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Digitalisierung in der Backbranche

Zwischen Tradition und Digitalisierung

Südlohn Die Digitalisierung macht auch vor der Back-Branche nicht halt. Die Bäckerei Tenk-Bomkamp schafft den Spagat zwischen Tradition und Transformation.

Zwischen Tradition und Digitalisierung

Vieles läuft in der Bäckerei Tenk-Bomkamp am Computer. Foto: Foto: Robert Wojtasik

Auf die lange Geschichte seines Familienbetriebs ist Michael Tenk besonders stolz. „Geschmack hat Traditon“ lautet der Slogan seiner Bäckerei an der Kirchstraße. Ruft man die Internetseite der Bäckerei auf, prangt da der Schriftzug „Handwerkskunst seit 1902“. Es gibt Backrezepte, die haben sich in mehr als 100 Jahren nicht geändert und werden es auch nie tun. Was sich in Zeiten der Digitalisierung dafür umso rasanter verändert, sind die Produktionsprozesse – wenn man es denn zulässt.

Der jüngste Neuzugang in Tenks Backstube ist eine Ausrollmaschine, die vor ein paar Wochen den klassischen Teigroller abgelöst hat. Auch den 40 Jahre alten Ofen hat der Bäckermeister ersetzt. Der neue lässt sich per Touchscreen bedienen. „Man muss das entsprechende Backprogramm auswählen, den Rest erledigt der Ofen.“

Bekannt ist die Bäckerei vor allem für ihre Foto-Torten. Schon bevor Michael Tenk den Betrieb im Jahr 2006 übernahm, wurden an der Kirchstraße Fotos mit Lebensmittelfarbe auf Esspapier gedruckt und damit Torten in allen Variationen verziert. Heute haben es Kunden dank einer pfiffigen Idee von Michael Tenk einfacher denn je, Torten mit dem Konterfei ihrer Wahl zu ordern.

„Früher mussten die Leute die Fotos immer bei uns vorbeibringen“, erzählt Tenk. „Wir mussten uns also überlegen, wie wir das Medium einfacher und schneller hierhin bekommen.“ Im Zuge der Neugestaltung der Internetseite seiner Bäckerei ließ Tenk sich von einem befreundeten Webdesigner ein Online-Formular bauen, mit dem sich Kunden ihre Wunschtorte zusammenstellen können.

Kontaktlose Bonuspunkte

Das Verfahren ist simpel: Geschmacksrichtung und Tortenart wählen, Termin für die Fertigstellung eintragen und das gewünschte Foto hochladen. Was früher per Hand in Bäckerbuch und Kalender eingetragen wurde, landet bei Tenk-Bomkamp schon seit Jahren direkt im Computer. Die Bonuspunkte kommen auch nicht mehr gestempelt auf die Karte, sondern werden kontaktlos auf die Kundenkarte übertragen. Diese Karte können Kunden außerdem mit Guthaben aufladen und damit kontaktlos bezahlen.

Bei allen Vorteilen bringt die Digitalisierung aber auch Baustellen mit sich – etwa die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU, die ab dem 25. Mai anwendbar ist. „Das ist gerade ein großes Thema bei uns“, sagt Tenk. Er müsse demnächst dafür sorgen, dass neben ihm nur maximal neun Mitarbeiter Zugriff auf Kundendaten im Computer haben. Bei der Vielzahl an Aushilfen im Betrieb an Wochenenden und in den Ferien muss das alles gut koordiniert sein. „Wenn es mehr als zehn Personen wären, müsste ich einen Datenschutzbeauftragten einsetzen. Es heißt ja immer, dass Bürokratie abgebaut werden soll. Aber es wird immer mehr“, sagt Tenk.

Auch dass die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet im Ort noch ein Weilchen auf sich warten lassen wird, stört den Bäckermeister. „In den Außenbereichen wird überall Glasfaser verlegt, aber es kann nicht sein, dass es im Dorfkern, wo es viele Ladenlokale gibt, noch drei bis fünf Jahre dauert.“ Zwar bestünde die Möglichkeit, für rund 300 Euro im Monat einen Gewerbeanschluss zu nutzen. „Aber das sind ja quasi jeden Monat 1000 Brötchen für den Bäcker, das ist viel zu teuer.“ Das Tagesgeschäft sei mit der derzeitigen 16.000er-Leitung zwar gut zu schaffen, sagt Tenk. Aber die Aussicht, erst in ein paar Jahren wirklich schnelles Internet zu haben, hemme weitere Innovationen.

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