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Obdachloser schläft in Radschutzhütte

Der „Kaiser von Hundewick“

Südlohn Seit gut drei Jahren übernachtet der Obdachlose Jürgen Rensinghoff in der Brookhütte in Eschlohn. Die Gemeinde hat sie nach Hinweisen aus der Bevölkerung abgesperrt.

Der „Kaiser von Hundewick“

Jürgen Rensinghoff ist obdachlos und schläft in einer Radschutzhütte in Eschlohn. Foto: Alex Piccin

Für Radfahrer, die sich die Südlohn-Oedinger Hüttentour vornehmen, gehört der selbst ernannte „Kaiser von Hundewick“, ein Mann mit silbrigem Rauschebart und Strohhut, zum Gesamtbild dazu. Als Jürgen Rensinghoff vor gut drei Jahren seine Wohnung räumen musste, hat er sich in der Brookhütte in Eschlohn seine neue Bleibe eingerichtet. Dort übernachtet der 66-Jährige. Tagsüber wandert er zwischen Südlohn, Stadtlohn und Gescher, kommt viel herum. Doch die Gemeinde Südlohn hat „seine“ Hütte am Donnerstag dicht gemacht.

„Die Radschutzhütte ist ein öffentliches Gebäude“, erklärt Bürgermeister Christian Vedder. Das Südlohner Ordnungsamt hat diese mit verschraubten Bauzäunen abgesperrt, da sie laut Hinweisen aus der Bevölkerung in einem verdreckten und schlechten Zustand gewesen sei und um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu reinigen. Eine Nutzung als Wohnung sei zudem nicht zulässig. „Es ist ein außergewöhnlicher Fall. Grundsätzlich ist nichts gegen einen alternativen Wohn- oder Lebensstil einzuwenden. Doch es gibt Grenzen, die er überschreitet“, führt Vedder aus. Ein jeder Bürger habe Freiheiten und Pflichten, doch „man kann nicht die eigene Freiheit auf Kosten anderer ausleben“.

Waschen im Bach

Tatsächlich war von der angeblichen Verschmutzung am Freitagmorgen nichts zu sehen. Davon überzeugte sich Vedder vor Ort selbst. Kein Müll, keine Flaschen, keine Kippenreste. Besenrein präsentierte sich die Brookhütte. „Jürgen ist immer sauber und proper, lebt sparsam. Wenn er tagsüber weggeht, räumt er vorher auf“, sagt dessen Bekannter Helmut Seifer.

Das morgendliche Waschritual geschehe im nahegelegenen Bach. Zum Wäschewaschen und für die weitere Körperhygiene gehe er zu den dafür vorgesehenen Anlaufstellen von Gemeinden oder Städten. Seifer ist es vollkommen unverständlich, dass die Hütte abgesperrt worden ist: „Das Ordnungsamt hat sich strafbar gemacht und die Anschuldigungen stimmen nicht. Ich finde es nicht in Ordnung, was da getrieben wurde. Sie sollen Jürgen sein Leben leben lassen.“

Rensinghoff gibt sich offen und redselig. Allerdings befindet er sich während seiner Ausführungen in einer eigenen Welt aus Adel, Militär, Kirche und Völkerrecht samt angeblicher Restriktionen. Damit versucht er augenscheinlich, die Realität zu verdrängen. Seifer weiß von den Schicksalsschlägen zu berichten, die den ehemaligen selbstständigen Gärtnereimeister ereilt haben: „Vor über zehn Jahren hat er Schiffbruch erlitten und lebte daraufhin eine Zeit lang auf Mallorca. Mittlerweile hat er alles verloren.“ Zur Ex-Frau und den vier Kindern habe er keinen Kontakt mehr.

Auf Teelichtern Essen aufgewärmt

Seifer hat ihn vor einigen Jahren kennengelernt, als er an der Brookhütte vorbeigefahren ist und den 66-Jährigen dort sitzen sah: „Ich habe ihn angesprochen und gemerkt, wie es um ihn steht.“ Auf Teelichter habe Rensinghoff sich sein Essen warm gemacht. Tags darauf brachte Seifer ihm Lebensmittel, Campingkocher undSchlafsack.

Gleich zweimal sei Rensinghoff bestohlen worden – ein Ding der Unmöglichkeit, findet Seifer, der auch die Doppelmoral derjenigen anprangert, die seinen Bekannten bei der Gemeinde gemeldet haben.

Mindestens zweimal die Woche schaut er an der Hütte nach dem Rechten und informiert Rensinghoffs gesetzlichen Betreuer über die aktuelle Lage. Der freut sich, dass sich jemand um den Wohnsitzlosen kümmert, verweist aber auf die eigene gesetzliche Schweigepflicht.

Rensinghoff hatte am Donnerstagabend Werkzeug gekauft und den Zaun wieder entfernt. Er halte nichts von Wohnheimen für Obdachlose, weiß Seifer: „Dort herrscht untereinander eine harte Umgangsart, die Jürgen nicht mag. Er möchte lieber seine Ruhe haben.“

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