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Wie unser Wasser produziert und wie es gesichert wird

Trinkwasser in Schwerte

. Aus dem Ruhrtal in und um Schwerte schöpft das Revier sein Trinkwasser. Es wird gefiltert und mehrfach gestestet. Aber warum produziert ein Dortmunder Unternehmen aus dem Schwerter Ruhrwasser Trinkwasser für die Region? Die wichtigesten Fragen zum Thema:

Geisecke

von Heiko Mühlbauer

, 20.06.2018
Wie unser Wasser produziert und wie es gesichert wird

Knapp 0,2 Cent kostet ein Liter Trinkwasser in Schwerte (Arbeitspreis). Um ihn zu produzieren muss dennoch viel Aufwand betrieben werden.dpa © picture alliance / dpa

Etwa 122 Liter Trinkwasser verbraucht der Deutsche im Durchschnitt täglich. Damit ist er im europäischen Vergleich sparsam, weltweit eher nicht. Sauberes Trinkwasser wird zunehmend zu einem Rohstoff, der nicht überall frei zur Verfügung steht. Erstmals müssen alle Gemeinden im Land ein Wasserversorgungskonzept aufstellen. Das 61 Seiten lange Papier erklärt, wo unser Trinkwasser herkommt, wie es produziert und wie gesichert wird. Wir haben Fragen und Antworten daraus zusammengestellt.

Wer produziert das Trinkwasser und wer liefert es?

1986 schlossen die Stadtwerke Schwerte (SWS) einen Versorgungsvertrag mit den Dortmunder Stadtwerken (jetzt DEW21) über die Wasserversorgung ab. Nach diesem Vertrag liefert die DEW21 das Trinkwasser an die Stadtwerke Schwerte, die es es an die Verbraucher liefert. Der Vertrag galt bis 2015 und verlängert sich seitdem alle fünf Jahre, wenn keiner der beiden Partner kündigt. Das ist auch nicht so einfach möglich, denn das Leitungsnetz ist eng verwoben. Produziert wird das Trinkwasser von den Wasserwerken Westfalen, die ihren Verwaltungssitz und ihre Wasserwerke in Schwerte haben.

Wem gehören eigentlich die Wasserleitungen?

Die Transportleitungen gehören der Donetz, die auch zumKonzern der Dortmunder Stadtwerke gehört. Sie führen das Wasser zu Hochbehältern, die Dortmund mit Trinkwasser versorgen. Von diesen Leitungen gehen auf Schwerter Stadtgebiet neun Übergabestationen ab. Von dort aus führen die Trinkwasserleitungen zu Betrieben und Haushalten. Dieses Netz gehört den Schwerter Stadtwerken.

Wie lang sind die Trinkwasserleitungen in Schwerte?

Sie sind insgesamt 211,5 Kilometer lang und in drei Bereiche aufgeteilt. Der größte umfasst die Innenstadt, Geisecke und Wandhofen, also alle Bereiche, die relativ flach sind. Hier wird der Druck nicht zusätzlich erhöht. In Erste und Villigst sowie in Westhofen gibt es eigene kleine Trinkwassernetze, weil dort die Leitungen wegen der Berge unter mehr Druck gesetzt werden müssen.

Woher kommt das Schwerter Trinkwasser?

Es kommt aus den Wasserwerken der Wasserwerke Westfalen in Hengsen, Villigst und Westhofen. Dort wird Wasser aus der Ruhr entnommen und in Kies- und Sandfilterbecken am Ufer filtriert sowie einer Untergrundpassage unterzogen, also künstlich zu Grundwasser gemacht.

Wer kontrolliert die Trinkwasserqualität?

Die Westfälische Wasser und Umweltanalytik, kurz WWU. Das ist eine gemeinsame Firma der Gelsenwasser und der Wasserwerke Westfalen. Letztlich kontrollieren sich die Wasserversorger über Tochterunternehmen damit selbst. Allerdings werden die Untersuchungen durch die Gesundheitsämter überwacht.

Wie wird das Wasser kontrolliert?

Zum einen direkt am Wasserwerk vor der Einspeisung ins Trinkwassernetz. Dort werden viele Parameter untersucht. An fünf Stellen im Wasserverteilnetz werden zudem an jedem Wochentag Wasserproben entnommen und analysiert. Die Stellen, wo entnommen wird, hat das Gesundheitsamt festgelegt. Sie befinden sich auf der Binnerheide, am Stadtbad, im Bereich des ehemaligen Gartenbades in Wandhofen, an der Straße Höfen in Ergste und auf dem Bürenbruch. Dort wird das Wasser auf Parameter wie Bakterien und Metalle bis hin zu Desinfektionsmittelrückständen untersucht.

Was ist mit Nitratrückständen im Trinkwasser?

Das Gutachten sagt, dass die Ni-tratkonzentration aus der Düngung in der Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Ruhr keine Rolle spielen würde. Auch die 2006 am Oberlauf der Ruhr entdeckten Perfluorierten organischen Tenside (PFT) seien derzeit im Trinkwasser nicht mehr nachweisbar.

Was passiert, wenn im Trinkwasser doch bedenkliche Stoffe gefunden werden?

Dann informiert die WWU das Gesundheitsamt, das weitere Maßnahmen einleitet. Welche das sind dazu haben das Gesundheitsamt und die Stadtwerke einen Maßnahmenplan erarbeitet, der alle neun Jahre überprüft wird. Die nächste Prüfung findet 2019 statt.

Kann das komplette Trinkwassernetz in Schwerte ausfallen?

Das Konzeptpapier sagt: nein. Dadurch, dass das Netz so engmaschig sei, könne bei einer Havarie in einem Leitungsstrang immer nur ein kleiner Teilbereich ausfallen.

Wie viel Trinkwasser verbrauchen die Schwerter?

Aktuell rund 2,8 Millionen Kubikmeter im Jahr. Davon nur 400.000 in der Industrie. Vor zehn Jahren wurden noch 3 Millionen Kubikmeter in Schwerte verbraucht. Prognosen der Stadtwerke gehen davon aus, dass sich die Verbrauchsmengen bis 2030 nicht wesentlich ändern werden.

Warum wird das Wasservorkommen in Schwerte von den Dortmunder Stadtwerken genutzt?

Das hat historische Gründe. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Bergbau in Dortmund dafür gesorgt, dass der Grundwasserspiegel abfiel. Die Trinkwassergewinnung aus Brunnen funktionierte nicht mehr. So begann man 1880 mit der Wassergewinnung im Ruhrtal. Für die Stadt Schwerte lohnte sich der Aufbau eines eigenen Wasserwerks nicht mehr. Im Jahr 1986 übernahmen die Schwerter Stadtwerke die Wasserversorgung für ganz Schwerte. Die Versorgungsgrenzen sind seitdem identisch mit den Stadtgrenzen von Schwerte. Alle Wasserübergabestationen gingen in den Besitz der SWS über.

Ist denn immer genug Wasser in der Ruhr, um den Trinkwasserbedarf zu decken?

Das Talsperrennetz sorgt seit etwa 100 Jahren für relativ gleichmäßige Wasserstände an der Ruhr. Das System gilt laut Versorgungsgutachten trotz des Klimawandels als verhältnismäßig sicher.

Welche Härte hat das Wasser in Schwerte?

Wer Wasser aus Westhofen und Hengsen bekommt, hat Wasser aus dem Härtebereich weich (1,47 mmol/l). Das Wasser aus Villigst ist etwas härter. Mit 1,51 mmol/l gilt der Härtebereich als Mittel.