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Flugzeugwrack in Südlohn entdeckt

Archäologen lehnen Bergung von Weltkriegsflugzeug ab

Oeding In Oeding liegt ein abgestürztes Weltkriegsflugzeug mitsamt den sterblichen Überresten des Bordfunkers in der Erde. Der Heeker Winfried Leusbrock würde das Wrack gerne bergen, der Öffentlichkeit zugänglich machen und den Toten bestatten lassen. Die Archäologen des Landschaftsverbands Westalen-Lippe lehnen das ab.

Archäologen lehnen Bergung von Weltkriegsflugzeug ab

Eine Messerschmitt vom Typ Me 110, wie Leutnant Wilhelm Johnen sie flog. Das Wrack liegt in Oeding in der Erde. Foto: Foto: Werner Held; Repro: Anna-Lena Haget

Bei Bohrungsarbeiten auf einer Wiese am Ottenstapler Weg traten vor zwei Jahren unerwartete Komplikationen auf. Mitarbeiter einer Rohrbau-Firma aus Heek wollten dort Schutzrohe für Stromleitungen einziehen, als plötzlich der Bohrer stecken blieb. Firmenchef Winfried Leusbrock machte sich ein Bild vor Ort und wunderte sich zunächst über Ölrückstände und andere Schmierstoffe im Grubenwasser. „Wir haben den Bohrkopf aber schließlich freibekommen“, erzählt er. „Da hing dann ein seltsames Metallteil dran.“

Ältere Anwohner bekamen das Treiben auf der Wiese mit und erzählten Leusbrock von einem Flugzeugabsturz aus dem Jahr 1942 an eben dieser Stelle. Das machte Leusbrock erst recht neugierig. Gemeinsam mit dem Geowissenschaftler Yannick Fahlenbock untersuchte er die Stelle mit einem Georadar. Mit dieser Technik lassen sich Objekte im Erdreich lokalisieren und dreidimensional darstellen.

Archäologen lehnen Bergung von Weltkriegsflugzeug ab

Winfried Leusbrock (l.) und Yannick Fahlenbock untersuchen die Absturzstelle am Ottenstapler Weg mit einem Georadar. Im Boden liegt das Wrack einer Messerschmitt vom Typ 110, die dort 1942 abgestürzt war. Foto: Robert Wojtasik

Bald war klar: Das Wrack liegt bis heute rund zwei Meter tief in der Erde, bei dem Metallstück handelt es sich um eine Verschraubung des Flugzeugs. Leusbrock überließ das Metallstück dem Oedinger Heimatverein – und erfuhr mehr über die Geschichte des Wracks.

Oeding lag im Zweiten Weltkrieg in der Haupteinflugschneise zum Ruhrgebiet. Bei einem Fliegeralarm am 26. März 1942 wurde ein deutscher Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Me 110 von einem britischen Bomber abgeschossen. Der Pilot, Leutnant Wilhelm Johnen, rettete sich mit einem Fallschirm. Bordfunker Albrecht Risop, damals 21 Jahre alt, stürzte mit der Maschine ab und fand in ihr sein Grab. Ein Gedenkstein am Ottenstapler Weg erinnert an den Verstorbenen. „Er war das erste Kriegsopfer auf Oedinger Gebiet“, sagt Siegfried Osterholt vom Heimatverein.

Archäologen lehnen Bergung von Weltkriegsflugzeug ab

Ein Gedenkstein am Ottenstapler Weg erinnert an den verstorbenen Bordfunker Albrecht Risop. Foto: Robert Wojtasik

Winfried Leusbrock beschloss, die sterblichen Überreste des Bordfunkers Risop und das Wrack zu bergen. „Ich bin der Meinung, dass der Tote auf einem Friedhof beerdigt werden sollte“, sagt er. Die Wrackteile würde er gern der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Wrack gehört, stimmte zu. Und auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Untere Wasserbehörde erteilten die entsprechenden Genehmigungen. Was fehlte, war das Okay der Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe aus Münster.

Archäologen: Bergung widerstrebt dem Denkmalschutz

Das Denkmalamt in Münster bewertet das Thema allerdings anders und verweigert eine Bergung. „Dieser Ort ist ein Erinnerungsort, ein originaler Ort“, sagte der LWL-Archäologe Dr. Christoph Grünewald dem Westdeutschen Rundfunk. „Es ist uns ganz wichtig, immer das Original dort zu erhalten, wo es nun mal ist.“ Jede Ausgrabung, auch die eines Toten, sei immer auch eine Zerstörung des Originals. „Und das widerstrebt nun mal dem Denkmalschutz.“

Archäologen lehnen Bergung von Weltkriegsflugzeug ab

Siegfried Osterholt vom Oedinger Heimatverein mit der Hydraulik-Verschraubung der abgestürzten Messerschmitt. Im Heimathaus hat der Verein einen Gedenkraum für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs eingerichtet. Foto: Robert Wojtasik

Südlohns Bürgermeister sieht das anders: „Da geht es um einen Menschen“, sagt Christian Vedder. Er würde es begrüßen, wenn der Bordfunker „eine würdige, eine vernünftige Grabstätte bekommt“. Die Gemeinde Südlohn würde auf jeden Fall unterstützend tätig werden.

Der Heimatverein Oeding hat schon vor zwei Jahren einen eigenen Weg gefunden, die Geschichte aufzuarbeiten. Im Heimathaus haben die Mitglieder einen Gedenkraum für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs eingerichtet. Dort ist unter anderem auch die Verschraubung der Messerschmitt Me 110 ausgestellt.

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