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Sitzungssaal bis Oktober gesperrt

Schwerter Rathaus ist ein Sanierungsfall

Eigentlich sollte das historische Rathaus zügig repariert werden. Doch daraus wird wohl nichts. Jetzt soll der Rat zumindest einen Notfallplan beschließen.

Schwerte

von Heiko Mühlbauer

, 14.06.2018
Sitzungssaal bis Oktober gesperrt

Statt umfangreich saniert wird das Rathaus zunächst nur notdürftig ausgebessert. © Foto: Bernd Paulitschke

Ein marodes Dach, Wasserflecken an der Decke, Putz, der von den Wänden fällt – das Schwerter Rathaus ist schon seit Jahren kein Schmuckstück mehr. Bereits seit Dezember ist der Ratssaal im Rathaus gesperrt, der Rat der Stadt tagt in der neuen Aula des Friedrich-Bährens-Gymnasiums. Und das wird mindestens bis Oktober so bleiben, auch wenn die Stadt jetzt zumindest Notreparaturen plant. Eine umfassende Sanierung ist derzeit nicht in Sicht, auch weil das Geld dafür fehlt.

Ursprünglich wollte der Rat einen großen Teil der Bundeszuschüsse, die 2015 an die ärmsten Kommunen der Republik verteilt wurden, für die Sanierung des Rathauses nutzen. Die war damals schon mehr als notwendig, doch schnell stellte sich raus, dass die insgesamt 1,8 Millionen Euro vom Bund nicht im Ansatz für die notwendigen Reparaturen und Ausbauarbeiten am 1914 eröffneten Rathaus reichen. Schnell sprach man von 11 Millionen Euro, die man für Brandschutz und Sanierung ausgeben müsse. Und das nur für die „kleine Variante“. Um das denkmalgeschützte Gebäude mit einer modernen Infrastruktur auszustatten, müsste man erheblich mehr Geld in die Hand nehmen. Von 23 Millionen Euro ist die Rede. Geld, das die Stadt aus ihrem normalen Haushalt nicht stemmen kann.

Kein Zuschuss vom Land

Und die Hoffnung, Landeszuschüsse zu erhalten, zerschlug sich. Der von der rot-grünen Landesregierung ins Leben gerufene Fördertopf für Rathaussanierungen ist vielfach überzeichnet. Die Schwerter waren schlicht zu spät dran. Und die neue Landesregierung will kein weiteres Geld für diesen Zweck nachschießen. Also müssen alternative Finanzierungsmodelle her. Wie die aussehen sollen, ist unklar.

In einer Vorlage für den Rat will die Verwaltung sich jetzt zumindest Geld freistellen lassen, um Sicherungsarbeiten am Dach vorzunehmen. Gleichzeitig soll ein externer Architekt das Sanierungsprojekt begleiten und die extra dafür vom Rat gegründete Projektgruppe unterstützen.

Diesen doppelten Sicherungsmechanismus wollten die Ratsmitglieder einziehen, um nicht wieder am Ende vor einem unerwartet hohen Kostenberg zu stehen. Schließlich hatten Neubauten die Stadt in jüngerer Vergangenheit stets deutlich mehr gekostet als ursprünglich geplant. So kostete die Sanierung der Gesamtschule statt 5,4 Millionen am Ende 7,5 Millionen Euro.

Externe Kostenkontrolle

Doch die Kostenkontrolle hat auch ihren Preis: Immerhin 410.000 Euro, so die Kostenschätzung der Bauverwaltung, müsse man für eine externe Baubegleitung auf den Tisch legen.

Da macht sich die Beseitigung der aktuellen Baumängel preislich eher klein aus. 190.000 Euro kosten die Notmaßnahmen an Ratssaal und Decke, so der Kostenvoranschlag, der auch schon eine Reserve für Unvorhergesehenes erhält.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte sich Putz von der Decke des Ratssaals gelöst, der daraufhin gesperrt wurde. Dem maroden Dach habe aber dann der Sturm Friederike im Januar den Rest gegeben, erläutert Stadtsprecher Carsten Morgenthal. Neben dem Ratssaal sind auch zwei benachbarte Amtsstuben betroffen. Die Ratsausschüsse zogen in einen kleinen Konferenzsaal im Anbau des Rathauses um, der Rat selbst tagt seitdem in der frisch renovierten Aula des Friedrich-Bährens-Gymnasiums.

Schwerte wuchs um die Jahrhundertwende durch die Industrialisierung rasant an, sodass schon bald ein neues Rathaus benötigt wurde. Einen Architektur-Wettbewerb für ein neues Rathaus gewann der erst 27-jährige Carl Hermann Josef Schmitz aus Mönchengladbach. Das Rathaus blieb nicht sein einziges Gebäude in der Ruhrstadt. Neben etlichen Wohnhäusern zeichnete er auch für die Villa Fleitmann und das Ruhrtal-Gymnasium verantwortlich. Für etwa 60.000 Reichsmark kaufte die Stadt ein Grundstück, der Bau begann im Jahr 1913.