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Trend in Werne

Schützenvereine freuen sich über mehr Jugend und Frauen

Werne Schützenverein – ein Zeitvertreib für ältere Männer, die gerne mal ein Bierchen zischen? Stimmt längst nicht mehr. Die Vereine wandeln sich Schritt für Schritt. In Varnhövel-Ehringhausen besonders schnell.

Schützenvereine freuen sich über mehr Jugend und Frauen

Wir gehören hierzu, scheint Leoni Eickhoff (21) zu zeigen. Sie verweist auf das Vereinsabzeichen von Varnhövel-Ehringhausen auf Vanessa Fränzers (20) Schützenjacke. Foto: Jörg Heckenkamp

Sie reden von Party und Spaß. Von Geselligkeit, Freude und netten Kontakten. Von einem Miteinander über die Generationen hinweg. Sie reden von Schützenvereinen. Ihrem Schützenverein. Varnhövel-Ehringhausen.

„Ich wollte schon als kleines Mädchen dabei sein“, sagt Vanessa Fränzer (20). „Selbst das Marschieren macht Spaß“, sagt Leoni Eickhoff (21). Zwei junge Frauen haben sich den Schützenverein zu ihrem Hobby erkoren.

Schützenvereine freuen sich über mehr Jugend und Frauen

Ein bisschen Spaß muss sein. Leoni Eickhoff (l.) und Vanessa Fränzer posieren mit Säbel und Hut von Vanessas Vater. Foto: Jörg Heckenkamp

Nein, eigentlich ist es schon mehr als ein Hobby. „Mich fasziniert die Geselligkeit. Man feiert mit allen Generationen. Wenn sie Uniform tragen, sind doch alle gleich“, sagt Leoni, die als zahnmedizinische Fachangestellte arbeitet.

Durch eine Freundin kam sie vor drei Jahren zu dem 1895 gegründeten Verein. „Das macht mir so viel Spaß, dass ich jetzt schon versuche, andere Freundinnen in den Verein zu bekommen“, sagt die junge Schützin.

Das sagt die 1. Schriftführerin und Mutter von Vanessa, Melanie Fränzer:

  • Von unseren 360 Mitgliedern sind 27 zwischen 16 und 21 Jahre alt.
  • Auf Nachfrage beteuert sie den Wahrheitsgehalt ihres nächstens Satzes: „Manche warten sehnsüchtig darauf, dass sie endlich 16 werden, damit sie in den Verein eintreten können.“ Denn das Mindestaufnahmealter beträgt in Varnhövel-Ehringhausen 16 Jahre.
  • Und die Mär von der Männer-Spielwiese Schützenverein hat der Klub spätestens seit 2014 ins Reich der Fabel verwiesen.
  • Damals gründete sich die eigene Frauenkompanie.
  • Melanie Fränzer: „Wir haben aktuell fast 30 Mitglieder.“

Tochter Vanessa gehört dazu. „Ich war natürlich durch meine Eltern vorbelastet, was den Schützenverein angeht“, sagt die 20-Jährige, die eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Mutter im Vorstand, Vater Theo Oberst. „Mit acht Jahren bin ich in den Spielmannszug Werne gegangen“, sagt Vanessa. Dann mit 16 Jahren Wechsel in den Verein der Eltern.

Schützenvereine freuen sich über mehr Jugend und Frauen

Im Gleichschritt, marsch. Richtiges Marschieren gehört zum Repertoire eines Schützenvereins. Foto: Jörg Heckenkamp

Was sie als junge Frau daran fasziniert? Die 20-Jährige schaut einen Moment mit großen Augen in die Luft, sagt dann: „Ich habe schon als Mädchen gesehen, wie viel Spaß es meinen Eltern gemacht hat. Ich wollte auch Spaß haben und habe mich sofort gut aufgenommen gefühlt.“ Das ist es wieder, das Wort „Spaß“. Genauso sieht es Leoni Eickhoff: „Wir besuchen andere Schützenfeste, feiern dort mit unserer Clique. Da brauche ich nicht in die nächste Großstadt zu fahren, um in einem Club abzufeiern.“

Der Schützenverein als standortnahes Amüsier-Angebot gerade für Jüngere hat tatsächlich an Gewicht gewonnen. Selbst Cliquen, die auf Uniform, Marschieren und Vogelschießen eher naserümpfend herabsehen, verabreden sich samstagabends im Festzelt.

Denn statt Humba-Humba-Musik spielen DJs oder Live-Bands zu späterer Stunde aktuelle Charts, sodass der Tanzboden bebt – Club-Feeling unter der Vogelstange. „In Werne ist eben nicht so viel los. Ist doch toll, dass wir dann auf den Schützenfesten richtig feiern können“, sagt Vanessa. Und Leoni nickt zustimmend.

Das sagt der Sprecher des Bundes historischer Deutscher Schützenbruderschaften:

  • In manchen dörflichen Gemeinden halten Schützenvereine soziale Angebote vor wie Spielabende „oder eben die Disko im Vereinsheim. Dann müssen die jungen Leute nicht in die nächste Großstadt fahren“, sagt Rolf F. Nieborg.
  • Er kann den Trend zu jung und weiblich im Schützenrock bestätigen.
  • Von 13.000 Mitgliedsvereinen nehmen 84 Prozent offiziell weibliche Mitglieder auf.
  • Unter den 400.000 Mitgliedern seines Bundes sind 48.000 jünger als 25 Jahre.
  • „Allerdings muss man aktiv um Nachwuchs werben“, sagt Nieborg.
  • So empfehle der Bund zum Beispiel Besuche von Schützen schon im Kindergarten. Dort könne man Kinder mit „Bällen auf einen kleinen Klapp-Vogel werfen“ lassen. „Das macht ihnen meist Spaß“, sagt Nieborg.

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