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Die bewegende Geschichte eines Herzkranken

Anteilnahme macht Familie Behnke sprachlos und dankbar

Werne/Selm Es war eine dramatische Entscheidung – aktive Sterbehilfe oder doch eine Operation. Jetzt wird Antje Behnke mit vielen Fragen konfrontiert. Viele Menschen wollen wissen, wie es ihrem Mann, Jens Behnke, nach der Herz-Operation geht. Nun möchte sie antworten und einfach nur Danke sagen.

Anteilnahme macht Familie Behnke sprachlos und dankbar

Magnus Schlüchter, Versandleiter der Firma Böcker in Werne, rief im Februar zur Spende für seinen erkrankten Kollegen Jens Behnke auf. Inzwischen ist der erfolgreich operiert worden. Foto: Helga Felgenträger (A)

Antje Behnke erlebt im Moment ein ständiges Auf und Ab. „Es ist eine Achterbahn der Gefühle. Es gibt keine Kontinuität. Das macht einen kirre“, sagt die Selmerin. Vor fünf Wochen haben Ärzte ihren 42-jährigen Mann Jens am Herzen operiert. Die Mediziner haben vorher klare Worte gefunden. Vielleicht schafft er es, vielleicht auch nicht, haben sie gesagt.

Doch Jens Behnke, der zuvor stark abgebaut hatte und einen Infekt hatte, übersteht den Eingriff gut. Sogar sehr gut. „Man hat uns vorher gesagt, dass er ins Koma fallen könnte“, erzählt Antje Behnke. Doch das Gegenteil trat ein, wie Jörn Weinberg, Zwillingsbruder von Antje Behnke, sagt. „Er hatte nach 48 Stunden wieder die Augen auf und wollte telefonieren. Es war das bestmögliche Ergebnis.“

Entscheidung zwischen Operation und aktiver Sterbehilfe

Bis es zu der lebensnotwendigen Operation kam, war es ein langer und harter Weg. Seit vier Jahren hatte ihr Mann schon Herzprobleme, erzählt Antje Behnke. Im vergangenen Dezember wurde es noch schlimmer. Irgendwann habe man sich entscheiden müssen: „Für die Operation oder für aktive Sterbehilfe“, sagt die 42-Jährige und muss schlucken. Bis zum Schluss habe ihr Mann, der lange Leistungssport betrieben hatte, gegen den Eingriff gekämpft. Aber irgendwann hat er so abgebaut, dass kein Weg daran vorbeiführte.

Nach der Spendenaktion bei der Böcker AG

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Während die OP gut verlaufen ist, ist die Zeit danach umso schwieriger. „Immer wenn man einen Schritt nach vorn macht, geht man wieder drei Schritte zurück“, sagt Behnke. Sie versucht, einen Weg zu finden, wie sie mit den ständigen Unwägbarkeiten umgehen kann. „Ich mache keine Prognosen mehr. Ich weiß ja nie, wie es sich weiterentwickelt“, sagt sie.

Es sei immer schwer, zu ihrem Mann, der nun Dialysepatient ist, in die Klinik nach Münster zu fahren. Nie weiß sie, was sie im Zimmer erwartet. Zu oft wurde sie schon überrascht von Situationen, die einen Rückschritt zeigen. Was Antje Behnke und ihren drei Kindern Mona (15 Jahre), Moritz (14) und Lilli (9) in dieser schwierigen Situation hilft, ist die große Unterstützung, die sie zurzeit erfahren. Der Spendenaufruf, den die Firma Böcker in Werne gestartet hat, hat hohe Wellen geschlagen.

Anteilnahme macht Familie Behnke sprachlos und dankbar

Ein Bild aus früheren Zeiten: Jens Behnke, der seit seinem siebten Lebensjahr das linke Bein amputiert hat, bei einem Duell im Badminton. Der 42-Jährige wurde vor fünf Wochen erfolgreich am Herzen operiert. Seit dem Spendenaufruf, den die Firma Böcker in Werne initiiert hatte, erfährt die Familie eine große Anteilnahme. Dafür ist Antje Behnke dankbar.

