto: Foto: Manuela Schwerte

Mit Brandwachen in der Schule begann am Mittwochmorgen der erste Schultag nach der kurzfristigen Sperrung der Grundschule in Ergste. Wegen fehlender Geländer an den Brandschutztürmen hatte die Bauaufsicht der Schule am Montagmorgen die Abnahme verweigert. Am Dienstag fiel der Unterricht daraufhin aus, am Mittwoch fand er unter Aufsicht der Feuerwehr statt.

Keine Dauerlösung

Eine Dauerlösung kann und soll das nicht sein. Der städtische Rechtsrat Carsten Morgenthal erklärte am Mittwoch: „Wir haben die Stahlbaufirma schriftlich aufgefordert, die Arbeit im Laufe dieser Woche fertigzustellen.“ Die Verträge seien überprüft worden, das Unternehmen, das die Rettungstürme gebaut hat, sei in Zeitverzug. „Wir haben auch Schadensersatz angedroht“, so Morgenthal.

Warum war der Umzug so dringend?

Warum musste die Schule so Hals über Kopf umziehen? Noch am Wochenende hatten auch Mitarbeiter der Firma Sieberg, die für den Rohbau und die Sanierungsarbeiten zuständig war, Möbel geschleppt, um einen pünktlichen Umzug zu gewährleisten. Ja, es gibt Anschlusstermine, bestätigte Morgenthal auf Anfrage. Denn bereits in der kommenden Woche sollen Teile des Gebäudes der alten Grundschule in einen Kindergarten umgebaut werden. Und auch der wird dringend gebraucht, da die Stadt gesetzlich zur Bereitstellung der Betreuungsplätze verpflichtet ist. Das Jugendheim, das ebenfalls die Schule verlassen musste, zieht bereits derzeit um.

Eltern befürchteten Probleme

Eltern hatten die Probleme im Vorfeld befürchtet. Björn Wienforth, sein Sohn geht auf die Grundschule: „Ich habe unseren Junior morgens zur Schule gebracht und mir das Treiben angeguckt.“ Überrascht war er nicht, dass noch Bauarbeiter im Einsatz waren und dass letztlich die Bauabnahme nicht geklappt hat. Während der gesamten Bauphase hatte der Ergster, der selbst Bauingenieur ist und regelmäßig für das Prozessmanagement auf Baustellen verantwortlich ist, den Eindruck, passend zum anvisierten Umzugstermin könne es nicht klappen, alles fertigzustellen.

Mängel beim Brandschutz der Grundschule Ergste

Unterricht findet wieder statt - Mängel noch nicht behoben

Ergste Am Montag der Umzug in das neue Schulgebäude, am Dienstag die Sperrung wegen Brandschutzmängeln – bei der Grundschule in Schwerte-Ergste ging es hoch her. Am Mittwoch wird der Unterricht stattfinden, auch wenn die Mängel nicht behoben sind. So soll die Sicherheit der Schüler trotzdem gewährleistet werden.mehr...

Auch den Fußweg durchs Gelände habe man ja nicht rechtzeitig fertig bekommen. „Man konnte schon vor vierzehn Tagen absehen, dass es nicht rechtzeitig klappt. Für mich ist es unfassbar, dass man den Umzug auf Biegen und Brechen durchgezogen hat. Der alte Standort hätte ja noch bis zum Sommer gut funktioniert.“ Generell kritisiert er auch, dass der gesamte Bau- und Umzugsprozess nicht transparent gestaltet worden sei. „Man konnte bei Infoterminen keine Fragen stellen, bzw. bekam keine klaren Antworten, das war alles undurchsichtig.“ Er betont aber auch: „Die Schulleitung kann nichts dafür!“

Böse Anrufe beim Bauunternehmer

Mit vielen bösen Anrufen musste Tim Sieberg kämpfen. Der Bauunternehmer war für die Pflasterarbeiten und den Rohbau zuständig. „Wir haben unsere Gewerke pünktlich abgeliefert“, betont er. Dennoch war die Ergster Firma in den Augen vieler mit der Haftung. Das lag vermutlich auch daran, dass die Transparente von Siebergbau gut sichtbar an der Baustellen hängen. Am Mittwochnachmittag stellte sich dann auch die Stadt vor ihren Auftragnehmer und gab per Pressemitteilung bekannt, dass es sich bei Siebergbau nicht um die Firma handeln würde, die für die Fluchttürme verantwortlich sei.

