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Alkohol- und Drogenmissbrauch bei Jugendlichen in Werne

Alkoholmissbrauch beginnt laut des Jugendleiters der Stadt schon in jungen Jahren

Werne Die Betroffenheit im Jugendausschuss war fast mit den Händen greifbar, als Uwe Schenk mit sanfter Stimme kaum Fassbares berichtete. Der Leiter der Jugendhilfe Werne sprach von Alkohol und Drogen nehmenden Jugendlichen, deren Alter schockiert.

Alkoholmissbrauch beginnt laut des Jugendleiters der Stadt schon in jungen Jahren

Die Schlägereien unter Jugendlichen an Rosenmontag und der massive Polizeieinsatz, unter anderem auf dem Marktplatz, lösten eine Debatte über Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen aus. Sogar Kinder sind betroffen. Foto: Foto: Jörg Heckenkamp

Der Leiter der Jugendhilfe Werne, Uwe Schenk, sprach von einer Gruppe von 10- bis 14-Jährigen, in der es zu Alkohol- und Drogenmissbrauch käme, mutmaßlich auch zu Straftaten. Die Kinder und Jugendlichen „verfügen über ein mangelndes Unrechtsbewusstsein“, formulierte Schenk vorsichtig. Kurzum: „Eine außergewöhnliche Situation.“

Entwicklung bei Ausschreitungen an Rosenmontag erkennbar

Schenks Schilderung war nur der krasseste Fall einer Entwicklung, die spätestens an Rosenmontag ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang. Angefeuert durch Alkohol gingen Jugendgruppen derart heftig aufeinander los, dass die Polizei Mühe hatte, die Situation in den Griff zu bekommen (wir berichteten mehrfach).

Die Ausschreitungen rund um den Rosenmontagszug haben Konsequenzen. Polizeichefin Stephanie Müller sagte in unserem am Freitag veröffentlichen 100-Tage-Interview, dass man an Strategien für nächstes Jahr arbeite. Liane Jäger von der Jugendverwaltung stellte dem Ausschuss am Donnerstagabend den Stand der Dinge und konkrete Maßnahmen vor.

Alkohol- und Drogenmissbrauch nimmt zu

Fazit der Ausführungen: Der Alkohol- und Drogenmissbrauch unter Wernes Jugendlichen hat zugenommen; er geht mit Straftaten und Gewaltbereitschaft einher; die Betroffenen werden jünger.

Und so sollen Vorbeugungsmaßnahmen laut Jäger nicht nur in den 8. bis 10. Schulklassen ansetzen, sondern bereits ab der 5. Klasse. „Solche Maßnahmen wirken nicht sofort, sondern langfristig. Da wollen wir am Ball bleiben“, sagt Jäger vor dem Ausschuss.

Weitere Bausteine:

sogenannte Jugendschutzkontrollen durch gemeinsame Streifen von Jugendamt/Ordnungsamt und Polizei. „Das halte ich für sehr erforderlich“, sagt Jäger. Denn Jugendliche würden auf Ansprachen zu ihrem Drogenkonsum mit Sprüchen wie „Was ist dabei, wenn ich kiffe? Wird sowieso bald legalisiert“ reagieren. Jäger sprach auch von trinkenden Zwölfjährigen.

Man wolle mit Schulen ins Gespräch kommen. Einerseits, um von etwaigen vorhandenen Suchtvorbeugungsprojekten zu profitieren. Andererseits, um gemeinsame Aufklärungsprojekte zu starten wie Theaterstücke.

Lehrerfortbildungen sind ein weiterer Baustein.

Seit Mitte März sind Jugend- und Ordnungsamt, Polizei, BAK-Sicherheitsdienst und andere in diversen Konstellationen bis heute zu drei Treffen zusammengekommen. „Da sind wir schon gut aktiv geworden“, sagt Liane Jäger auf RN-Anfrage.

In der Debatte regte Angelika Römer (SPD) an, das Augenmerk nicht nur auf die Kinder und Jugendlichen zu legen: „Man muss auch auf die Älteren einwirken. Die kaufen schließlich im Laden den Wodka für die Minderjährigen.“

Schlägereien in Werne an Rosenmontag

Erst nach acht Festnahmen beruhigte sich langsam die Lage

Werne Bis 17 Uhr herrschen Friede, Freude, Sonnenschein rund um den Rosenmontagszug. Dann eskaliert plötzlich die Gewalt. Es kommt zu Schlägereien, die die Sicherheitskräfte nur schwer beilegen können.mehr...

Jörg Heckenkamp, Leiter der RN-Lokalredaktion Werne, kommentiert:

Die Reaktion von Stadt und Sicherheitsbehörden ist dringend nötig, kommt aber viel zu spät.

Schon seit Jahren gibt es immer wieder Beschwerden über Jugendgruppen, die nicht nur ihrem Entwicklungsstand entsprechend laut und großmäulig auftreten. Sondern auch Alkohol und Drogen nehmen und – offenbar – auch Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten begehen.

Doch das wurde oft mit Begründungen wie „Wir wollen nicht gleich den großen Hammer herausholen“ hingenommen; manchmal einfach desinteressiert, manchmal hilflos. Wie immer bei solchen Entwicklungen bedarf es leider erst einer Steigerung, bis Verantwortliche aufwachen.

Diese Steigerung lässt sich genau datieren. Es war der 12. Februar 2018, als nach dem Rosenmontagszug alkohol-geschwängerte Jugendliche aufeinander losgingen und die Polizei sogar Einsatzkräfte nachordern musste, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Es ist richtig, dass die Verantwortlichen von Stadt und Polizei nun ein abgestuftes Konzept auf den Weg bringen. Mit Kontrollen und Druck auf der einen Seite, mit Angeboten, Vorbeugung und Schulungen auf der anderen Seite.

Wäre das eher erfolgt, wäre es vielleicht zu einer gefährlichen Situation wie am 12. Februar gar nicht erst gekommen.

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