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UKBS plant den Abriss der alten Lutherschule

Lutherschule

Wird die Lutherschule nun doch ganz abgerissen? Die UKBS hat die neusten Pläne für das seit 2009 leer stehende Schulgebäude vorgestellt. Oder eher die Pläne gegen das alte Gebäude.

Selm

von Marie Rademacher

, 23.06.2018
UKBS plant den Abriss der alten Lutherschule

Laut den neusten Plänen der UKBS soll von der Lutherschule nur ein „Fußabdruck“ bleiben und dann darauf dieser Neubau entstehen.

Etwas unangenehm schien es Matthias Fischer, dem Geschäftsführer der Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS), am Donnerstagabend schon zu sein, dem Selmer Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung die neuesten Pläne seines Unternehmens für die Lutherschule vorzustellen. Schnell wurde in seinem Sachstandbericht auch klar, warum: Von der Forderung der Stadt, das markante Gebäude zumindest in Teilen zu erhalten (das war einst Auflage für den Verkauf gewesen), ist in den neusten Planungen nicht mehr besonders viel übrig geblieben. „Die Sanierung oder der Umbau des Gebäudes ist aus unserer Sicht unwirtschaftlich“, erklärte Matthias Fischer.

Die neuen Pläne sehen deshalb vor, von der Schule nur noch den „Fußabdruck“ – also den etwas verschmälerten Grundriss – zu erhalten und es darauf in Anlehnung an das vorige Gebäude zusammen mit den beiden für den hinteren Bereich vorgesehen zwei Bauten neu zu errichten und darin dann „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Im Klartext: Die Lutherschule müsste abgerissen werden – etwas, das die Stadt Selm beim Verkauf von Gebäude und Grundstück 2014 eigentlich unbedingt hatte verhindern wollen.

Nicht viel Zustimmung

„Ich bin ein bisschen entsetzt“, war die deutliche Reaktion von Franz-Josef Raubuch (CDU). In den Planungen, die die UKBS bisher vorgelegt hatte, war immer vorgesehen gewesen, markante Gebäudezüge, wie etwa die Fassade. zu erhalten. „Der Umbau der Schule war plausibel, als Sie ihn damals vorgestellt haben. Woran scheitert es denn jetzt?“, äußerte auch Wilfried Zimmermann (UWG) sein Unverständnis. „Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. Als wir die Lutherschule gekauft haben, war das noch nicht abzusehen“, versuchte Matthias Fischer, die Kehrtwende zu erklären.

Alte Elemente

Auch, dass sich das neue Gebäude an dem alten orientiere, ging für einige Ausschussmitglieder nicht aus den gezeigten Entwürfen hervor – ob das nicht in einer Überarbeitung deutlicher hervortreten könnte? Das schlugen mehrere Ausschussmitglieder vor. Eine ganz andere Idee äußerte Udo Risse, Vorsitzender des Wikult und als sachkundiger Bürger im Ausschuss. Wenn der Neubau doch sowieso nicht mehr merklich aussähe wie die Schule, sollte man vielleicht darüber nachdenken, ihn ganz anders zu gestalten – zum Beispiel so wie die beiden Häuser, die auf dem hinteren Bereich des Grundstücks geplant sind.

UKBS plant den Abriss der alten Lutherschule

Markante Gebäudezüge, wie die Fassade der Lutherschule sollten eigentlich erhalten werden. © Aileen Kierstein

Für viele Selmer wäre diese Neubauvariante sicher schwer vorstellbar. „Gerade zu dieser Schule haben die Selmer eine enge Bindung“, brachte Manfred Breyer, der als sachkundiger Bürger im Ausschuss sitzt, den Grund ins Spiel, warum der Stadt von Anfang an daran gelegen war, das Gebäude zu erhalten. „Nicht nur das Gebäude, auch das ganze Leben, das dort gelaufen ist... Es haben sich viele Menschen mit dieser Schule, mit dieser Institution identifiziert“, bestätigte auf Anfrage Hans-Georg Aue, der über 40 Jahre lang als Lehrer und Rektor an der Lutherschule tätig war. Ein Abriss wäre aus seiner Sicht „schrecklich“.

Nichts beschlossen

Aber: Der Abriss ist ja auch noch keine beschlossene Sache. Wie Ausschussvorsitzender Dieter Kleichwächter im Gespräch mit den RN betonte, handelte es sich bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstag lediglich um einen Sachstandsbericht. „Wir haben noch nichts beschlossen“, so Kleinwächter.

Die UKBS hat der Ausschuss mit der Aufgabe nach Hause geschickt, noch mal drei Varianten zu prüfen: den Erhalt des Gebäudes, den Neubau mit deutlicher an den alten Bau erinnernden Elementen beziehungsweise einen Neubau, der sich gar nicht mehr an der Lutherschule orientiert. Mit den neuen Entwürfen muss die UKBS dann noch mal im Ausschuss vorstellig werden.

„Wir halten jedoch den Abriss und Neubau nicht nur für die wirtschaftlichere und qualitativ bessere Lösung, sondern auch für die langfristig bessere Lösung für die Bürger der Stadt Selm. Um bezahlbare Mieten anbieten zu können, brauchen wir wirtschaftliche Lösungen“, so Matthias Fischer am Tag nach dem Ausschuss auf Anfrage der Redaktion. Für die Durchsetzung der Pläne braucht die UKBS aber auf jeden Fall die Zustimmung der Selmer Politik. Bevor es die nicht gibt, kann es mit dem Bau auch noch nicht losgehen – und die Lutherschule steht weiter leer.