Versandleiter der Firma Böcker rief zu Spenden auf

„Ich habe noch nie so eine Anteilnahme erlebt. Man bekommt ja Spendenaufrufe im Fernsehen mit. Aber dass der eigenen Familie so etwas widerfährt, damit rechnet man nicht“, sagt sie und kämpft wieder mit den Tränen. Es sind Freudentränen. Ihr Dank gilt vor allem Magnus Schlüchter.

Der Versandleiter der Firma hatte den Spendenaufruf vorgeschlagen. Mit ihrem Mann habe sie überlegt, ob man dieses Angebot annehmen und in die Öffentlichkeit gehen möchte, erzählt Antje Behnke. Sie haben es sich nicht leicht gemacht. „Für mich ist es einfacher, etwas zu geben als zu nehmen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich dem gerecht werden müsste.“

Und sie möchte den vielen Fragen, die aufkommen, gerecht werden. Wie geht es deinem Mann? Wann kommt er wieder nach Hause? Es sind Fragen, die Antje Behnke gern beantworten würde. Aber sie kann es nicht. Die Ärzte planen, dass Jens Behnke in zwei Wochen in die Reha geht. „Ich glaube nicht, dass das möglich sein wird“, sagt Antje Behnke.

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Hilfe kam von vielen Seiten

Eigentlich wollte die Familie gemeinsam die Konfirmation von Sohn Moritz am 28. April feiern. Doch Jens Behnke wird dieses Ziel nicht erreichen. Das sei heute nicht mehr realistisch, weil alles immer in der Schwebe sei, sagt Antje Behnke.

Die Spenden nutzt sie vor allem dazu, den Kindern etwas zu bieten. Etwa um ihrem Sohn das Trainingslager mit dem TuS Waltrop zu ermöglichen. „Das war schon lange geplant und er soll natürlich mitfahren“, sagt sie. Das Geld für die Osterfahrt war schon überwiesen, da kam es einige Tage später prompt zurück. „Der Verein hat ganz selbstverständlich die Kosten übernommen. Das ist schon toll“, sagt Jörn Weinberg. Das ist auch eine Art der Anteilnahme und Unterstützung, die der Familie in dieser Zeit unheimlich guttut.

Und die kam von vielen Seiten. „Es haben Leute, die einem nahe stehen, mitgemacht oder Leute, die man gar nicht kennt“, sagt Jörn Weinberg. Während viele Arbeitskollegen der Firma Böcker für die Familie gespendet haben, haben sich auch weitere Institutionen angeschlossen: Die Schule und Klassenkameraden der jüngsten Tochter Lilli, der Kegelverein von Jens’ Bruder, die Tafel und der TuS Waltrop – es sind nur einige Beispiele.

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Rückkehr in den Job ist ungewiss

Eine Spende von 1415 Euro gab es zudem von Chorleiter Hans W. Schumacher, der bei einer Taizé-Andacht in der vergangenen Woche in der Friedenskirche in Selm dazu aufgerufen hatte. Wie viel Geld auf dem Spendenkonto liegt, weiß Antje Behnke nicht. Ihr Mann habe sich alle Ausdrucke mit Tränen in den Augen vor der Operation angeschaut. Sie selbst hat es bis heute nicht gemacht. Sie weiß nicht, wie viel Geld es ist. „Es hilft, wenn man weiß, dass man darauf zurückgreifen kann. Es ist eine unheimliche Erleichterung“, sagt die Erzieherin.

Ob Jens Behnke wieder je in seinen Beruf zurückkehren kann, ist ungewiss. Es sind Zukunftsängste, mit denen sich seine Frau im Moment nicht befassen möchte. Klar ist, dass er ein neues Leben führen wird. In der Operation haben Ärzte ihm eine Pumpe unterhalb seines geschädigten Herzens implantiert. Damit wird das Herz-Kreislauf-System so unterstützt, dass die Nieren und alle anderen Organe vernünftig mit Blut versorgt werden. Die Pumpe hat einen künstlichen Ausgang und muss regelmäßig mit Akkus aufgeladen werden. „Es wird sein Leben komplett verändern. Das ist eine Sache, mit der wir lernen müssen, umzugehen“, sagt Antje Behnke.

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