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Vor Anker im Hotel Reichshof

SCHWERTE Jutta Max sitzt im Frühstücksraum. Es ist später Vormittag. Die Gäste sind längst aufgebrochen. „Zur Arbeit“, sagt die Hotelchefin. Beiläufig streicht die 43-Jährige über das Tischtuch. Hinter den dicken, alten Mauern des Hotels Reichshof herrscht ruhige Atmosphäre.

Vor Anker im Hotel Reichshof

Jutta Max an der Rezeption im Hotel Reichshof: Die gebürtige Schwerterin leitet das über 100 Jahre alte Haus an der Bahnhofstraße in dritter Generation.

Es ist kühl. Die schwüle Luft ist ausgesperrt. Draußen, vor den Fenstern. Irgendwo im Haus arbeitet das Zimmerpersonal. Ab und zu sind Stimmen zu hören. Und ein, zwei Mal klingelt auch das Telefon. Seit 1996 leitet Jutta Max, Hotelfachfrau und Betriebswirtin, das Haus an der Bahnhofstraße. Hier gibt es ein riesiges Treppenhaus und alte Möbel. Dicke Teppiche verschlucken die Schrittgeräusche. Das Licht ist warm und gedämpft.

 „Dieses Haus war schon immer ein Hotel“, erzählt Jutta Max am Frühstückstisch. „16 Zimmer, acht Doppel, acht Einzel.“ In der Woche sind Geschäftsleute zu Gast. Samstags und sonntags ruhen sich Fahrrad-Ausflügler im Reichshof aus. Bahnhofstraße 32 – das ist für Jutta Max ein Ankerplatz. Ihr Zuhause. Hier ist sie groß geworden. Und hier lebt sie heute selbst in einer abgetrennten Wohnung mit der Familie. Für die Gäste ist sie den ganzen Tag ansprechbar. „Für mich ist es wichtig, dass sie sich persönlich wahrgenommen fühlen“, sagt die Schwerterin. „Bei uns ist niemand eine Nummer.“ Die blonde Dame in dem orange-gelben Polohemd nickt kurz. Dann steht sie auf und läuft zur Rezeption. Mit zwei dicken Gästebüchern unterm Arm kommt sie zurück. Zeichnungen sind darin. Fotos. Und viele liebe Grüße. „Wolf Biermann kann Spiegelschrift“, sagt Jutta Max. Sie schlägt den Beweis im Gästebuch auf und hält ihn hoch.

Auch schwedische Fußballfans findet die Hotelinhaberin wieder, die stammen von der letzten WM. Und einen Indianer und ... Intensive Wochen liegen hinter Jutta Max. Die Brückentage im Mai bescheren dem Hotel immer ausgebuchte Zimmer – und viel Arbeit. „Ich weiß nicht, wie viele Kilo Wäsche ich in den letzten Tagen an die Wäscherei gegeben habe.“ Jutta Max schüttelt amüsiert den Kopf. Und dann ruft eine Kinderstimme aus dem Flur. „Mama?“ „Ich bin im Frühstückszimmer.“ 

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