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Tote Hose im Telefónica-Netz

Schwerter Kunden beklagen schlechten Handy-Empfang

Telefónica-Kunden beklagen sich über schlechten Empfang. Der Mobilfunkanbieter schiebt das auf eine aktuelle Störung, dabei scheint das Netz in Schwerte zumindest schon seit Monaten zu kränkeln.

Schwerte

von Mark Kaiser und Heiko Mühlbauer

, 14.06.2018
Tote Hose im Telefónica-Netz

Auch O2-Kunden sind von den Störungen im Telefónica-Netz betroffen. © Bernd Paulitschke

Kunden von Telefónica beklagen sich immer wieder über das schlechte Netz in Schwerte. Da das Unternehmen mittlerweile die Anbieter O2, E-Plus, Fonic, Blau, K-Klassik Mobile, Bild-Connect, Tchibo-Mobil und Aldi Talk umfasst, trifft das ziemlich viele Schwerter Handy-Nutzer. Auf Nachfrage bei Telefónica Germany teilte das Unternehmen mit, dass es seit dem 5. Juni zu einem Teilausfall zweier Sendemasten gekommen sei, die für Schwerte funken. Geplante Arbeiten seien dafür verantwortlich, und ansonsten sei es das schlechte Wetter, das Störungen verursache.

Die Kunden sehen das anders: Die schlechte Netzqualität und die Störungen bestünden schon seit fast einem Jahr, klagen viele, die sich auf eine Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook bei uns gemeldet hatten. „Was nutzt ein Smartphone, mit dem man nicht telefonieren kann“, antwortete zum Beispiel die Schwerterin Birgit Rohmann auf unseren Aufruf, den wir am vergangenen Donnerstag gestartet hatten. Die Frage: Gibt es auch in Schwerte Probleme mit dem Handynetz von O2?

Viele Schwerter nahmen dazu Stellung. Rohmann berichtete, dass sie ein Jahr lang nicht telefonieren und angerufen werden konnte. Deshalb habe sie jetzt nach immerhin zehn Jahren Kundentreue O2 gekündigt.

Miese Sprachqualität

Andere Betroffene beklagen sich über eine mangelhafte Qualität des O2-Netzes: schlechter Empfang, Anrufabbrüche und eine miese Sprachqualität. Denn auch die Internetverbindung über den Mobilfunkstandard LTE sowie der Kundenservice vieler Mobilfunk-Provider würde zu wünschen übrig lassen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Sprecherin von Telefónica jetzt: „An einigen der Mobilfunkstationen in Schwerte finden derzeit Optimierungsarbeiten im Zuge der Netzzusammenführung statt. Zwar versuchen wir dabei, die Beeinträchtigungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten, jedoch lassen sich temporäre Service-Einschränkungen – die bei solchen komplexen technischen Arbeiten an den Stationen leider auftreten können – nicht immer gänzlich vermeiden.“ Grundsätzlich verfüge Schwerte über eine flächendeckende GSM- und LTE- und UMTS-Versorgung, die an einigen Stellen derzeit mit moderner, leistungsfähiger und energiesparender Technik bestückt werde, um die Versorgungsqualität weiter zu verbessern. Die Unternehmenssprecherin: „Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Mitte Juli an. In der Zwischenzeit übernimmt automatisch eine benachbarte Mobilfunkanlage die Versorgung, sodass der Empfang für unsere Kunden durch die Arbeiten oftmals nicht beeinträchtigt wird.“

Tote Hose im Telefónica-Netz

Viele Schwerter Mobilfunk-Kunden ärgern sich über Störungen. © picture alliance / dpa

Im örtlichen O2-Shop konnte der Mitarbeiter die aktuellen Störungen auf einer Online-Karte lokalisieren. Besonders in Westhofen, Ergste und im Innenstadtbereich seien die Probleme zu spüren. Das berichteten auch verärgerte Kunden in unserer Umfrage. In Wandhofen sei der Empfang besser.

„Mir liegen zwar noch keine Meldungen zu den Störungen vor, aber bei mir werden auch eher Verträge im Vodafone-Netz nachgefragt“ sagt Noel Lewandowski von mobilcom debitel in der Hüsingstraße.

Kunden zweifeln an Verbesserungen

„Bei mir kam es über Monate zu starken Einschränkungen beim Telefonieren und mit dem mobilen Internet. Teilweise konnte ich mich gar nicht ins Netz einwählen,“ berichtet ein weiterer Betroffener. „Ich habe den Kundenservice von Tchibo-Mobil mehrfach angerufen, mir wurden per SMS mehrere Gutschriften gewährt. Diese wurden aber nie verbucht. Darüber habe ich mich schriftlich beschwert und bis heute keine zufriedenstellende Antwort erhalten.“ Daraufhin kündigte der Betroffene fristlos den Vertrag, widerrief den Geldeinzug per Lastschrift und gab sogar einige Lastschriften zurück, um so an die versprochenen, aber nie gezahlten Gutschriften zu kommen. Sollte Tchibo-Mobil nun Mahnungen senden, so werde er die gut dokumentierte Angelegenheit an seinen Rechtsanwalt weiterleiten. „Schließlich habe ich für mein Geld nur ein schlechtes Produkt und streckenweise überhaupt keines erhalten. Das ist Vertragsbruch. In meinem letzten Gespräch mit dem Kundenservice riet mir sogar eine Mitarbeiterin, am besten das Netz zu wechseln, weil sich hier in Schwerte kurz und mittelfristig nichts am Problem ändern würde“ verrät der Schwerter.

Das bestätigt auch der Test der Fachzeitschrift Connect, die im Herbst alle drei Telefonnetze in Deutschland getestet hatte und dabei O2 die mit Abstand schlechteste Netzqualität attestierte. In einem Interview mit dem Handelsblatt, das am Montag veröffentlicht wurde, wehrte sich Telefónica-Konzernchef José Maria Álvarez-Pallete gegen Kritik an der Netzqualität in Deutschland, räumte aber ein: „Wir haben für den Umbau länger gebraucht, als wir intern dachten.“ Bis Ende des Jahres wolle der Konzern damit fertig werden. Dann werde man zumindest in Städten ein „hervorragendes Netz“ haben, so der Chef des spanischen Konzerns.

  • Telefónica ist ein spanischer Telekommunikationskonzern.
  • 2005 kaufte Telefónica O2 mit seinen Töchtern in Deutschland, Großbritannien und Irland.
  • 2014 übernahm er E-Plus und wurde nach Anzahl der Kunden größter deutscher Mobilfunkanbieter.
  • Neben eigenen Discount-Marken kooperiert O2 seit 2004 mit vielen Anbietern günstiger Verträge wie Tchibo Mobil.
  • Durch die Übernahme von E-Plus kamen weitere Kooperationsmarken wie Aldi-Talk hinzu.