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Personalsituation in der evangelischen Kirche

Bald nur noch zwei Pfarrer

Selm Weniger Gläubige, weniger Pfarrer. Diese Rechnung hat die evangelische Landeskirche aufgemacht. Für die Kirchengemeinde in Selm-Bork hat das jetzt Konsequenzen.

Bald nur noch zwei Pfarrer

Pfarrer Lothar Sonntag und Pfarrerin Antje Wischmeyer von der Evangelischen Kirchengemeinde Selm. Foto: Foto: Sabine Geschwinder

Eigentlich sind sie noch zu dritt: Lothar Sonntag, Antje Wischmeyer und Andreas Bader – so wie in den alten Zeiten, als die Zahl der Mitglieder in der evangelischen Kirchengemeinde Selm noch bei etwa 7500 lag. „Jetzt sind wir nur aber noch rund 7000“, sagt Lothar Sonntag. Jeden Tag müssten er und seine Kollegin Wischmeyer daher damit rechnen, dass die Kirchenleitung Kollege Bader wieder abzieht, sobald andernorts Bedarf bestehe. Eine dritte Pfarrstelle sei passé. Die Kirchenleitung gehe von 3000 Gemeindegliedern pro Pfarrstelle aus. Allerdings hofft die Gemeinde jetzt auf eine andere Form der personellen Unterstützung.

Wiedereingliederung

Der 56-jährige Andreas Bader ist seit Oktober 2017 in der Gemeinde tätig – im Zuge einer sogenannten Wiedereingliederungsmaßnahme nach längerer Krankheit. Zuvor war er lange Pfarrer in verschiedenen Gemeinden in Dortmund. Bader folgte Renate Scherer. Die Selmer Pfarrerin war im Oktober von Selm nach Bremen gewechselt.

Modellversuch

„Wir werden zu zweit nicht dieselbe Arbeit machen können wie zu dritt“, sagt Pfarrer Sonntag mit Blick auf einen Wechsel Baders. Daher müsse sich die Gemeinde auf Abstriche einstellen. Es gibt aber auch eine Hoffnung: Die evangelische Kirchengemeinde möchte an einem Modellversuch des evangelischen Kirchenkreises Dortmund-Lünen-Selm teilnehmen. Dabei geht es darum, verstärkt Diakone und Gemeindepädagogen – also Männer und Frauen, die nicht Pfarrer sind –, in die Seelsorgearbeit einzubinden. Sonntag Und Wischmeyer hoffen auf einen Kollegen aus diesem Bereich, der oder die eine halbe Stelle bekommen würde. „Das Projekt ist auf fünf Jahre begrenzt“, sagt Wischmeyer. Diese Zeit würde der Gemeinde aber bereits „sehr helfen“.

Keine Geburtstagsbesuche mehr

In jedem Fall sei es nötig, dass einige Dienste wegfielen, die in der Vergangenheit üblich waren. Ein Beispiel: der Geburtstagsbesuch von Senioren, die 80, 85 oder älter sind. „Das sind etwa 600 Menschen im Jahr“, so Sonntag. Und dafür hätten er und seine Kollegen 600 Arbeitsstunden im Jahr investiert. „Das geht jetzt nicht mehr.“ Die Senioren erhielten trotzdem ihre Gratulation – nur in einem anderen Rahmen. „Wir laden quartalsweise zum Geburtstagskaffeetrinken ein.“ Wer neben diesem neuen Angebot aber dennoch gerne einen persönlichen Besuch eines Pfarrers hätte – auch einen Krankenbesuch oder aus einem anderen Anlass – „kann sich gerne bei uns melden“, versichert Wischmeyer. Dafür würden sie und ihr Kollege sich auch weiter gerne die Zeit nehmen.

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