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Brüterei versorgt Mastbetriebe mit Küken

Brüterei in Gaxel produziert 950.000 Küken pro Woche

Vreden Die Pro-Care-Brüterei an der Lise-Meitner-Straße hat ihren regulären Betrieb aufgenommen. Die Küken schlüpfen in Gaxel. Bis sie auf dem Weg zu den Mastbetrieben sind, dauert es nicht lange.

Brüterei in Gaxel produziert 950.000 Küken pro Woche

In der Pro-Care-Brüterei bekommen die frisch geschlüpften Küken direkt nach dem Schlüpfen Futter und Wasser. Foto: Bart Nijs Fotografie

Von außen ist nicht zu erkennen, was der neue Betrieb im Industriegebiet Gaxel macht. Und hinein kommen aus Hygienegründen eigentlich nur Mitarbeiter. In der 1,5 Hektar großen Halle schlüpfen pro Woche im Schnitt rund 950.000 Küken. Die Pro-Care-Brüterei an der Lise-Meitner-Straße hat vor rund drei Monaten den regulären Betrieb aufgenommen, seit Juli 2017 wurden zunächst Testläufe durchgeführt. Unsere Redaktion durfte Anfang der Woche einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Kleidung für Besucher

Im Besprechungsraum hängen Hochglanzfotos an der Wand. Das erste zeigt gestempelte Eier, das zweite ein nasses Küken, noch halb im Ei, das dritte ein flauschiges, gelbes Küken beim Körnerpicken. Jacke, Tasche und Kamera müssen aus Hygienegründen im Besprechungsraum bleiben. Der Schreibblock ist von der Marke Pro Care. Dann geht es in die Garderobe. Jeder, der die Brüterei betreten will, muss erst einmal duschen und die Haare waschen. Die eigene Kleidung müssen Mitarbeiter und Besucher ablegen, nach der Dusche liegen Hosen, T-Shirts, Socken und Schlappen bereit. „Jede Abteilung hat T-Shirts in einer anderen Farbe und auch das Werkzeug hat unterschiedliche Farben. Nichts darf in eine andere Abteilung gebracht werden. Aus Hygienegründen“, sagt Produktmanager Edwin Paardekooper.

Wegen kreuzen sicht nicht

Besucher tragen weiße T-Shirts, damit sie sich jede Abteilung anschauen können. Trotzdem können sie aber nicht laufen, wohin sie wollen. „Alles hat seinen eigenen Weg, Material und Mensch. Und die kreuzen sich nie“, erklärt Theo Krabbenberg. Er ist seit 39 Jahren Brutmeister. Obwohl Edwin Paardekooper gerade geduscht hat, wäscht er sich die Hände und desinfiziert sie. Dann zieht er an einer Schnur, die von der Decke hängt, und ein Tor öffnet sich.

Zunächst geht es durch eine große, leere Halle. „Hier werden die Eier angeliefert“, sagt Theo Krabbenberg. Die Eier kommen von Betrieben, in denen Hennen und Hähne gemeinsam leben. „Die Tiere laufen frei herum und die Eier werden natürlich befruchtet“, so Edwin Paardekooper. Ob sie aber tatsächlich befruchtet sind, zeigt sich in der Brüterei erst nach 18 Tagen. Für das Vorbrüten lagern die Eier in speziellen Wagen. „Jede Stunde werden sie bewegt, damit der Embryo nicht am Rand des Eis festklebt.

Vorgebrütete Eier

Die Henne rollt das Ei beim Brüten auch hin und her“, erklärt Theo Krabbenberg. Er öffnet eine schwere Tür, dahinter stehen mehrere Wagen mit Eiern. Es ist warm. „Das Ei muss immer 100 Grad Fahrenheit haben, also rund 37 Grad Celsius“, sagt Edwin Paardekooper. Anfangs muss der Raum beheizt werden, doch wenn die Embryos wachsen, erzeugen sie Wärme. „Zum Schluss müssen wir sogar kühlen“, so Theo Krabbenberg. Die entstandene Energie wird gespeichert und im nächsten Durchgang für das Heizen wiederverwendet.

