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Frühe Ernte fällt mager aus

Gerstenernte

Früher als sonst wird in diesem Jahr die Gerste gedroschen. Wegen der anhaltenden Trockenheit droht auch bei anderem Getreide eine magere Ernte.

Stadtlohn

von Falko Bastos

, 29.06.2018
Frühe Ernte fällt mager aus

Lohnunternehmer Wolfgang Krieger hat derzeit jede Menge zu tun. © Markus Gehring

Wenn Wolfgang Krieger seine Runden dreht, sieht und hört man ihn schon von Weitem. In der Mittagshitze dröhnt der 210-PS-Mähdrescher über den Acker und verschwindet fast in einer Wolke aus Gerstenstaub. „Zum Ernten ist die Trockenheit ideal“, verrät der Lohnunternehmer. „Die Restfeuchtigkeit des Kornes muss unter 16 Prozent liegen, besser unter 15. Hier haben wir 14 Prozent gemessen.“

Alles andere als ideal ist die Trockenheit aber für den Ertrag. Krieger hat den Überblick, denn er hat in dieser Woche schon mehrere Felder abgeerntet. „Wir lagen meistens bei sieben bis neun Tonnen pro Hektar, es gab aber auch richtig schlechte Ernten mit nur fünf Tonnen. Das wird dann zum Verlustgeschäft.“ Insgesamt sei die Gerstenernte noch in Ordnung. „Aber der Weizen wird wohl eine Katastrophe.“

Sandiger Boden

Der brauche in den nächsten Tagen dringend Wasser, doch die Wettervorhersage macht wenig Hoffnung. „Jetzt wird das Mehl gebildet und die Pflanze schaltet auf fertig“, erklärt der Landwirt. „Wenn es jetzt nicht regnet, schließt das Korn ab.“

Landwirt Heinrich Steggemann, dem das Gerstenfeld am Düwing Dyk gehört, möchte noch keine Prognose wagen. „Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht.“ Gleichwohl ahnt er nichts Gutes: Das Wasser hat gefehlt.“ Besonders auf dem sandigen Boden am Düwing Dyk mache sich dies bemerkbar.

Knapp zwei Wochen früher als sonst fährt er in diesem Jahr die Gerstenernte ein. Der trockene Mai gab ihm keine andere Wahl. „Sonst knicken die Pflanzen ab. Und wenn die Ähre am Boden liegt, kann man sie mit dem Mähdrescher nicht ernten.“

Bodenverbesserung

„Es ist schon paradox“, hadert der Stadtlohner Landwirt. „Im Winter muss Wasser abgelassen werden und im Sommer könnte man es gut gebrauchen. Dabei sind die letzten Liter entscheidend für den Ertrag.“ Eine Lösung für das Dilemma habe er noch nicht gefunden, aber Steggemann will jetzt neue Wege bestreiten. Er möchte den Humusgehalt seines Bodens erhöhen, damit dieser künftig mehr Wasser speichern kann. „Aber da kommen wir mit der gängigen Lehrmeinung nicht weiter.“

Sorgen um den Mais

Kürzlich war er auf einer Tagung, um sich über Erkenntnisse aus anderen Kontinenten zum „flüssigen Kohlenstoffweg“ zu informieren. Dabei geht es um die Versorgung des Bodenlebens durch Wasserausscheidungen lebender Pflanzenwurzeln.

Frühe Ernte fällt mager aus

Landwirt Heinrich Steggemann fürchtet um seinen Ertrag. Er hofft auf Regen. © Markus Gehring

„Wir werden künftig mit Zwischenfrüchten als Mischung experimentieren“, so Steggemann. Diese sollen in die sonst übliche Fruchtfolge aus Wintergerste, Zwischenfrüchten, Mais und Triticale integriert werden. „Die Idee ist es, ein ganzjährig grünes Feld zu haben.“

Rund drei Stunden braucht Wolfgang Krieger, um die fünf Hektar große Fläche abzuernten. Per Fußpedal kann er die Ernte zwischenzeitlich auf den Hänger abladen. Die Stunde der Wahrheit folgt aber erst an der Waage – und fällt alles andere als gut aus. „Gegenüber dem langjährigen Schnitt fehlen 25 Prozent“, verrät Heinrich Steggemann nach dem Wiegen. „Wir müssen eben nehmen, was wir kriegen.“ Noch mehr Sorgen als die Gerste machen ihm aber die anderen Pflanzen. „Beim Mais rollen sich schon die Blätter zusammen. Wenn es den nächsten zwei Wochen nicht regnet, wird es spannend.“

Landwirt Heinrich Steggemann fürchtet um seinen Ertrag. Er hofft auf Regen.