Reaktion der Politik

Von den Ratsparteien meldete sich die SPD bereits am Dienstagnachmittag zu Wort. Sie stellte die Frage, warum die Bauabnahme für den ersten Schultag angesetzt war und erinnerte daran, dass dies nicht der erste Schulbau sei, bei dem Fristen und Kosten nicht eingehalten wurden. Die Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder forderte die Einrichtung eines Geschäfts-Prozessmanagements, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen und ein qualitätsorientiertes Arbeiten sicher gestellt werde. Dies sei insbesondere auch vor dem Hintergrund der Renovierung des Rathauses wichtig, so Schröder.

Ärger über Schulweg

Ärger gab es am nunmehr zweiten Schultag auch über den neuen Schulweg. Denn ausgerechnet in der unübersichtlichen Einmündung Offerbachstraße/Letmather Straße stand ein Baucontainer. Auf Elternbeschwerden wurde nicht nur der Container entfernt.

„Wir haben neben den Baken, die dort standen auch Schranken aufgestellt, um den Kindern einen sicheren Schulweg zu garantieren“, so Carsten Morgenthal. Die SEG erneuere dort den Gehweg. Man habe nicht nur die Bauarbeiter sensibilisiert, sondern wolle auch am Donnerstag mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes vor Ort sein, um den Schulweg an dieser Stelle zu überwachen.

Umzugsentscheidung gegen den Willen der Eltern

Mit hauchdünner Mehrheit beschloss der Rat der Stadt am 22. Februar 2016 den Umzug der Grundschule Ergste aus dem Unterdorf ins Oberdorf. Damit wollten die Befürworter der Lösung sparen.

Denn die ehemalige Schule an der Ruhr Am Derkmannsstück galt als die modernere Immobilie. Mit dem Ende der Förderschulen hatte man dieses Gebäude wieder zur Verfügung. Der Beschluss wurde gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern gefasst. 81,7 Prozent der Eltern hatten bei einer Umfrage gegen den Umzug votiert. Und er erfüllte auch nicht wirklich die Forderungen der Gutachter des Schulentwicklungsplans. Die wollten zwar auch, dass die Ergster Grundschule in das Gebäude Am Derkmannsstück umzieht, allerdings gemeinsam mit der Grundschule in Villigst künftig eine Einheit südlich der Ruhr bildet.

Die damals veranschlagten Umbaukosten von 1,7 Millionen Euro erhöhten sich während der Bauphase auf 2,46 Millionen Euro, ob das die Schlussrechnung ist, muss sich noch zeigen. Vor allem der Brandschutz, zu dem ja auch die Fluchttreppen gehören, die jetzt bemängelt wurden, ging ins Budget. Hinzu kamen Baumängel am Gebäude, feuchte Kellerräume, die Prognose steigender Schülerzahlen und auch eine Reihe von Sonderwünschen, mit denen man die wenig begeisterte Schulpflegschaft ködern wollte.

Und auch die Terminplanung zog sich immer weiter hin. Denn eigentlich war das Ende der Sommerferien 2017 als fester Umzugstermin eingeplant. Als man feststellte, das dieser Termin nicht zu halten war, schwenkte man auf das Ende der Herbstferien um. Als klar wurde, dass dies auch nicht klappen würde, verlegte man den Termin auf das Ende der Osterferien.

Die Rettungstürme waren bereits im Herbst als ein Problemfeld ausgemacht. Es gab keinen Bieter, der ein Angebot für ein Wärmedämm-Verbundsystem im Bereich der neuen Rettungstürme machen wollte. Die Stadt suchte sich selbst einen Auftragnehmer, hatte aber naturgemäß nicht viel Verhandlungsspielraum bei den Verträgen. Das Verbundsystem wurde erst im Winter erstellt. Die Rettungstürme mussten warten. Dann kam die Frostperiode und die Arbeiten verzögerten sich weiter.

Die alte Grundschule im Unterdorf soll künftig unter anderem einen Bürgertreff beheimaten. Außerdem zieht ein Kindergarten in die ehemaligen Räume des Jugendtreffs ein. Der erhält genau wie die AWO, der Heimatverein und ein Seniorentreff Räume im ehemaligen Schulgebäude. 400000 Euro hat man dafür bereits in den Haushalt eingestellt. Ein Vorhaben, das von den Gegnern des Schulumzugs kritisiert wurde. So fragte sich Dieter Reichwald, Fraktionschef der Linken, was denn aus der Sparidee geworden sei, wenn man in beide Gebäude kräftig investiere.hm

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