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Hand am Po - Angeklagter muss 900 Euro an Kinderhospiz zahlen

Vorfall in Selm

Ein Selmer war wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung freigesprochen worden, in zweiter Instanz wurde das Verfahren nun eingestellt - für das Opfer ist der Fall noch immer unbegreiflich.

Selm, Dortmund

von Martin von Braunschweig

, 05.07.2018
Hand am Po - Angeklagter muss 900 Euro an Kinderhospiz zahlen

© picture alliance / dpa

Erst wurde getanzt und getrunken, spät in der Nacht hatte ein 32-jähriger Mann aus Selm dann seine Hände nicht mehr unter Kontrolle. Auf dem Sofa in der Wohnung von Freunden kam der Arbeiter einer schlafenden Bekannten viel zu nahe. Am Donnerstag beschäftigte der Fall das Dortmunder Landgericht. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Lünen einen Freispruch verhängt. Sie seien zwar davon überzeugt, dass der Angeklagte seine Hand unter die Hose und unter den Slip der schlafenden Frau geschoben hatte, schrieben die Richter damals ins Urteil. Nicht klar sei jedoch, dass der 32-Jährige auch wirklich wissen musste, dass seine Bekannte tief und fest schlief. Vielleicht, so die Richter, habe er ja geglaubt, sie sei wach und würde sich gegen seine Annäherungsversuche mit voller Absicht nicht wehren.

Diese Argumentation teilten die Berufungsrichter in Dortmund nicht. Ihnen musste der Angeklagte seine Sicht auf den Vorfall schildern.

Dass er zunächst mit einem Freund und drei Frauen in der Altstadtschänke feiern war. Dass sich die Gesellschaft in eine Privatwohnung verzog. Und dass er seine Hände auf den Po seiner Bekannten legte, als beide sich zum Schlafen auf die Couch gebettet hatten. „Mal gucken, wie weit ich gehen kann“, will sich der 32-Jährige dabei gedacht haben.


Unbegreiflich

Für die junge Frau ist das Geschehene bis heute unbegreiflich. „Ich wurde wach, als ich seine Hand spürte“, sagte sie den Richtern. Sie habe sich weggedreht, sei aufgestanden und aus der Wohnung geflüchtet. „Das ging gar nicht“, sagte die Zeugin den Richtern. Was der Selmerin bis heute am meisten zu schaffen macht, ist der Umstand, dass der Übergriff in der Wohnung von Freunden passierte. Heute hat sie keinen Kontakt mehr zu den Gastgebern, die sie ihrer Ansicht nach vielleicht auch nicht genug vor dem Angeklagten geschützt hatten. Die Richter regten an, den Freispruch durch eine Einstellung des Verfahrens zu ersetzen. Und nach langem Überlegen willigte der Angeklagte ein und erklärte sich auch bereit, 900 Euro an das Kinderhospiz in Hamm zu zahlen. „Ich halte das aber immer noch für falsch“, sagte er den Richtern.