Die vorgebrüteten Eier laufen nach 18 Tagen durch eine Maschine. „Wir haben ein System entwickelt, das den Herzschlag des Embryos im Ei erkennt“, berichtet Edwin Paardekooper. Beim herkömmlichen Durchleuchten könne es nämlich sein, dass Embryos nicht erkannt werden. „Bei uns kommt kein lebender Embryo weg.“ Die unbefruchteten Eier werden aussortiert. Eine Spezialfirma holt sie ab und verwendet sie weiter.

System für das Schlüpfen

Auch das System für das Schlüpfen der Küken hat das Unternehmen zusammen mit dem Lieferanten entwickelt. Immer 90 befruchtete und vorgebrütete Eier kommen in spezielle Kästen mit zwei Ebenen. Oben liegen die Eier in einem groben Gitter. Nach drei Tagen schlüpfen die Küken. Dann fallen sie durch ein Loch in die wenige Zentimeter tiefer liegende Ebene. Die Kästen stehen in sogenannten Schlupfräumen. „Die hier gehen in zwei Tagen raus zum Kunden“, sagt Edwin Paardekooper und öffnet eine Glastür per Knopfdruck. Hinter weiteren Glasscheiben stehen die Kästen, mehrere übereinander in vielen Wagen nebeneinander. In den meisten liegen unten ein oder zwei Küken. Sie sind noch nass, bewegen sich kaum.

„Das Schlüpfen kostet extrem Kraft. Meistens schlafen die Tiere erst einmal“, weiß Edwin Paardekooper. Rund 24 Stunden liegen zwischen dem ersten und dem letzten geschlüpften Küken. An den Wänden des Schlupfraums sind Lichtbänder angebracht. „Das ist das Besondere bei uns, dass die Küken im Licht schlüpfen und sofort Futter und Wasser bekommen“, so Edwin Paardekooper. Auf der unteren Ebene des Kastens können die Küken an zwei Seiten Körner picken, an einer Seite Wasser trinken.

In anderen Brütereien bekommen die Tiere nach Angaben des Produktmanagers erst im Stall beim Kunden das erste Futter. „Bis dahin ernähren sie sich vom Eidotter. Aber weil sie bei uns direkt Körner bekommen, baut sich der Darm anders auf und die Tiere sind widerstandfähiger“, erklärt Edwin Paardekooper. Im nächsten Schlupfraum sind die Küken 24 Stunden weiter. Die meisten sind flauschig und gelb. „Es sieht zwar so aus, als hätten sie wenig Platz, aber wenn man genau hinschaut, sieht man, dass überall Lücken sind. Und sie sind entspannt und ruhig“ sagt Theo Krabbenberg. Tatsächlich ist nur vereinzelt ein leises Piepsen zu hören.

Küken für Mastbetriebe

Rund acht bis zehn Stunden, nachdem das letzte Küken geschlüpft ist, machen die Tiere sich auf den Weg zum Kunden. Dabei bleiben sie in der Kiste und haben weiter Futter und Licht. „Unsere Kunden sind Mastbetriebe, in denen die Tiere frei herumlaufen können“, so Edwin Paardekooper. Rund 20.000 bis 40.000 Tiere leben in so einem Stall. Die Küken, die in Vreden geschlüpft sind, sind für die Fleischproduktion gedacht. „Bei uns werden keine männlichen Küken aussortiert wie bei den Tieren für die Eierproduktion“, sagt Paardekooper. Das Unternehmen kenne die Bedingungen in den Ställen seiner Kunden. „Wir haben einen Außendienst, der regelmäßig zu den Ställen fährt.“

Für den Standort Vreden hat sich das Unternehmen entschieden, weil der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel nach Küken fragt, die in Deutschland geschlüpft sind, sagt der Produktmanager. „Unsere Kunden sind zum Beispiel im Emsland, im Münsterland und im Sauerland. Da liegt Vreden strategisch günstig.“

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